Es könnte sehr gut herauskommen dieses Jahr – «wenn nüt meh passiert», sagt Winzer Peter Büchli, während er die 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des AZ-Jasskönig-Finals durch sein Weingut führt.

Oberhalb Effingen betreibt die Familie Büchli seit Jahrzehnten erfolgreich Rebbau. Zurzeit wüchsen die Triebe fast ohne Unterbruch: «An einem schönen warmen Tag machen sie bis zu zwei Zentimeter», erklärte Büchli. Jetzt hofft er, dass kein Unwetter mehr kommt. Die Frostkerzen stehen auf einer Palette bereit, gebraucht hat er sie heuer noch nicht. Jetzt gilt es, die Triebe in die vormontierten Drähte zu bringen und zu stutzen: «Sonst würden sie quasi ins Unendliche wachsen.»

Leistungsmässig in Richtung Unendlichkeit wachsen wollten die Jasserinnen und Jasser nach der Führung am Jasstisch – schliesslich galt es, um den Titel des AZ-Jasskönigs 2018 zu spielen. Nach der erfolgreichen Premiere 2017 führten die Aargauer Zeitung und Aargau Tourismus das Turnier in diesem Jahr zum zweiten Mal durch. In vier Qualifikationsrunden konnten sich die je besten zehn Spieler einen Finalplatz sichern. So die Theorie.

Hürzeler gibt Forfait für Leuthard

In der Praxis war es aber manch einem Qualifizierten aus terminlichen Gründen nicht möglich, am Finalturnier im Fricktal teilzunehmen. Die grössten Auswirkungen hatte dies auf die Rangliste der dritten Vorrunde, die am 4. Mai bei Weinbau Fürst in Hornussen ausgetragen worden war. Tagessieger Hansjörg Vogt war am Finaltag verhindert.

Der Sechstplatzierte Fabian Hägler lief als AZ-Redaktor ausser Konkurrenz. Und der Zehntplatzierte, Regierungsrat Alex Hürzeler, war am Freitag an der 100-Jahr-Jubiläumsfeier der Bauunternehmung Leuthard in Merenschwand – zusammen mit der dort heimischen Bundesrätin Doris Leuthard.

Weil die Kandidaten auf den Plätzen 11 bis 13 aufgrund von Terminkollisionen nicht nachrutschen konnten, war es Manfred Zobrist aus Seon, der mit Rang 14 den Finaleinzug doch noch schaffte. So stand er gleich doppelt zuletzt auf der Liste: auch wegen seines Nachnamens. Doch das sollte ein gutes Omen sein.

«Gueti Charte, gueti Lüüt, fertig»

Der amtierende Jasskönig Thomas Hollinger aus Wil ging es mit einem entspannten Lächeln an, hatte aber Erwartungen an sich selber: «Ein wenig nervös bin ich schon. Man sollte ja nicht grad Letzter werden, wenn man im Vorjahr gewonnen hat. Sonst sagen alle, das sei nur ein Glückstreffer gewesen.»

Seine Strategie? Da wollte sich Hollinger nicht in die Karten schauen lassen. Er gab aber zu bedenken: «Partnerglück ist mehr wert als Kartenglück.» Rolf Cavalli, Chefredaktor ad interim der AZ Nordwestschweiz, deutete auf Hollinger und gab die Losung vor: «Ihn gilt es zu schlagen. Also besser nicht gegen ihn, sondern noch besser jassen als er.»

Die zwei Qualifikationssieger, die nicht verhindert waren und voller Elan ins Final starteten, traten ebenfalls ohne klaren Plan an. Ruben Carlin, Sieger von Remigen, sagte: «Ich spiele frisch von der Seele weg. Der Spass ist wichtig.»

Und sein Kontrahent Urs Pfister, Sieger von Tegerfelden, fasste es so zusammen: «Gueti Charte, gueti Lüüt, fertig.» Die Umgebung dürfte ebenfalls geholfen haben, die Nerven ruhig zu halten: Der Blick aus dem Fenster zeigte grüne Hügel, grüne Reben im Regen, Pferde des Nachbarhofs, die freudig über die nasse Weide sprangen. So viel Natur beruhigt auch den nervösesten Jasser.

Lachende Verlierer

Gespielt wurden drei Passen mit zugelosten Partnern, gezählt wurde alles einfach, ohne Stöck, Wys, Matchbonus. Und schon nach der Halbzeit, bei anderthalb gespielten Runden, zeichnete sich ab, dass es nicht der Abend der Favoriten werden würde. «Das git en Gstellte», war sich Titelverteidiger Thomas Hollinger sicher.

Und er hatte recht: Sekunden, nachdem er den Satz gesagt hatte, notierte er 15:142 auf das Matchblatt – das Spiel vorher war just 142:15 ausgegangen. «Humor ist, wenn man trotzdem lacht», kommentierte Hollinger und teilte ganz zufrieden neu aus.

Auch für Ruben Carlin zeigte sich: «Es sieht sehr ausgeglichen aus.» Und Urs Pfister haderte mit seinem Partner: «Wieso ziehsch du d’Eichle ned a?» Partnerglück haben bekanntlich nicht alle.

Während die Apéro-Chuchi Freiamt Dessert und Kaffee servierte, ratterten im Turnierbüro von Kurt Röllin und seinem Team die Rechenmaschinen. Und am Schluss stand der, der zuunterst auf der List stand, tatsächlich «Zobrist»: Manfred Zobrist wird mit 3163 Punkten AZ-Jasskönig 2018 und durfte Reka-Checks über 2000 Franken entgegennehmen. Zweiter wurde Willy Haller, Fislisbach (9. in der Quali, 1500-Fr.-Gutschein Eurobus), Dritte Anna-Marie Müller, Wettingen (6. in der Quali, zwei Übernachtungen Quellhotel Bad Ramsach, Läufelfingen BL).