Gesundheitswesen

Digitalisierung fordert auch Aargauer Spitäler

Der Aufbau von elektronischen Patientendossiers soll vereinfacht werden. Der Bund ermöglicht grössere Gemeinschaften, die elektronische Patientendossiers aufbauen. Dadurch erhalten sie mehr Geld. (Symbolbild)

Der Aufbau von elektronischen Patientendossiers soll vereinfacht werden. Der Bund ermöglicht grössere Gemeinschaften, die elektronische Patientendossiers aufbauen. Dadurch erhalten sie mehr Geld. (Symbolbild)

Die kantonalen Gesundheitsinstitutionen arbeiten mit Hochdruck an der Umsetzung des elektronischen Patientendossiers. Dabei geht es nicht nur darum, die IT-Systeme aufzurüsten.

Im April müssen sie bereit sein. Es bleiben also noch sieben Monate. Die beiden Kantonsspitäler Aarau und Baden sowie die Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG) teilen auf Anfrage mit, dass sie bereit sein werden.

Die PDAG starten im September mit der technischen Umsetzung und wollen ab Anfang 2020 die Mitarbeitenden schulen. Da sich die Klinik-Informationssysteme der PDAG bereits auf einem aktuellen Stand befänden, werde die technische Anbindung an die EPD-Plattform gemäss heutigem Wissensstand keine grösseren Probleme verursachen, sagt Stefan Bernhard, Leiter Finanzen und Informatik.

Die Anpassung der Arbeitsprozesse werde die grössere Herausforderung. Dabei geht es um Fragen, wie die Mitarbeitenden reagieren müssen, wenn ein Patient ein elektronisches Patientendossier eröffnen wolle, oder auch, wie sie die Informationen im Dossier verarbeiten müssen, wenn ein Patient bereits ein solches besitzt. Dazu würden alle Mitarbeitenden geschult. «Ausserdem muss eine Stelle aufgebaut werden, die sich nach der Einführung mit den Fragen rund um das EPD auseinandersetzt», sagt Bernhard.

Auch KSB-Mediensprecher Omar Gisler sagt, die Schulung der Mitarbeitenden sowie die Kommunikation stelle eine grosse Herausforderung dar. «Das EPD stellt hohe Anforderungen an alle Mitarbeitenden im Umgang mit streng vertraulichen Informationen.» Alle müssten informiert und geschult werden. «Das gilt auch für die Bürger», sagt Gisler. «Patientinnen und Patienten können mit dem EPD viel direkter Einfluss auf den Datenaustausch nehmen.» Das sagt auch KSA-Sprecherin Isabelle Wenzinger. «Das System wird nicht mehr geschlossen sein, wenn Patientinnen und Patienten den Zugriff auf ihre Daten selber steuern können.» Darauf müssten sie entsprechend sensibilisiert und informiert werden.

Eine Browserlösung ist möglich, bedeutet aber Mehraufwand

Theoretisch müssten die Spitäler ihre internen Systeme nicht an die EPD-Plattform anbinden. Sie könnten auch die Browser-Lösung nutzen. Nicolai Lütschg, Geschäftsführer von eHealth Aargau, empfiehlt dies allerdings nicht. «Das ist mit doppeltem Aufwand verbunden, weil die Mitarbeitenden die Patienteninformationen in das interne und in unser System eintragen müssten.»

Für das KSA als eines der grössten Spitäler der Schweiz sei eine Integration der Hauptsysteme unumgänglich, sagt Wenzinger. «Eine Browser-Lösung könnte dies weder effizient noch nachhaltig gewährleisten.» Auch das KSB verfolgt das Ziel, manuelle Vorgänge bei der Datenerfassung so weit wie möglich zu reduzieren. «Die Ärzte und das Pflegepersonal sollen von repetitiven administrativen Arbeiten entlastet werden», sagt Gisler. Es werde deshalb eine «möglichst schlanke und systemübergreifende Integration» angestrebt.

Kosten für die Vollintegration sind höher

Noch nicht definitiv entschieden haben sich die PDAG. «Die Browser-Lösung ist auf den ersten Blick die günstigste Variante», sagt Bernhard. Sie sei aber für die Mitarbeitenden mit vielen Arbeitsschritten verbunden. Die Kosten für eine Vollintegration seien höher. Sie mache Sinn, wenn das EPD bereits von Anfang an von vielen Patientinnen und Patienten genutzt werde. «Leider wissen wir aber nicht, wie diese das Dossier akzeptieren werden», sagt Bernhard.

Die Einführung des elektronischen Patientendossiers ist für die Spitäler so oder so mit Kosten verbunden. Die PDAG geht von einmaligen Investitionskosten von rund 100 000 Franken aus. «Ins Gewicht fallen jedoch die jährlich wiederkehrenden Kosten für die IT und den Beitrag an die Stammgemeinschaft», sagt Bernhard. Diese schätzten die PDAG auf 150 000 bis 200 000 Franken. Das KSB sagt, die Einführung des EPD koste einen «Betrag im sechsstelligen Bereich». Das KSA rechnet mit mehreren hunderttausend Franken.

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