Flurnamen-Serie

Die Seele des Aargaus: Der Name Seel in Full-Reuenthal ist einzigartig

Der Flurname Seel in Full-Reuenthal, mit Blick auf das Atomkraftwerk Leibstadt, geht wohl auf frühere Überschwemmungen zurück.

Müsste man die Schweiz als menschlichen Körper verstehen und seine Gliedmassen und Organe verorten, so wäre der Aargau besonders privilegiert. Befindet sich das Gehirn in der Schreibform Hirni in verschiedenen Kantonen, so liegt die Seele eindeutig im Aargau. Der Name Seel in Full-Reuenthal ist einzigartig.

Ergänzend dazu gibt es die Flur Seelächer in Jonen. Die Flur namens Seel liegt direkt am Rhein unweit des Atomkraftwerks Leibstadt und auch die Seelächer in Jonen liegt direkt an der Reuss. Karl Riwar aus Full fragt nach der Bedeutung des Namens Seel.

See und Seele sind im Indogermanischen verwandt

Die Nähe am Wasser der beiden Namen lässt auch sogleich den Schluss zu, dass sich vorliegendes Seel in Bezug zu See oder zumindest zu Wasser stellen liesse. Tatsächlich gibt es in der sprachlichen Deutung des Worts Seele einen Ansatz, der einen ursprünglich indogermanischen Zusammenhang zwischen Seele und See wissen will. So weit zurück geht der Flurname aber nicht. Und Rhein und Reuss sind Flüsse, keine Seen.

Möglich ist, dass der heutigen Form Seel eine ältere Form Sal zugrunde liegt. Historische Belege fehlen aber leider zurzeit für beide Namen. Namen mit dem Element Sal verweisen auf das ausgeprägte Vorkommen von Weidenbäumen. Die Weide, lateinisch salix, findet sich gerne in Wassernähe und wurde seit Alters her vom Menschen als bedeutende Nutzpflanze geschätzt. Die Zweige der Korbweide wurden geflochten genutzt für Körbe und sonstiges Flechtwerk, aber auch für Ausfachungen in Fachwerkbauten oder als Binden bei Stroh- und Schilfdächern. Mit der Industrialisierung nahm die Bedeutung der Weiden aber stark ab. Nur noch die weite Verbreitung in Flurnamen zeugen von der einstigen Bedeutung. Das Wort Sal und insbesondere die Zusammensetzung Salhof, auch als Seelhof belegt, beispielsweise in Hallau SG oder als Selhofen in Kehrsatz BE, in der Bedeutung von Herrenhof, Fronhof, verweist aber auch auf einen einstigen Mittelpunkt einer mittelalterlichen Grundherrschaft.

Zum Grundherrenhaus gesellen sich Wirtschaftsgebäude und der zugehörige Boden. Dieser findet sich in der Namenlandschaft als Salgut oder Salland wieder, oft auch in den Nebenformen Seelgut, Seelland. Verwaltet wurde dieses Gut von einem Meier.

Seel hiess wohl einst Suhle, Lache oder Pfütze

Die heute überdurchschnittliche Verbreitung des Familiennamens Meier steht damit in direktem Zusammenhang. Ein anschauliches Beispiel eines solchen Guts liegt in Murgenthal. Hier wirkte der Name Sal so stark, dass er die umliegenden Namen Salbächli und Salmösli motivierte. Ein solcher Gutshof ist für Full jedoch nicht belegt. Auch spricht die Nähe zum Wasser nicht dafür. Der Gutsherr hätte bei jeder Überschwemmung nasse Füsse bekommen. Deshalb ist wahrscheinlicher, dass sich auf dem flachen Land durch Überschwemmungen jeweils ein See hat bilden können. Demnach wäre heutiges Seel auf den schweizerdeutschen Begriff Sol im Sinne von Lache, Pfütze, Suhle zurückzuführen. Der Name verweist also auf (ehemals) sumpfiges Land oder auf zeitweise gebildete Wasserlachen. In beiden Fällen ist dieser Deutungsansatz aufgrund der Flussnähe plausibel.

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