Krankheiten

Der Aargau verzeichnet mehr tote Füchse als in Tollwut-Zeiten

Dieser Fuchs ist an Räude erkrankt, das Fell hat er sich abgekratzt.

Dieser Fuchs ist an Räude erkrankt, das Fell hat er sich abgekratzt.

Die grassierende Tollwut in den 80er-Jahren dezimierte die Aargauer Fuchsbestände weniger schlimm als jetzt die Milbenkrankheit Räude und die Viruskrankheit Staupe. Die Wildbestände sind im Kanton Aargau noch nie so stark dezimiert worden wie im jüngsten Jagdjahr 2011.

In der jüngsten Jagdstatistik 2011 ist die Zahl von 1041 Tieren im Vorjahr auf 1332 tote Füchse gestiegen. «Noch nie seit Beginn der Erhebungen 1972 wurden derart viele Füchse als Fallwild registriert», schreibt Praktikantin Jasmin Schnyder von der Abteilung Wald in der Schrift «Umwelt Aargau». «Die an Staupe oder Räude erkrankten Tiere gehen oft qualvoll ein. Durch die Staupe werden Verdauungs-, Nerven- und Atmungssystem angegriffen», steht im Bericht zu «gesunden und kranken Wildtieren». Auch die 409 toten Dachse sind ein Rekordwert seit Jahrzehnten.

Natürliche Reduktion klingt ab

Die Statistik unterscheidet in erlegtes Wild durch die tausend Aargauer Jägerinnen und Jäger und in Fallwild. Beim Fallwild geht es um tot aufgefundene Tiere, die dem Verkehr, Hunden oder einer Krankheit zum Opfer fielen. Füchse gelten als Kulturfolger schlechthin, weil Meister Reinecke schlau und anpassungsfähig ist.

Die Füchse können sich enorm schnell vermehren, werden aber bei zu hoher Dichte immer wieder durch ansteckende Krankheiten dezimiert. «Das Staupe-Virus war sehr aggressiv und hat sich rasch über die ganze Schweiz ausgebreitet. Aber in jüngster Zeit gab es keine Fälle mehr, die vielen Jungfüchse deuten auf eine Erholung der Bestände», betont Dominik Thiel von Jagd und Fischerei in der Abteilung Wald.

Auch tote Feldhasen und Biber

Im letzten Jagdjahr fallen auch andere Tierarten durch hohe Fallwildzahlen auf: Die seit Jahren von den Jägern geschonten Feldhasen sind erneut mit null erlegten Tieren aufgeführt. Aber in der Sparte Fallwild sind 71 Feldhasen registriert, die überfahren wurden, durch Krankheiten oder natürlich starben oder anderen Tieren zum Opfer fielen. Beim Fallwild erscheinen in der Statistik auch 20 Biber und 20 Iltisse.

Ungleich höher ist die Zahl von fast 1000 Fallwild-Rehen, die dem Strassenverkehr oder Raubtieren zum Opfer fielen, wobei darin Hunde inbegriffen sind. Bei den Rehen sind die Zahlen «relativ konstant, über die letzten Jahrzehnte tendenziell aber abnehmend». Wegen der hohen Bestände müssen die Jäger pro Jahr rund 5000 Rehe erlegen; die Abschussplanung wird mit Revierförstern und Gemeinden festgelegt.

Zu viele Gämsen und Wildsauen

Besser als den Füchsen geht es den Gämsen. Bis vor zwei Jahren waren sie geschützt, seit dem neuen Gesetz 2010 gelten sie als jagdbar. 2008 wurden erst 28 Gämsen erlegt, im jüngsten Jagdjahr waren es schon 63 Tiere. Im Aargau gibt es 300 bis 400 Gämsen, vor allem am Villiger Geissberg und an der Wasserfluh. Beim Gämspfeffer macht unser Kanton dem Bündnerland also bald Konkurrenz.

Die Wildschweine gehören nach wie vor zu den grössten Herausforderungen bei der Regulierung der Wildtiere, weil sie Allesfresser sind und sich an jeden Lebensraum anpassen können. Als die vielen Schwarzkittel immer grössere Schäden anrichteten, erlegten die Jäger im Spitzenjahr 2008 genau 1548 Wildschweine, letztes Jahr waren es noch 740 Tiere.

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