«TalkTäglich»
Der Aargau verliert seine Sonderstellung innerhalb der CS – doch die Konkurrenz könnte profitieren

Was bedeutet das Verschwinden der NAB für den Aargau? War das ein absehbarer Schritt? Und was bedeutet das für Kunden und Veranstalter? Über diese Fragen diskutieren Regierungsrat Urs Hofmann und Chefredaktor Patrik Müller in der Sendung TalkTäglich.

Dominic Kobelt
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«Ich war schockiert, das ist eine schlechte Nachricht für den Aargau», schildert der Aargauer Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann seine Reaktion auf das Verschwinden der NAB. «Einerseits gehen Stellen verloren, und das ist für die Leute gerade in der Zeit von Corona sicher nicht leicht.» Zudem sei es aber auch der Verlust eines Brands, eines Markennamens, der zumindest in der Wahrnehmung der Leute eine eigenständige Bank mit Verbundenheit zum Kanton signalisiert habe.

Patrik Müller, Chefredaktor bei CH Media, zeigt sich besonders über den Zeitpunkt überrascht: «Den Banken geht es trotz Corona nicht so schlecht, es gibt andere Branchen, die stärker betroffen sind.» Auf der anderen Seite habe man schon länger gemunkelt, dass es die NAB einst nicht mehr geben könnte. «Vieles war schon in die CS integriert. Es war einiges nur Staffage.»

Kein «Aargauer des Jahres» mehr?

Dass die Credit Suisse die NAB vollständig integriert könnte für Anlässe, die auf Sponsoren angewiesen sind, zum Problem werden. Zwar verspricht CEO André Helfenstein im Interview, der Aargau werde innerhalb der CS eine starke Stellung behalten, und die CS wolle «grundsätzlich» an ihren Engagements festhalten. Doch Müller zweifelt, und nennt als Beispiel den «Aargauer des Jahres», ein gemeinsames Engagement der NAB mit TeleM1 und der Aargauer Zeitung: «Längerfristig konnte der CEO keine Versprechen machen. Fragt sich, ob es noch Sinn macht, dass die CS einen 'Aargauer des Jahres' kürt – sie kürt ja auch keinen Zürcher oder Thurgauer des Jahres.» Profitieren könnte hingegen die Konkurrenz, wie etwa die Aargauer Kantonalbank oder die Raiffeisenbank, von Kunden die jetzt abspringen, weil sie nicht zu einer Grossbank wollen.

Hofmann schmerzt besonders, das mit der NAB ein Stück Aargauer Wirtschaftgeschichte verschwindet. «Es ist unverständlich, warum die Marke NAB verschwindet, und ich bin mir nicht sicher, ob das nachhaltig ist.» Müller betont, dass man jetzt nicht nur von der "bösen CS" sprechen dürfe: «Das Kundenverhalten hat sich geändert. Wer Geschäfte am Bildschirm macht, dem kann es egal sein, ob diese in Aarau oder in Zürich abgewickelt werden.»

Die NAB war eigentlich erfolgreich, eine «Cash-Cow», wie Moderator Adrian Remund betont. Was geschieht nun, werden die guten Teile ausgeschlachtet? «Nein», sagt Müller, «der Aargau wird einfach eine von neun Regionen. Die CS hat aber kein Interesse, den Aargau auf die Schlachtbank zu führen.» Obwohl die Marke aufgegeben werde, wäre man dumm, man würde die Werte aufgeben, so der Wirtschaftsexperte. «Die CS muss nun aber beweisen, dass sie den schönen Worten Taten folgen lassen. Dass sie weiterhin den Aargau als Region ernst nehmen – machen sie es nicht, wird sich das rächen.»

Die ganze Sendung sehen Sie auf 18.30 Uhr auf TeleM1.

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