Unterwegs mit Yvonne Feri
Der rote Seidenschal blieb in der Handtasche: «Die tiefe Wahlbeteiligung macht mir Bauchweh»

Wie SP-Regierungsratskandidatin Yvonne Feri zu Hause in Wettingen das Warten auf die Wahlergebnisse erlebte.

Jörg Meier
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Sonntagmorgen in Wettingen. Yvonne Feri wartet auf die Wahlresultate, zusammen mit Familie und Genossinnen: Nadja Gut, Mutter Ruth Räber, Yvonne Feri, Tochter Celina Feri und Katrin Scholl (von links).

Sonntagmorgen in Wettingen. Yvonne Feri wartet auf die Wahlresultate, zusammen mit Familie und Genossinnen: Nadja Gut, Mutter Ruth Räber, Yvonne Feri, Tochter Celina Feri und Katrin Scholl (von links).

Alex Spichale

Yvonne Feri wartet. Sie ist nervös. Sie sitzt am grossen Tisch in ihrer Wohnung in Wettingen. Auf dem Tisch stehen Notebook und Laptop, im Hintergrund hört man Radio Argovia; Handys klingeln, brummen und surren ständig. Schinznach-Bad, Gansingen, Ehrendingen; aus allen Kantonsteilen treffen die ersten Wahlresultate aus den Gemeinden bei Regierungsratskandidatin Feri ein. Und sie sind nicht besonders vielversprechend.

Yvonne Feri liegt meist nur auf Platz sechs und hinter Franziska Roth. «Ich fürchte, es wird mir nicht ganz reichen», sagt Feri, nachdem die ersten beiden Bezirke ausgezählt sind.

Es ist Sonntagmorgen, kurz nach elf Uhr. Mit am Tisch sitzen SP-Fraktionschefin Kathrin Scholl, Freundin Nadja Gut, später kommen Feris Töchter Celina und Larissa dazu. Yvonne Feris Mutter Ruth Räber ist früh aufgestanden, hat Kuchen und Zopf gebacken und versorgt die wartende Runde mit einem feinen Zmorgebuffet.

Das grosse Warten

In der Nacht auf den Wahlsonntag hat Yvonne Feri nicht gut geschlafen. Um 4 Uhr sei sie erwacht, erzählt sie, und sei ein erstes Mal aufgestanden. Entspannung bringt erst das morgendliche Jogging durch den Nieselregen um sieben Uhr, danach liest sie die Zeitung, ordnet ihre Unterlagen für den Wahltag; und als die Wahllokale schliessen, beginnt das grosse Warten.

Für lautstarke Freude sorgen zwischenzeitlich Twittermeldungen aus der SP-Zentrale, meist von Cédric Wermuth verschickt: In praktisch allen Bezirken verzeichnet die SP bei den Grossratswahlen deutlichen Zuwachs. Ernüchterung bringen dazwischen dann aber wieder die neuen Ergebnisse der Regierungsratswahlen; die Differenz zum angestrebten 5. Platz, den Franziska Roth hält, bleibt klein. Aber sie bleibt. Ohnehin ist bereits jetzt klar, dass es zu einem zweiten Wahlgang um den fünften und letzten Sitz kommen wird. «Die tiefe Wahlbeteiligung macht mir Bauchweh», sagt Yvonne Feri, als sich abzeichnet, dass nur rund ein Drittel der stimmberechtigten Aargauerinnen und Aargauer gewählt hat.

Spider Yvonne Feri SP

Spider Yvonne Feri SP

Die Frauenrunde am Tisch wartet auf die Ergebnisse aus dem Bezirk Baden. Die könnten doch die ersehnte Wende bringen. Die Anspannung ist dermassen hoch, dass drei der Frauen das tun, was sie üblicherweise schon lange nicht mehr tun: Sie ziehen sich auf die Terrasse zurück für eine Rauchpause. Yvonne Feri reagiert anders auf den Stress. Sie beschliesst, für eine Weile die eintrudelnden Ergebnisse sich selbst zu überlassen und geniesst vom feinen Zmorgebuffet ihrer Mutter.

Familiäre Unterstützung

Doch die Entspannung ist von kurzer Dauer. Das Ergebnis aus dem Bezirk Baden trifft ein. Feri holt gegenüber Roth über 2300 Stimmen auf. Die Frauen freuen sich. Aber ob das reichen wird? Im Radio erklärt Politexperte Hans-Peter Widmer, dass es um den fünften Platz eine ganz enge Entscheidung geben werde; möglicherweise werde erst der Bezirk Aarau entscheiden.

Kurz vor dreizehn Uhr ist Aufbruch. Yvonne Feri wird in Aarau erwartet, zuerst in der Parteizentrale, dann im Grossratsgebäude, wo sie Red und Antwort stehen wird. Die beiden Töchter geben ihr letzte Tipps zum Outfit; und Mutter Ruth rät Tochter Yvonne: «Egal, wie es kommt, vergiss das Lachen nicht!»

Unschlüssig ist Yvonne Feri, was sie mit dem leuchtend roten Seidenschal machen soll – jetzt schon anziehen oder erst später? Sie packt ihn schliesslich in die Handtasche und macht sich mit Kathrin Scholl auf den Weg nach Aarau. Noch weiss sie nicht, dass ihr der Bezirk Aarau zwar ein gutes Resultat bringt, dass sie weiter aufholen wird, dass ihr aber letztlich 471 Stimmen zum angestrebten fünften Platz fehlen werden.

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