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«Die Stahlhelm-Fraktion übernimmt»: So reagiert der Aargau auf den neuen SVP-Präsidenten Glarner

Andreas Glarner hat die Aargauer SVP-Delegierten überzeugt – ausserhalb seiner Partei kommt die Wahl nicht sehr gut an.

Andreas Glarner hat die Aargauer SVP-Delegierten überzeugt – ausserhalb seiner Partei kommt die Wahl nicht sehr gut an.

Am Mittwoch wurde Andreas Glarner deutlich zum Präsidenten der SVP Aargau gewählt. Die Reaktionen darauf sind nicht nur schmeichelhaft.

Matthias Jauslin, Nationalrat und bis 2017 Präsident der kantonalen FDP, nimmt in seinem Tweet unter anderem Bezug auf einen Eklat, den Glarner im Sommer 2018 verursacht hatte. Dieser empörte sich damals darüber, dass an einem Schulfest in Strengelbach keine Cervelats konsumiert werden durften – aus Rücksicht auf muslimische Mitschüler. 

«Die Stahlhelm-Fraktion übernimmt», schreibt Jauslin mit Ironie. Nun gehe es den schweinefleischlosen Wurstwaren also an den Kragen, wie auch dem Multikulti und den Sozialschmarotzern. Damit nahm er Bezug auf Affären, die Glarner mit Provokationen losgetreten hatte. 

Auch Politberater Mark Balsiger nimmt Bezug auf eine Provokation Glarners. Im Sommer 2019 veröffentlichte der Nationalrat die private Handynummer einer jungen Zürcher Lehrerin. Sie hatte muslimische Eltern korrekt darauf hingewiesen, dass ihre Kinder für das Bayram-Fest am Ende des Fastenmonats Ramadan schulfrei erhalten. Glarner bat später um Entschuldigung. Damals dachten einige, das wäre eine unanständige Provokation zu viel gewesen. Balsiger ging damals schon davon aus, dass auch diese Provokation Glarner nicht schaden werde. Nun ist er also bestätigt worden. 

Positiv zur Wahl äussern sich dagegen die SVP-Politikerinnen Stefanie Heimgartner und Nicole Müller-Boder. Die Badener Neo-Nationalrätin Heimgartner gratulierte Glarner zur Wahl und dankte dessen Vorgänger Thomas Burgherr für die geleistete Arbeit.

Michael Kaufmann, Präsident der Jungen CVP Aargau, nennt die Wahl Glarners ein klares Statement für den Populismus und gegen eine vernünftige bürgerliche Politik. «Das kann ja heiter werden.»

Kabarettistin Patti Basler versteht dagegen die Welt nicht mehr:

Nach harter Kritik: Werner Laube gibt sich diplomatisch

Werner Laube, bis Ende 2019 langjähriger Wahlkampfleiter der SVP Aargau, äussert sich diplomatisch zu Glarners Wahl: «Ich habe Respekt, dass Nationalrat Andy Glarner als Kantonalpräsident die nötige Basisarbeit in der SVP Aargau leisten will. Ich gratuliere ihm zur klaren Wahl und wünsche ihm ein erfolgreiches Wirken.» Laube hatte Glarner im Vorfeld der Wahl kritisiert und nannte den Hardliner «ein Imageproblem und keine Identifikationsfigur für die SVP Aargau».

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In der Sache habe er auch nie Differenzen mit Andreas Glarner gehabt, so Laube weiter. «Ich bin überzeugt, er kann mit meiner Kritik an seinem ‹Stil› umgehen. Ich hoffe einfach, es gelingt ihm, dass meine Befürchtungen betreffend Wählerverluste nicht wahr werden.» Konkret befürchtet Laube nämlich, dass sich Sympathisanten und gemässigte Parteimitglieder von der SVP abwenden könnten.

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Wermuth: «Ich nehme das zur Kenntnis»

Der Aargauer SP-Nationalrat Cédric Wermuth erklärte auf Anfrage der AZ, er nehme die Wahl Glarners an die Spitze der kantonalen SVP zur Kenntnis. Er überlasse es der Volkspartei, was sie mit ihrem Präsidium mache. Wermuth ist im Duo mit der Zürcher Nationalrätin Mattea Meyer aktuell selber Kandidat für das Co-Parteipräsidium der SP Schweiz – und war zuvor auch Co-Präsident der SP Aargau.

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