Habsburger

Die Anfänge des Klosters Königsfelden: Alles begann mit dem Königsmord

Mit der Stiftung des Doppelklosters Königsfelden schufen die Habsburger ein neues Zentrum der Macht und der Erinnerung.

Es ist der 1. Mai 1308. Gegen Mittag reitet Albrecht von Habsburg, König des Römisch-Deutschen Reiches, von Baden her Richtung Brugg. In Baden hat er einen Hoftag abgehalten. Nun freut er sich, seine Frau Elisabeth in Rheinfelden wiederzusehen.

Bei Windisch nähern sich ihm von hinten einige Adlige aus seinem Gefolge. Einer von ihnen ergreift plötzlich die Zügel des Königs. Sein Neffe, Herzog Johann von Schwaben, sticht sein Messer tief in Albrechts Hals. Rudolf von Wart durchbohrt mit seinem Schwert den Leib des Königs. Rudolf von Balm spaltet sein Haupt. Der Herrscher stirbt noch auf dem Feld – der Erzählung nach in den Armen des Bischofs Johann von Strassburg.

Habsburgisches Kerngebiet

Um 1300 ist der Aargau noch fest in den Händen der Habsburger. Hier und im Elsass hat die Familie, die später über ein Weltreich herrscht, ihre Stammlande. Hier liegt die Stammburg des Geschlechts, die Habsburg. Die Städte Baden, Brugg, Laufenburg und Rheinfelden sind zentrale Herrschaftsorte für das Königshaus aus dem Aargau. Die Ermordung Albrechts hat weitreichende Folgen. Die Habsburger verlieren in der Folge die Königsmacht im Reich. Die sterblichen Überreste Albrechts werden ins Kloster Wettingen gebracht, bevor sie im Dom zu Speyer beigesetzt werden. Herzog Johann bekommt später den Beinamen Parricida – Verwandtenmörder.

Zum Gedächtnis des Königs

Die Königinwitwe Elisabeth und ihre Tochter, die verwitwete Königin Agnes von Ungarn, lassen zuerst eine kleine Kapelle am Tatort bauen. 1309 stiften die beiden ein Doppelkloster: ein Schwesternkonvent des Klarissenordens und ein Mönchskonvent der Franziskaner. Elisabeth und Agnes nennen das Kloster Königsfelden – im Gedächtnis an ihren Ehemann und Vater.

Die Stiftung soll dem Seelenheil Albrechts und seiner Familie dienen. Als Gegenleistung der grosszügigen Ausstattung des Klosters beten die Nonnen und Mönche für die Stifter. Am 29. September 1311 lässt Elisabeth zusammen mit ihren Söhnen in Wien den eigentlichen Stiftungsbrief ausstellen und mit ihrem königlichen Siegel versehen. Königsfelden wird für die folgenden 100 Jahre zum wichtigsten Gedächtnisort der Habsburger und für Jahrhunderte zu einem Reiseziel für den Adel Europas.

Die Hofmeisterei der Berner

Als Gedächtnisort etabliert sich Königsfelden auch, weil hier 1386 Herzog Leopold III. und etliche Ritter, die mit ihm in der Schlacht von Sempach fielen, beigesetzt werden. Mit der Eroberung des Aargaus durch die Eidgenossen 1415 übernimmt Bern die Hoheit über Königsfelden.

Die Klarissen und Franziskaner bleiben weitgehend unabhängig unter der Verwaltung der sogenannten Hofmeister. 1528 wird das Doppelkloster im Zuge der Reformation aufgelöst und die Hofmeisterei zu einer Landvogtei der Herren von Bern.

Seit dem 16. Jahrhundert werden in Königsfelden Alte und Kranke gepflegt. 1868 entsteht hier die kantonale Heil- und Pflegeanstalt – die heutige Psychiatrische Klinik Königsfelden. Weite Teile der Klosteranlage werden dabei abgetragen. Die bis heute erhaltenen, prachtvollen Glasfenster im Chor der Klosterkirche gehören zu den wertvollsten Schätzen der europäischen Kunst des 14. Jahrhunderts.

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