Fachhochschule

Der Erfolgreiche wird gebremst – die Fachhochschule Nordwestschweiz soll nicht weiter wachsen

Direktionspräsident Crispino Bergamaschi muss das Wachstum drosseln. (Archivbild)

Direktionspräsident Crispino Bergamaschi muss das Wachstum drosseln. (Archivbild)

Die Fachhochschule Nordwestschweiz ist überaus erfolgreich. Die vier Trägerkantone Aargau, Solothurn, Baselland und Basel-Stadt möchten aus Spargründen jedoch nicht mehr Studierende. Der Direktionspräsident Crispino Bergamaschi hat Verständnis dafür, wünscht sich aber, dass die Geldgeber mit Augenmass und intelligent agieren.

Die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) ist eine Erfolgsgeschichte. In den letzten zehn Jahren stieg die Zahl der Studierenden stetig an. 2015 erreichte sie den bisherigen Höchststand mit 11 262 Studierenden, was gegenüber dem Vorjahr wiederum einer Zunahme von sieben Prozent entspricht. Doch nun will die Fachhochschule das Wachstum drosseln oder gar stoppen.

«Wir haben ein Kapazitätsproblem», erklärt Direktionspräsident Crispino Bergamaschi. Höchstens 500 bis 1000 zusätzliche Studierende könne die FHNW noch aufnehmen. Daran ändert auch der neuste Campus-Bau in Muttenz nichts, der ab 2018/2019 Platz für 3700 Studierende bietet.

Vor allem aber hat die Fachhochschule Nordwestschweiz ein Finanzproblem. Bereits im letzten Herbst verlangte die interparlamentarische Kommission, der Vertreter aus den Trägerkantonen Aargau, Solothurn und beider Basel angehören, dass die Kosten für die Schule nicht weiter ansteigen dürfen und die Schule deshalb nicht mehr weiterwachsen darf.

Campus mit Sogwirkung

Wie ist das für den erfolgreichen Direktionspräsidenten Bergamaschi, wenn der Erfolg ihn zwingt, weniger Erfolg zu haben? Bergamaschi relativiert: «Es ist nur schon eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die bisherigen hohen Anmeldezahlen halten zu können». Denn die Zahl der Berufsabgänger mit Berufsmaturität sei stagnierend. Und zusätzliche Studierende seien ohnehin nur mit neuen Studiengängen zu gewinnen. Doch dafür fehlt den Kantonen das Geld.

Was macht denn die Attraktivität der Fachhochschule aus? «Die neuen Campus-Bauten üben eine Sogwirkung aus», erklärt Bergamaschi. «Zum einen veranlassen sie viele Studierende aus der Nordwestschweiz, hier zu studieren und anderseits ziehen sie auch viele Studierende aus der ganzen Schweiz und dem Ausland an.» Die Zahlen belegen diese Aussage: 69 Prozent der Studierenden stammen aus den Kantonen Aargau, Solothurn, Basel Stadt und Baselland; 25 Prozent aus der übrigen Schweiz und 9 Prozent aus dem Ausland.

Attraktiv sei die FHNW aber auch aufgrund ihres Angebotes, das sich stark nach den Bedürfnissen der Praxis ausrichte. So seien Studiengänge beispielsweise berufsbegleitend oder englischsprachig möglich. Direktionspräsident Bergamaschi sagt, er habe Verständnis für die finanziell gebeutelten Trägerkantone, die sparen müssen und deshalb verhindern möchten, dass die FHNW sie noch mehr Geld kostet.

«Mit Augenmass und intelligent»

Dennoch plädiert Bergamaschi dafür, dass die Geldgeber trotz angespannter finanzieller Situation mit Augenmass und in der Sache intelligent agieren. Dazu gehören für ihn drei Aspekte.

«Wir sollten Bildung aus einer langfristigen Perspektive betrachten», sagt Bergamaschi. «Kurzfristige Entscheidungen erweisen sich oft als wenig hilfreich.»

Wichtig ist für Bergamaschi auch, dass die Fachhochschule zukunftsfähig bleibt. «Die Schule muss weiterhin auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen reagieren können und eine aktuelle Praxisorientierung bieten.»

Schliesslich vertraut der Direktionspräsident auch darauf, dass die Trägerkantone weiterhin zu ihrer Fachhochschule stehen und die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung stellen. «Denn mit einer auf hohem Niveau funktionierenden Fachhochschule erhält die Nordwestschweiz auch gut ausgebildete Fachkräfte, die hier ihre Steuern bezahlen.»

Die Fachhochschule Nordwestschweiz kostete im Jahre 2015 rund 451 Millionen Franken. Die Hälfte der Einnahmen von rund 450 Millionen Franken sind von der FHNW erwirtschaftete Drittmittel. Auch dies ist ein Spitzenwert im Konzert der schweizerischen Fachhochschulen.

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