Wahlen 2019

Die Geografin als Klimakämpferin: Ruth Müri aus Baden will für die Grünen in den Ständerat

Ruth Müri auf dem Bundesplatz vor dem Bundeshaus. Da möchte sie nach den Wahlen ab der Wintersession politisieren.

Ständeratskandidatin Ruth Müri (48, Grüne) setzt sich besonders für Fragen des Klimaschutzes und der Gleichstellung ein.

Ruth Müri (48) trägt einen grossen Rucksack als Politikerin. Seit 25 Jahren engagiert sie sich für das team baden, auf überkommunaler Ebene für die Grünen. Ab 1994 politisierte sie als Einwohnerrätin, 2010/11 präsidierte sie das Stadtparlament, seit 2013 ist sie Stadträtin, seit 2017 auch Grossrätin. Jetzt will sie den Sprung nach Bern in den Ständerat schaffen.

«Ich will die Wählerinnen und Wähler direkt ansprechen»: drei Fragen an die Grünen-Ständeratskandidatin Ruth Müri

«Ich will die Wählerinnen und Wähler direkt ansprechen»: drei Fragen an die Grünen-Ständeratskandidatin Ruth Müri

Nun haben die Grünen im Aargau vor vier Jahren 5,5 Prozent Wählerstimmen errungen. In diesem Herbst wird der Anteil steigen. Doch wie will sie als Vertreterin einer kleinen Partei in Bern den Aargau vertreten? Es sei ganz wichtig, dass angesichts der Klimaveränderung mehr Grüne in Bern politisieren, sagt Müri: «Auch im Ständerat, damit dort Umwelt und Klima als grosse Zukunftsherausforderungen eine Stimme erhalten.»

Zudem reize es sie sehr, nach 25 Jahren lokaler und kantonaler Politik auch national tätig zu werden. Ebenso wichtig sei endlich echte Gleichstellung von Mann und Frau: «Dies hat der Frauenstreik wieder gezeigt. Der Aargau braucht unbedingt weiterhin auch eine Ständerätin.»

Die Geografin Müri leitete ab 1991 bis 2011 die GIS-Fachstelle der Zürcher Kantonalbank ZKB, hatte später etwa die Projektleitung der Ausstellung der ZKB in der Umweltarena Spreitenbach inne, 2013 bis 2014 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Fahrländer Partner Raumentwicklung.

«Gute Zusammenarbeit mit der Regierung»

Als Ständerätin würde sie in Bern die Interessen des Kantons Aargau vertreten, sagt Müri. Sie pflege eine gute Zusammenarbeit mit der Regierung. Natürlich würde sie nicht einfach für ihre Region, sondern für den Kanton einstehen. Das würde sie «lösungsorientiert, pragmatisch und mit der Bereitschaft für Kompromisse tun», verspricht sie.

Wie hoch müsste denn die Flugticketabgabe sein?

Welchen Lösungsansatz sähe sie denn zum Beispiel in der Klimadebatte? Nötig sei eine CO2-Abgabe auch für Treibstoffe, um Kostenwahrheit zu bekommen: «Ich bin froh, dass jetzt viele Jugendliche drastisch aufzeigen, dass wir dringen handeln müssen. Wir müssen uns mit dem Klimawandel auseinandersetzen und dürfen ihn nicht weiter verdrängen.»

Politischer Spider von Ruth Müri.

Politischer Spider von Ruth Müri.

Was würde sie als Ständerätin konkret tun? Das Argument vieler, ein Flugzeug sei ohnehin in der Luft, da falle die eigene CO2-Belastung nicht ins Gewicht, ziehe nicht, sagt Müri: «Nur weil fliegen die hohen externen Kosten ignoriert, ist es so billig, es wird eine Übernachfrage generiert. Wir brauchen unbedingt eine Flugticketabgabe.» An welchen Betrag denkt sie? Auf Kurzstrecken an mindestens 30, bei Langstrecken an bis 500 Franken pro Flug, so Müri.

Doch wie will sie das mehrheitsfähig machen? Es müsse gelingen, aufzuzeigen, «dass wir uns all das auf Kosten kommender Generationen leisten. Das dürfen wir nicht. Zudem bin ich dafür, die Einnahmen dieser Lenkungsabgaben an die Bevölkerung zurückzuerstatten, zum Beispiel über die Krankenkassenprämien». So sei eine Klimaabgabe auch sozialverträglich.

Nein zum Ausbau der A1 auf sechs Spuren

Folgerichtig ist sie auch gegen den Ausbau der A1 im Aargau auf sechs Spuren. Mobilität sei wichtig, sie sei aber viel zu billig und deckt die externen Kosten nicht, kritisiert Müri. Mehr Strasse bewirke mehr Verkehr, und: «Ich glaube an die Zukunft flexibler Arbeitsformen und die Verwischung der Grenzen von öV und Individualverkehr. Das wird unsere Mobilität verändern.»

Mit wem würde sie am liebsten in der kleinen Kammer einziehen? «Mit Cédric Wermuth», sagt Müri spontan. Diese Kombination sei aber unrealistisch, räumt sie ein: «Das Volk entscheidet. Ich kann mir vorstellen, mit jeder von den Parteien vorgeschlagenen Person in Bern zusammenzuarbeiten, auch wenn sie ganz andere Überzeugungen hat. Dass ich das kann, habe ich bei meiner Arbeit in Baden bewiesen.»

Wie fehlende Bekanntheit wettmachen?

Doch wie will sie das Handicap ihres fehlenden Bekanntheitsgrads im Vergleich zu Nationalräten wettmachen? In der Region Baden kennt man sie, was auch ihre sehr guten Wahlresultate zeigen, im Westaargau aber noch zu wenig. «Daran arbeite ich», sagt Müri und verweist auf Strassenaktionen, ihre Social-Media-Auftritte, Plakate und ihre themenbezogenen Wanderungen in verschiedenen Regionen des Aargaus, zu denen sie die Bevölkerung einlädt.

Die nächste Wanderung – zum Thema Gleichstellung – ist am 8. September, mit Start um 14 Uhr an der Bushaltestelle in Effingen-Dorf. Ruth Müri lässt sich den Wahlkampf 35'000 Franken kosten und investiert zusätzlich viele Eigenleistungen. Spenden über 1000 Franken deklariere sie auf ihrer Homepage, betont Müri. Dort fand man bisher allerdings keinen solchen Eintrag. Das sei so, sagt Müri, weil sie bisher viele kleine Einzelspenden bekommen hat.

Müri ist Mutter zweier Töchter mit Jahrgang 2003 und 2004. Akzeptieren sie ihr mit vielen Abwesenheiten gepaartes Engagement? «Meine Töchter sind damit aufgewachsen. Es ist nicht immer ganz einfach, alles unter einen Hut zu bringen» sagt Ruth Müri, «meine Familie unterstützt mich aber sehr.»

Sollte sie gewählt werden, würde sie Stadträtin bleiben. Geht denn das? «Als Stadträtin habe ich ein Teilzeit-Pensum. Die Stadtratssitzungen sind zudem am Montagmorgen, die Sessionsmontage beginnen am Nachmittag. Das ginge gut.»

Müri wurde schon früh für den Ständerat nominiert. Erst danach wurde ein Regierungssitz frei. Würde sie als Exekutivpolitikerin nicht lieber für die Regierung antreten? Müri lacht: «In einer politischen Laufbahn kann man nicht alles steuern. Ich habe mich für die Ständeratskandidatur entschieden. Für mich stimmt es so. Ich will in den Ständerat.»

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