Also eigentlich, sagt Manfred Zobrist, sei es an einem Jassturnier ja schon immer sein Ziel, unter die erste Hälfte zu kommen. «Aber dass ich jetzt grad gewonnen habe, das hat mich schon überrascht!» Freudestrahlend hält der 55-Jährige aus Seon den Pokal des AZ-Jasskönigs 2018 in den Händen, posiert für den AZ-Fotografen vor dem Traktor des Weinguts Büchli in Effingen. Draussen regnet es, und drinnen werden nach einem hitzigen Finalabend gerade die Fenster geöffnet.

Als Letzter, dreimal Nachgerutschter in diesen AZ-Jasskönig-Final zu starten, habe ihm nichts ausgemacht. «Ich konnte frisch und fröhlich aufspielen. Ich hatte ja nichts zu verlieren.» Er habe schon am Anfang auf dem Matchblatt gesehen, dass er am Schluss mit Anna-Marie jassen könne (Anna-Marie Müller, Drittplatzierte). Er habe sie zwar vorher noch nicht gekannt. Aber man sei ins Gespräch gekommen – «und bei ihr hatte ich irgendwie einfach ein gutes Gefühl». Er habe die ersten zwei Runden mit möglichst guten Resultaten überstehen wollen: Dann würde am Schluss alles möglich sein.

Im Turnverein zur Routine

Genau so kam es. 974 respektive 996 Punkte konnte Manfred Zobrist in den ersten zwei Passen notieren – und 942 sei jeweils die Hälfte des möglichen Punktetotals, weiss der erfahrene Turnierjasser, der an der jüngsten Seetal-Meisterschaft Rang 38 von 85 Teilnehmenden erspielen konnte.

Gelernt hatte er das Kartenspiel als Jugendlicher von seinem Vater. Und nach dem Faustballtraining mit dem STV Dintikon ging es jeweils zum Jassen in die Beiz: «Dort bekam ich die nötige Routine.» Später habe er rund 20 Jahre nicht mehr gejasst, erst vor ein paar Jahren habe er wieder begonnen. Zobrist, als Sachbearbeiter in der Rentenabteilung der Sozialversicherung Aargau tätig, trifft sich mindestens alle zwei Wochen mit Arbeitskollegen zum Jassplausch. «Über Mittag, selbstverständlich in der Pausenzeit», betont Zobrist und lacht. Ihm gefalle vor allem dieser soziale Aspekt. Aber auch das Kopfrechnen: «Das hab ich schon immer gern gemacht.»

Zu Hause jasst Zobrist ab und zu mit den zwei Söhnen. «Mein Frau jasst nicht, aber zu dritt können wir wunderbar den ‹Büüter› machen.» Derzeit bleibe jedoch dazu nicht allzu viel Zeit, die Söhne hätten es streng in der Ausbildung, «und die geht natürlich vor». Dafür bleibt ihm so mehr Zeit für den Garten, in dem er zahlreiche Sorten Obst und Beeren anbaut.

Der Fairste ist sein Liebster

Am liebsten spielt Manfred Zobrist die Variante des Schiebers, die auch am Finaltag zum Zug kam: jene, bei der alles einfach gezählt wird. «Das ist einfach der fairste Jass, den es überhaupt gibt. Das gefällt mir. Da musst du nämlich auch wirklich jassen können», ist Zobrist überzeugt. Dürfe man hingegen weisen, verrate man immer ein Stück weit das Spiel. Das sei schade: «Das Jassen lebt doch gerade davon, dass man nicht weiss, was als Nächstes passiert, und dass jedes Spiel wieder anders ist als das vorherige.»

Bleibt die Frage: Was trinkt ein Jasskönig während des Spiels? Zumal das AZ-Turnier dieses Jahr in Zusammenarbeit mit dem Branchenverband Aargauer Wein auf verschiedenen Aargauer Weingütern ausgetragen wurde? Zobrist winkt sofort ab: «Vielleicht mal eine Stange Panaché. Aber Wein kommt während des Spiels für mich nicht infrage. Der Kopf muss klar bleiben.» Während des Finals habe er nur Wasser mit Kohlensäure getrunken. Ein Glas Roten gab es dann doch noch – zum Anstossen auf den Sieg, während des Siegerinterviews: «Jetzt kann ich es auch richtig glücklich geniessen.»

Abheben wird er nicht – denn auch ein Jasskönig muss heute Montag wieder arbeiten gehen. Den Pokal nimmt Zobrist aber mit ins Büro nach Aarau. Nicht um zu prahlen, sondern für die jassenden Arbeitskollegen. Sie hätten Anteil an seinem Erfolg: «Ich denke schon, dass unsere Mittagsjassrunden etwas gebracht haben.» Ganz bescheiden, dieser König.