Das Interesse war riesig, als Ende März das Bild eines Wolfs publik wurde, der in Erlinsbach in eine Fotofalle getappt war. Er war im Februar fotografiert worden. Der Kanton hatte die direktbetroffenen Bauern informiert, war damit aber nicht an die Öffentlichkeit getreten, da man Wolfstourismus vermeiden wollte.

Zudem sei das Tier längst wieder über alle Berge, hiess es. Tier- und Pflanzentourismus sei in der ganzen Schweiz bekannt, sagt Alain Morier, Chef der Abteilung Wald im Umweltdepartement.

Attraktive Artengruppen wie Uhu und Wanderfalke oder auch Orchideen seien sehr stark betroffen. Morier hält fest: «Luchs, Wolf und in den Alpen und Voralpen auch der Bär gehören dazu.»

Künftig will der Kanton aber bestätigte Wolfsnachweise auf der Internetseite der Abteilung Wald aufführen, und nicht mehr nur die Direktbetroffenen informieren. Dies geht aus dem neuen Konzept für den Umgang mit Wolf, Luchs und anderen Grossraubtieren hervor, das der AZ exklusiv vorliegt.

Demnach rechnet man im Departement von Stephan Attiger jederzeit «mit durchziehenden Einzelwölfen im Kantonsgebiet». Im Unterschied zum Wolf wird der Luchs im Aargau seit Jahren regelmässig beobachtet.

Einzeltiere beider Arten verhalten sich heimlich und zurückhaltend und sind für den Menschen ungefährlich, so die Spezialisten im Kanton, weshalb man auf eine breite Kommunikation in diesem Fall verzichten wollte. Aufgrund der hohen Medienpräsenz des ersten Fotos eines Wolfs im Aargau ändert das Departement jetzt sein Vorgehen.

Wolf länger da: Flyer, Merkblatt

Eine breite Information ist geplant für den Fall, dass sich ein Wolf länger im Aargau aufhalten sollte, also wenn es in zwei Monaten mindestens sechs Nachweise gibt. In diesem Fall soll die Öffentlichkeit über Empfehlungen zum Verhalten per Mediencommuniqué informiert werden.

Wichtige Informationen oder Untersuchungsergebnisse werden dann in kantonalen Publikationsorganen weitergegeben oder via Merkblätter, Flyer oder die Homepage des Kantons kommuniziert.

Laut Alain Morier gab es vor dem ersten Foto vom Februar 2019 keinen Nachweis für einen Wolfsaufenthalt im Aargau: «Wir hatten in den letzten Jahren mehrere Meldungen von Einzeltieren, die plausibel, aber nicht zweifelsfrei, nachgewiesen waren. Sie werden jeweils überprüft.» Auch aktuell habe man keine neuen Nachweise.

Wolfsriss: So wird informiert

Am Vorgehen bei Nutztierrissen (die den Besitzern natürlich entschädigt werden) ändert nichts. Ab dem zweiten Nutzzierriss innerhalb einer Region und eines Jahres werden potenziell
betroffene kantonale Nutztierverbände über Verhalten und Wildschadenverhütungsmassnahmen informiert.

Sollte es andauernde weitere Risse geben, ist geplant, für die betroffenen Betriebe beziehungsweise die betroffene Region zuerst ein Verhütungskonzept und allenfalls Vergrämungsmassnahmen zu entwerfen. Alain Morier betont darüber hinaus, dass bisher im Aargau keine Nutztierrisse von Luchsen bekannt sind.

Und es bleibe dabei, dass die Bauern keine präventiven Massnahmen zum Schutz ihres Viehs vor Wolf oder Luchs ergreifen müssen.

Informationshunger zum Luchs

Ein systematisches Wolfsmonitoring im Aargau erachten die Spezialisten aufgrund der grossen Mobilität von Einzeltieren als nicht zweckmässig. Nach einem gesicherten Nachweis soll bei Bedarf ein lokales Monitoring durchgeführt werden.

Die schweizerische Koordinationsstelle Grossraubtiere (Kora) führt schon seit Jahren in vom Luchs besiedelten Gebieten ein permanentes Monitoring durch. Der Kanton Solothurn gehört dazu.

Lesen Sie hier das Konzept zum Umgang mit Grossraubtieren vom Kanton:

Künftig ist geplant, das Monitoring-Gebiet nach Osten in den Aargau zu vergrössern. Wie weit genau, ist noch offen. Morier: «Da die Kosten vom Kanton getragen werden müssen, wird sich die Ausdehnung unter anderem auch daran orientieren.»

In den letzten Jahren hielten sich jeweils bis zu fünf Luchse im Aargau auf. Morier erhofft sich, dass ein Monitoring einen guten Einblick über die Bestandessituation gibt.

Waldtiere werden vorsichtiger

Bis heute stellt man beim Kanton keinerlei Auswirkungen von Grossräubern wie dem Luchs auf den Rehbestand fest. Laut Alain Morier ist dieser sehr gut. Der Gamsbestand habe sich in den letzten Jahren ausgedehnt.

Der Rothirsch besiedele zur Zeit erfolgreich den Kanton. Das Schalenwild reagiere jedoch grundsätzlich auf die Präsenz von Grossraubtieren. Morier: «Sie werden vorsichtiger und sind dann auch schwieriger zu beobachten.»