Schönfärberei
Der Kanton Aargau verzichtet: Wikipedia-Richtlinien seien unnötig

Wikipedia-Artikel wurden von Bundesangestellten schöngefärbt. Besteht die Gefahr auch beim Kanton Aargau? Dort heisst es: Nein. Man könne sich nur an einen einzigen Eingriff erinnern.

Peter Brühwiler
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Beim Kanton Aargau erinnert man sich nur an einen einzigen Artikel, der von der Verwaltung geändert wurde, und der betrifft die Regierung.

Beim Kanton Aargau erinnert man sich nur an einen einzigen Artikel, der von der Verwaltung geändert wurde, und der betrifft die Regierung.

Keystone

Bundesangestellte haben unliebsame Einträge im Online-Lexikon Wikipedia umgeschrieben, gelöscht oder schöngefärbt, wie die «Nordwestschweiz» diese Woche publik machte. Das Reinwaschen des eigenen Aussenbildes verstösst gegen den Grundsatz der Unabhängigkeit — mit grosser Wirkung, denn in der Schweiz zählt Wikipedia zu den fünf am häufigsten besuchten Internetseiten. Die Thurgauer SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher forderte in dieser Zeitung deshalb «verbindliche Richtlinien für Wikipedia-Änderungen» von der Bundeskanzlei.
Bei der Aargauer Kantonsverwaltung sind solche Richtlinien kein Thema, wie Michel Hassler vom Kommunikationsdienst der Staatskanzlei auf Anfrage sagt. Dass Kantonsangestellte Wikipedia-Einträge geändert hätten, ist ihm nicht bekannt. Nur an einen einzigen Eingriff kann er sich erinnern: «Kürzlich haben wir ein aktuelles Bild der Regierung reingestellt». Und falls man sich doch einmal zu einem inhaltlichen Eingreifen gezwungen sähe? «Dann», versichert Hassler, «würden wir dies in transparenter Art und Weise mit Quellenangabe tun». Zuständig sei für die Überwachung und Betreuung des Online-Lexikons auf der Staatskanzlei aber niemand.
Auch im Departement Gesundheit und Soziales von Susanne Hochuli, die wegen des Asyl-Dossiers von allen Regierungsräten am stärksten polarisiert, ist Wikipedia kein grosses Thema. Ihr Eintrag beschreibt trocken die berufliche und private Laufbahn — und wurde letztmals Ende 2014 geändert. Dass sie dieses Jahr zum zweiten Mal als Frau Landammann amtet, erfährt der Wikipedia-Leser also nicht. «Die aktuelle Diskussion zeigt ja, dass es nicht opportun ist, wenn Amtspersonen an den sie betreffenden Einträgen rumfingern», erklärt Hochulis Sprecher Balz Bruder. Offensichtliche Falschinformationen würde er zwar korrigieren, ansonsten ist er aber der Meinung, dass man Wikipedia «sich entwickeln lassen sollte, wie von der Idee her vorgesehen».
Das heisst: Eine Privatperson müsste sich um die Aktualisierung des Hochuli-Eintrags kümmern. Bruder verweist derweil auf die Website der Departmentschefin, deren Betreuung sie extern und auf eigene Kosten vergeben hat. Die eigene Website ist als Informationsquelle natürlich weniger objektiv, als es Wikipedia zumindest in der Theorie sein sollte. Aber immerhin aktuell.

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