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Die Reuss wird zum Gummiboot-Hotspot – das sind die gefährlichsten Stellen auf Aargauer Flüssen

Das Gummibööteln auf Flüssen erfreut sich auch im Aargau immer grösserer Beliebtheit. Doch die Fahrt auf offenem Gewässer ist stets mit Gefahren verbunden. Der Kanton appelliert nun an die Eigenverantwortung der Gummibootfahrer.

Nur ganz knapp entkamen vier Frauen vergangenes Wochenende auf der Limmat einer Katastrophe: Mit ihrem Gummiboot verpassten sie den Ausstieg vor dem Höngger Wehr und wurden darüber gespült. Eine von ihnen wurde in eine Wasserwalze gezogen.

Nur mit Unterstützung von einem Mitarbeiter der Stadtpolizei Zürich und weiteren Anwesenden konnte sie vor dem Ertrinken bewahrt werden. Immer mehr ähneln Flüsse besonders an den Wochenenden einer Partymeile. Übermütige, alkoholisierte Böötler, oder solche, die Boote zusammenbinden und Kapriolen machen, sind keine Seltenheit.

«Wer ein Wehr runtergespült wird oder in eine Wasserwalze gerät, hat grundsätzlich schon mal essenzielle Dinge falsch gemacht», sagt Philipp Binaghi von der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG). Gummibootfahren wolle geplant sein. Dazu gehöre es, im Voraus Informationen über das Gewässer, dessen Verlauf und Hindernisse zu sammeln. «Wasserwalzen bezeichnen wir als Todesfallen.»

Immer mehr Gummiboote auf Aargauer Flüssen

Das Gummibööteln auf Flüssen erfreut sich auch im Aargau immer grösserer Beliebtheit. Das stellt auch der Kanton fest: «Die Beliebtheit dieser Gewässer als Bade- und Freizeitort nimmt von Jahr zu Jahr zu», sagt Salome Reutimann vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) auf Anfrage.

Die Flüsse seien grundsätzlich im ganzen Kanton mit einem Gummiboot befahrbar, sagt Andreas Kohler, Präsident der SLRG, Sektion Baden-Brugg. Trotzdem sei eine Fahrt auf offenem Gewässer stets mit Gefahren verbunden. «Es empfiehlt sich, vor einer Gummibootstour die Schilder der Binnenschiffahrtsverordnung zu studieren.» Diese signalisieren etwa die Richtung, die man einschlagen sollte, Schwimm- und Fahrverbote sowie Ausstiegsstellen (siehe Grafik).

Aargau Flusskraftwerke:

Aargau Flusskraftwerke:

Besondere Gefahren für die Gummiböötler im Aargau bilden sicher die Wehre, sagt Kohler. Vor einem Wehr sei die Richtung für die Ausstiegsstelle stets gut signalisiert. Sollte es trotzdem vorkommen, dass man den Ausstieg verpasst, wie es in Zürich passiert ist, so soll man das Boot im Zweifelsfall gehen lassen, und an den Rand rausschwimmen. «Ein Wehr bringt allein wegen der baulichen Massnahmen eine grosse Verletzungsgefahr. Und wenn man in eine Walze hineingerät, kommt man ohne Hilfe nicht mehr heraus.» Unbekannte Streckenabschnitte sollten vor der Fahrt unbedingt vom Ufer aus erkundet werden. «So können auch Gefahren erkannt werden, welche nicht auf Karten oder Flussführern beschrieben sind», so Kohler.

Kanton hat Merkblätter zu den einzelnen Flüssen verfasst

An den Aargauer Flussabschnitten von Rhein, Aare, Reuss und Limmat gibt es 26 Flusskraftwerke (siehe Grafik). Es liege in der Eigenverantwortung der Flussbenutzenden, sich sorgfältig vorzubereiten, sagt auch Salome Reutimann vom Kanton. Dazu gehöre Wissen zu Kraftwerken, Übersetzstellen, Brücken, Untiefen mit Felsen, Strömungen und aktuellen Baustellen.

«Durch unterschiedliche Wassertiefen und Hindernisse, wie etwa Brückenpfeiler, können sich gefährliche Strömungen und Wirbel bilden. Selbst gute Schwimmer können sich gegen einen solchen Sog nur schwer aus eigener Kraft retten», so Reutimann. Damit die Boots-Passagen bei den Kraftwerken gefahrlos durchgeführt werden können, hat das BVU Merkblätter zu den einzelnen Flüssen aufbereitet, anhand derer sich Bootsfahrer im Vorfeld ihrer Tour informieren können. Eine abschliessende Übersicht über sämtliche Gefahrenstellen, wie Stromschnellen oder Brückenpfeiler, gibt es nicht.

Häufig sieht man auf Flüssen auch aufblasbare Lufttiere in allen Farben und Formen oder Luftmatratzen. Die SLRG warnt: «Diese Mittel sind nicht für Flüsse geeignet. Sie sind schlecht manövrierbar, besitzen meistens keine zweite separate Luftkammer und gehören darum nicht in tiefe oder fliessende Gewässer», so Philipp Binaghi.

Weitere gefährliche Stellen auf Aargauer Flüssen

Paul Brünisholz, Geschäftsführer von Flussfahrten Aargau, kennt die Aargauer Flüsse gut. Nebst Brückenpfeilern und Wehren, nennt er drei Stellen, die für wasserunkundige Gummiböötler heikel werden könnten: «Die Aareschlucht in Brugg kann zahm sein. Aber bei zu viel Wasser können sich dort grössere Wirbel bilden. Und bei zu wenig Wasser kommen kantige Felsplatten hervor.» Weiter nennt Brünisholz den Koblenzer Laufen auf dem Hochrhein.

Übersicht über die wichtigsten Schifffahrtszeichen:

Übersicht über die wichtigsten Schifffahrtszeichen:

«Das ist eine der wenigen Stellen, an denen der Rhein natürlich verläuft. Bei wenig Wasser kommen viele scharfkantige Felsen hervor, an denen man mit dem Boot hängen bleiben kann oder das Boot sogar aufschlitzen könnten.» Ausserdem sammle sich bei Niederwasser oft Schwemmholz an, in das man hineingetrieben werden könnte.

Karte: Dominic Kobelt

Eine weitere heikle Stelle nennt er auf der Reuss: das Gnadenthal auf der Höhe Stetten. «Der Flussabschnitt oberhalb hat viele Schlaufen und Inseln mit kantigen Felsen.» Diese gelte es zu umschiffen und immer gut vorauszuschauen. «Zudem gibt es an dieser Stelle einige schmale Flussarme, wo ein querliegender Baum den Flussabschnitt komplett sperren kann.» Dies bedeute für Böötler Lebensgefahr.

Wenig bis keine Zwischenfälle auf Aargauer Flüssen

Im Aargau zeigt die Gewässerpolizei in der Hochsaison zwar Präsenz auf den Flüssen, systematische Kontrollen der Böötler finden jedoch keine statt, wie Bernhard Graser, Sprecher der Kantonspolizei sagt: «Zum Glück bilden Zwischenfälle die Ausnahme, weshalb wir keinen Handlungsbedarf sehen, die Kontrolltätigkeit zu verstärken.»

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