Grossratswahlen

Die CVP will den Abwärtstrend stoppen: Aber auch die anderen Parteien haben klare Ziele für die Wahl

Im Bezirk Bremgarten eroberten FDP und SP bei den letzten Wahlen je einen Sitz dazu. Diesen wollen sie mindestens halten können.

Ähnlich wie im Bezirk Muri präsentiert sich die Ausgangslage im fast dreimal grösseren Bezirk Bremgarten. Von den 16 Inhabern der Grossratssitze steigen 15 im Herbst wieder ins Wahlrennen. Auch hier verzeichnet die SVP mit Marlise Spörri und der einzigen Frau den einzigen Verzicht auf eine Wiederkandidatur. Für die mit Abstand grösste Partei geht es darum, ihre sechs Sitze zu verteidigen. Die Aussichten stehen gut. Seit 2001 glänzt die SVP mit einem Wähleranteil von über 30 Prozent, bei den letzten Wahlen vor vier Jahren steigerte sich die Partei auf 35,1 Prozent. Das Balgen um den neu zu vergebenden Sitz läuft rein nach Papierform auf ein Generationenduell hinaus.

Auf Listenplatz sechs geht die SVP mit Polit-Urgestein Manfred Breitschmid ins Rennen. Der 71-Jährige sass bereits zwischen 1999 und 2009 im Grossen Rat, damals noch für die CVP. Schon bei der letzten Wahl kandidierte Breitschmid für die SVP, verpasste aber als Neunter den Sprung. Hinter dem Wohler rechnet sich der erst 22-jährige Beriker Newcomer Yves Blülle auf Listenplatz sieben gute Chancen aus.

Der Frauenanteil bei der SVP bleibt gering. Erst auf Platz elf folgt mit der Tägliger Gemeinderätin Daniela Kramer die erste weibliche Kandidatin der Sünneli-Partei. Nicht mehr dabei ist das Zugpferd Jean-Pierre Gallati, der 2016 von allen Kandidierenden im Bezirk die meisten Stimmen (5890) erhielt. Ob es der SVP gelingt, alle wegfallenden Stimmen des Regierungsrats zu kompensieren, ist fraglich. Gesetzt sein dürften die Bisherigen Walter Stierli, Roland Vogt, René Bodmer, Christoph Hagenbuch und wohl auch Mario Gratwohl, der für Gallati nachrückte.

Leitch-Frey würde Vierteljahrhundert im Grossrat erreichen

Zu den Aufsteigern gehörten 2016 die SP und die FDP, die je einen Sitzgewinn verbuchen konnten. Ihre Maxime lautet daher, mindestens ihre drei Sitze halten zu können. Keine Sorgen um eine Wiederwahl müssen sich bei den Genossen die langjährigen Thomas Leitch-Frey (Wohlen, seit 1997) und Rosmarie Groux (Berikon, seit 2005) machen. Als dritter Bisheriger sollte auch der Wohler Gemeindeammann Arsène Perroud (seit 2017) seinen Sitz halten können. Er kandidiert wie 2016 auf Listenplatz drei, damals realisierte er aber mehr Stimmen als Groux.

Bei der FDP dürften die Bisherigen Silvan Hilfiker und Gabriel Lüthy ihre Sitze verteidigen können, da sie auch ausserhalb der FDP-Basis Stimmen sammeln werden. Von Listenplatz drei aus möchte die Sarmenstorfer Gemeinderätin Lucia Ambühl-Riedo die Wahl schaffen. Sie rückte erst im Januar in den Grossen Rat nach. Ihre hartnäckigsten Konkurrenten dürften Karin Bochicchio-Stutz, Thomas Geissmann und Thomas Hoffmann sein. Auf Platz acht findet sich ein prominenter Name: Livia Jauslin, Tochter des Wohler FDP-Nationalrats Matthias Jauslin.

Das Ziel der CVP ist hingegen glasklar. Sie will den 2016 ganz knapp verlorenen dritten Sitz zurückerobern. Dazu muss aber der Abwärtstrend der vergangenen Jahre gestoppt werden. Mit 15,1 Prozent Wähleranteil war die CVP 2016 nur noch viertstärkste Partei. Sie hofft, den Schwung und Erfolg der nationalen Wahlen vom letzten Herbst mitnehmen zu können. Hoffnung setzt die CVP auf Michael Eichholzer (Oberlunkhofen). Der 48-Jährige kandidiert auf Listenplatz drei hinter den Bisherigen Harry Lütolf und Karin Koch Wick. Wie Eichholzer punkten will, sagt er in seiner Wahlwerbung: «Der Generationenvertrag wackelt. Ich kämpfe für eine tragbare Lösung für Jung und Alt. Als Vater ist Familienpolitik eine Herzensangelegenheit.»

Angreifen für einen Sitzgewinn wollen auch die Grünliberalen und die Grünen, die 2016 jeweils knapp über der Fünf-Prozent-Marke blieben und mit einem Sitz vertreten waren. Hinter dem Bisherigen und GLP-Freiamt-Präsidenten Dominik Peter (Bremgarten) tritt die GLP mit Annetta Schuppisser (Tägerig, 22) und Julia Frischknecht (Wohlen, 25) an. Bei den Grünen möchte Markus Dietschi (Widen) einen Grossratskollegen bekommen. Abzuwarten bleibt bei den Parteien mit dem grünen Touch, wie sich die Coronakrise auf die Wählerschaft auswirkt.

Marc Ribolla

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