Todesfall
Die politischen Weggefährten von Roland Brogli sind tief erschüttert

Dass Alt-Regierungsrat Roland Brogli im Alter von 66 Jahren, kurz nach seiner Pensionierung, an einer Hirnblutung verstorben ist, macht seine politischen Mitstreiter und Gegner fassungslos. Sie loben den Vollblutpolitiker, er habe stets ein offenes Ohr für jegliche Anliegen gehabt.

Dominic Kobelt
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Der am Montag verstorbene Roland Brogli (66†).

Der am Montag verstorbene Roland Brogli (66†).

Emanuel Freudiger

Alt Regierungsrat Roland Brogli ist am Montagabend an einer Hirnblutung verstorben – nur sechs Monate nach seiner Pensionierung. Marianne Binder, Präsidentin der CVP Aargau, ist erschüttert über den plötzlichen Tod ihres Parteikollegen. «Diese Nachricht hat uns wirklich sehr getroffen. Es tut mir sehr leid, dass Roland Brogli kurz nach dem Rücktritt von seiner intensiven Tätigkeit gehen musste - unsere Gedanken sind bei seiner lieben Frau Rosmarie.»

Sein Tod bedeute auch für die Partei einen grossen Verlust: «Roland Brogli war ein CVPler durch und durch. Obwohl er das Geld als Finanzdirektor nicht einfach verteilen konnte, hat man seine soziale Ader immer gespürt. Er hat mit seiner umsichtigen und hoch kompetenten Finanzpolitik den Aargau und damit auch die CVP wesentlich geprägt. Darauf sind wir stolz», sagt Binder. Er sei ein engagierter, gemütvoller, geselliger und auch humorvoller Parteifreund gewesen, seinen Reden habe sie stets gerne zugehört.

Roland Brogli – wichtige Stationen
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2000 wird Roland Brogli (ganz links) in den Aargauer Regierungsrat gewählt. Zur Exekutive gehören ausserdem Peter Beyeler (FDP) Kurt Wernli (parteilos) Ernst Hasler (SVP) und Rainer Huber (parteilos, von links).
Zusammen mit Beyeler lobbyiert Brogli (2. von links) 2002 im Bundeshaus für einen Bundesgerichtsstandort im Aargau.
Mit dem damaligen Bundesrat Joseph Deiss reist Brogli im April 2003 an die weltgrösste Wirtschaftsmesse in Hannover.
Im Mai 2003 eröffnet Brogli zusammen mit der Zürcher Regierungsrätin Dorothee Fierz, dem Aargauer Landammann Peter Beyeler und Bundesrat Moritz Leuenberger die dritte Baregg-Tunnelröhre in Baden.
2004 wird Brogli (Mitte) zum ersten Mal wiedergewählt. Mit ihm bilden Peter Beyeler, Kurt Wernli, Rainer Huber und Ernst Hasler (von links) die Regierung.
2008 erhält Brogli drei neue Gspänli im Regierungsrat: Susanne Hochuli (Grüne) und Urs Hofmann (SP, ganz rechts). Nicht im Bild: Alex Hürzeler (SVP).
Als Regierungspräsident gratuliert Brogli im Dezember 2009 Doris Leuthard zur Wahl zur Bundespräsidentin.
2012 wird Brogli zum dritten Mal wiedergewählt. Neben ihm schreiten die wiedergewählten Hochuli und Hürzeler ins Regierungsgebäude in Aarau.
Am 21. November 2014 kommt der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann zu Besuch nach Aarau. Brogli empfängt ihn ebenso wie Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf.
2015 ist der Aargau Gastkanton an der Olma in St. Gallen. An der Eröffnung der Landwirtschaftsmesse tauscht sich Brogli mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann aus.
Nach 16 Jahren im Regierungsrat ist Schluss: Am 23. Dezember 2016 übergibt Brogli sein Büro an seinen Nachfolger Markus Dieth. Mit ihnen posieren Claudia Frey (rechts, persönliche Assistentin von Brogli) und Sonja Huber (persönliche Assistentin von Dieth).
Am 1. Juni 2017 tritt Roland Brogli letztmals öffentlich in Erscheinung: An der Generalversammlung der Aargauischen Industrie- und Handelskammer in Wettingen begleitet ihn seine Frau Rosmarie (links). Daneben steht CVP-Aargau-Präsidentin Marianne Binder-Keller.

Roland Brogli – wichtige Stationen

SEVERIN BIGLER

Dieter Egli (SP), der als Präsident der Finanzkommission viel mit Brogli zu tun hatte, lobt die fairen Auseinandersetzungen: «Ich bin sehr erschüttert, auch wenn wir politisch viele Meinungsverschiedenheiten hatten – persönlich war er immer sehr herzlich, offen und ehrlich. Er spielte nicht irgend ein Spiel, sondern strahlte immer aus, dass er für das Gespräch und die Zusammenarbeit offen war», erklärt Egli.

«Brogli war ein Vollblutpolitiker, hatte aber mit den Finanzen besonders in den letzten Jahren einen schwierigen Job. Man hat gespürt, dass ihm das auch zugesetzt hat.» Und die SP Aargau schreibt in einer Medienmitteilung: «Wir haben Roland Brogli in den politischen Auseinandersetzungen als fairen Politiker erlebt, der auch bei unterschiedlichen Vorstellungen die Begegnung und das Gespräch suchte.»

Integrationsfigur und Mentor

Markus Dieth (CVP) hat von Brogli das Departement Finanzen und Ressourcen übernommen. «Wir hatten ein freundschaftliches Verhältnis – es ist natürlich sehr schön, wenn man das Departement von so jemandem übernehmen und sich austauschen kann. Das ist jetzt leider nicht mehr möglich», sagt er konsterniert.

«Die Nachricht hat uns sehr betroffen gemacht. Er hat dieses Departement 16 Jahre lang geführt und war für mich eine Integrationsfigur und ein Mentor.» Er habe die Mitarbeiter informieren müssen, es sei allen tief unter die Haut gegangen. «Besonders weil es so plötzlich kam, wie ein Blitzschlag. Wir hatten gehofft, er könne die Pensionierung mit seiner Frau Rosmarie geniessen.»

Regierungsrat Stephan Attiger (FDP) beschreibt Roland Brogli als liebenswürdig, volksnah und gesellig: «Er war mit den Menschen verbunden. Meine Gedanken sind bei seiner Frau und seiner Familie.» Politisch habe er das Departement Ressourcen und Finanzen geprägt, sich aber auch sonst stark eingebracht. «Mit ihm konnte man im Grossen Rat Mehrheiten suchen und gewinnen.»

Lukas Pfisterer, Parteipräsident der FDP Aargau und ebenfalls Mitglied der Finanzkommission, war von der Nachricht über Broglis Tod tief erschüttert: «Ich habe ihn erst kürzlich getroffen und er machte einen fröhlichen Eindruck. Wir haben viele Jahre eng miteinander gearbeitet, ich habe ihn schon als Stadtrat kennengelernt.» Er sei stets fröhlich und aufgestellt gewesen, hatte seine Rolle ernst genommen und sie gelebt. «Mit ihm konnte man gut streiten, er hat das Wesentliche bei einer Debatte nie aus den Augen verloren. Im Anschluss konnte man immer zusammen lachen.»

Robert Obrist (Grüne) erlebte Brogli als einer, der sich für den Aargau einsetzte. «Er wollte stets alle Kreise einbeziehen, auch diejenigen, die sich 'bockig' verhalten haben. Das ist ihm nicht immer gelungen», sagt Obrist. «Er hatte einen schwierigen Stand, hatte aber stets ausgelotet, was machbar ist. So gesehen war er in der richtigen Partei: Er war ein Vermittler und Brückenbauer.»

Pascal Furer (SVP) teilte mit Roland Brogli nicht nur die Verbundenheit zur Politik, sondern auch zum Wein: «Als Finanzdirektor gehörte auch die Aargauer Weinbranche zu seinem Departement. Er war damit der oberste Rebbauer», erklärt Furer, der selbst Geschäftsführer der Aargauer Winzer ist. Der Verband habe Brogli in Anerkennung seiner Arbeit zum Ehrenmitglied ernannt. Aber auch politisch habe er immer gut mit dem CVP-Politiker zusammenarbeiten können. «Er war ein seröser Finanzdirektor, stehts ruhig, und mit einer gewissen Schlitzohrigkeit – aber im positiven Sinn.»

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