Industrie 4.0
Digitalisierung beschäftigt Aargauer Gewerbe und Detailhandel

Der Aargauische Gewerbeverband und das Hightech Zentrum Aargau vermittelten Trends für Gewerbe und Detailhandel. Im Zentrum stand die Digitalisierung.

Jörg Meier
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Gewerbeverband Hightech Zentrum Aargau
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AGV Hightech Zentrum Aargau Tagung, Brugg Industrie 4.0 im Gewerbe und Detailhandel. Tagung des Aargauischen Gewerbeverband und des Hightech Zentrum Aargau im Technopark in Brugg. Aufgenommen am 24. Januar 2017 in Brugg. Im Bild: Max Schärer, Geschäftsführer der Zuckermühle Rupperswil AG.
AGV Hightech Zentrum Aargau Tagung, Brugg Industrie 4.0 im Gewerbe und Detailhandel. Tagung des Aargauischen Gewerbeverband und des Hightech Zentrum Aargau im Technopark in Brugg. Aufgenommen am 24. Januar 2017 in Brugg. Im Bild: Samy Liechti, Gründer der Blacksocks SA.
AGV Hightech Zentrum Aargau Tagung, Brugg Industrie 4.0 im Gewerbe und Detailhandel. Tagung des Aargauischen Gewerbeverband und des Hightech Zentrum Aargau im Technopark in Brugg. Aufgenommen am 24. Januar 2017 in Brugg. Im Bild: Marianne Wildi, Vorsitzende der Geschäftsleitung Hypothekarbank Lenzburg AG.
AGV Hightech Zentrum Aargau Tagung, Brugg Industrie 4.0 im Gewerbe und Detailhandel. Tagung des Aargauischen Gewerbeverband und des Hightech Zentrum Aargau im Technopark in Brugg. Aufgenommen am 24. Januar 2017 in Brugg. Im Bild: Kurt Schmid, Präsident AGV.
AGV Hightech Zentrum Aargau Tagung, Brugg Industrie 4.0 im Gewerbe und Detailhandel. Tagung des Aargauischen Gewerbeverband und des Hightech Zentrum Aargau im Technopark in Brugg. Aufgenommen am 24. Januar 2017 in Brugg. Im Bild: Max Schärer, Geschäftsführer der Zuckermühle Rupperswil AG.

Gewerbeverband Hightech Zentrum Aargau

Erstmals spannten der Aargauische Gewerbeverband (AGV) und das Hightech Zentrum Aargau für eine Veranstaltung zusammen. Es ging um das Thema «Industrie 4.0 im Gewerbe und im Detailhandel». Die Zusammenarbeit fiel auf fruchtbaren Boden, die Aula im Hightech Zentrum in Brugg war voll besetzt. Es war offensichtlich, dass die umfassende Digitalisierung auch für das Aargauer Gewerbe und den Detailhandel brennend aktuell ist.

Kurt Schmid, Präsident des AGV, erklärte, auch Handel und Gewerbe sollten sich baldmöglichst mit der Digitalisierung ihrer Betriebe beschäftigen. Dabei habe er drei Hinweise: Es sei entscheidend für das Gelingen, sich an den Kunden zu orientieren, schneller zu sein als die anderen und das Projekt «Digitialisierung» zur Chefsache zu machen.

Durch die neuen Medien habe sich das Einkaufsverhalten in den letzten Jahren radikal verändert, sagte Innovationsexperte Bernhard Isenschmid vom Hightech Zentrum in seinem Einführungsreferat. Er zeigte dies anhand alltäglicher Beispiele auf und verknüpfte sie mit den Konsequenzen für Handel und Gewerbe: So genüge es nicht mehr, bloss eine Homepage zu haben; gefragt sei ein professionelles Handling. Der Kunde sei inzwischen gewohnt, dass er die Leistungen sofort bewerten könne und dass sie für alle einsehbar sind. Ganz neue Anforderungen kämen aber auch etwa auf das Baugewerbe zu: Nur wer mit künstlicher Intelligenz umgehen könne, werde bei grösseren Projekte noch Chancen auf einen Auftrag haben.

Innovation aus Rupperswil

Digitale Bezahlsysteme: Frau Wildi und das Bargeld

Marianne Wildi, Vorsitzende der Geschäftsleitung der Hypo Lenzburg, brachte es auf den Punkt: «Bargeld braucht nur noch die Oma – oder der Bankräuber». Damit war schon fast alles gesagt über die Zukunft der digitalen Bezahlsysteme. Sie haben längst Einzug in den Alltag gehalten, werden das Bargeld verdrängen. Erst recht, wenn die Digital Natives alle erwachsen sind. Sie selber verzichte allerdings vorderhand noch aufs kontaktlose Bezahlen, gestand Wildi, sie verlasse sich da lieber auf die gute alte Kreditkarte. Und den Kaffee zahle sie halt immer noch am liebsten bar. Kontaktloses Zahlen liege im Trend, sagte Wildi und erinnerte daran, dass da die Hypo Lenzburg mutig vorangegangen sei und ein digitales Portemonnaie für die Kunden lanciert habe. Die Erfahrungen waren zwiespältig. Es gab begeisterte Kunden, andere, die mit der Chipkarte gar nicht zurechtkamen. Und das Kassensystem im nahen Volg weigerte sich partout, eine kontaktlose Zahlung zu akzeptieren. Dennoch ist für Wildi klar, dass kaum noch jemand eine Rechnung von Hand ausfüllen wird. (jm)

Dann war das Podium frei für Unternehmer, die sich bereits der Digitalisierung gestellt haben und von ihren Erfahrungen berichten konnten. So auch Paul Stalder, Geschäftsführer der Stiebel Eltron AG. Er erzählte, wie es dem Unternehmen, das Wärmepumpen vertreibt, gelungen ist, einen grossen Teil der Geschäftstätigkeit ins Internet zu verlagern, weil man neue Kunden inzwischen vor allem im Netz findet. Und dabei habe man erst noch neue Tätigkeitsfelder entdeckt.

Max Schärer, Geschäftsführer der Zuckermühle Rupperswil AG, erklärte, wie der Zuckerabsatz der Mühle stetig zurückging und wie sich die Firma dank Internet und Neuen Medien ein neues Standbein aufbaut. Und zwar hat man in Rupperswil das individualisierte Zuckerbriefchen entwickelt. «Man muss sich das wie das Herstellen eines digitalen Fotoalbums vorstellen», sagte Schärer. Der Kunde kann sich für jeden Anlass, für Feste oder als Werbegeschenk individuelle Zuckerbriefchen selber gestalten. Die werden innert Wochenfrist ausgeliefert und sind bereits ab Mengen von 200 Stück erhältlich. Anderthalb Jahre lang hat man entwickelt; das Angebot sei einzigartig in Europa, sagte Schärer und ohne Digitalisierung wäre es nicht zu realisieren gewesen.

Schwarze Socken im Abo

Nach Marianne Wildi, der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Hypothekarbank Lenzburg, die über das veränderte Bezahlverhalten reflektierte, gehörte das Wort Samy Liechti, dem Gründer des Online-Shops «Black-socks».

Liechti erzählte, gespickt mit vielen Anekdoten, wie es ihm gelang und weiter gelingt, Zehntausenden von Männern via Internet ein Sockenabo für schwarze Socken zu verkaufen, einige der Kunden haben gleich ein mehrjähriges Abo gelöst.

Am Schluss der lange dauernden, aber dennoch kurzweiligen Veranstaltung bat Bruno Lustenberger, Präsident von Gastro Aargau, bei aller Aufbruchstimmung um ein wenig Beibehaltung bewährter Tradition: «Ich wünsche mir, dass bei allen Vorteilen, die ein Servierroboter auch haben mag, Sie auch weiterhin Freude an einer kompetenten, gut ausgebildeten Restaurationsfachfrau haben werden.»

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