«Helvetia ruft»

Doris Leuthard: «Macht aus der Helvetia eine Argovia!»

Prominente Frauen rufen die Frauen auf, für die Wahlen im Oktober anzutreten

Prominente Frauen rufen die Frauen auf, für die Wahlen im Oktober anzutreten

Die überparteiliche Kampagne «Helvetia ruft!» hat am Mittwoch virtuell den Aargau besucht. Politikerinnen, Komikerinnen, Schauspielerinnen und Landfrauen appellierten an Aargauerinnen, sich an den kantonalen Wahlen zu beteiligen.

Von den 140 Sitzen im Aargauer Grossen Rat sind 47 von Frauen besetzt, von den fünf im Regierungsrat keiner. Doch am 18. Oktober sind Gesamterneuerungswahlen, danach soll das Geschlechterverhältnis etwas ausgeglichener sein – zumindest wenn es nach den Frauen geht. Denn: Parlamente und Regierungen, die grossmehrheitlich oder gar ausschliesslich aus Männern bestehen, repräsentierten die Bevölkerung nicht, eine Demokratie sei aber nur so gut, wie sie ihre Bevölkerung vertritt.

Das sagt die Kampagne „Helvetia ruft!“, die von Frauen aus allen grossen Parteien mitgetragen wird. In Erscheinung getreten ist Helvetia ruft 2019, dem „Frauenwahljahr“. Tatsächlich wurden bei den National- und Ständeratswahlen schliesslich so viele Frauen gewählt wie noch nie.

Jetzt sind die Kantone dran. Am Mittwochabend startete die Tournee durch die Stände, den Auftakt machte der Aargau. Wobei: Viele der über 200 Teilnehmerinnen (und sehr vereinzelt Teilnehmern) des Treffens sassen irgendwo sonst in der Schweiz, der Anlass wurde online abgehalten. Corona soll die Mission von Helvetia schliesslich nicht unterbinden.

Frauen müssen auch kandidieren

Die Organisatorinnen schafften es, eine illustre Frauenschar vor den Bildschirm zu holen. Patti Basler und Sophie Hunger nahmen teil, Susanne Wille und Melanie Winiger waren da. Vor allem aber trafen sich Aargauer Politikerinnen im virtuellen Raum, jene Frauen also, um die es am 18. Oktober aus Sicht von „Helvetia ruft!“ im Aargau gehen soll. Die Prominenteste von allen steht zwar nicht mehr zur Wahl, Doris Leuthard, Bundesrätin von 2006 bis 2018, war aber als Motivatorin für Frauenkandidaturen klar gesetzt.

Trotz der Untervertretung von Frauen in Parlament und Regierung hat es der Aargau doch immerhin geschafft, eine der bisher erst neun Bundesrätinnen zu stellen. In den nächsten zehn Jahren müsse das wieder möglich sein, appellierte Leuthard (die sich nicht gerne Alt-Bundesrätin nennen lässt, wie sie gleich zu Beginn klarstellte). „Macht aus der Helvetia eine Argovia“, forderte sie die Frauen auf.

Mit Frauen wählen ist es eben nicht gemacht, zuerst müssen sie überhaupt kandidieren. Die Kandidierendenlisten werden derzeit von den Parteien gemacht, was denn auch der Grund ist, warum Helvetia ruft bereits jetzt im Aargau Halt machte.

Ein längeres Votum hielt auch Lotti Baumann, die Präsidentin des Aargauer Landfrauenverbands und ebenfalls CVP-Politikerin. Baumann kandidierte im letzten Jahr für den Nationalrat, am Frauenstreik habe sie beschlossen, mitzumachen. Jetzt will sie möglichst viele Frauen dazu bringen, es ihr gleichzutun. Wie wichtig die Arbeit jener ist, die sich um Haus, Hof und Kinder kümmern, merke man in der Coronakrise besonders, sagte sie. Es sei deshalb an der Zeit, dass sich auch Landfrauen vermehrt in der Politik engagieren und mitbestimmen.

Bereits geschafft haben das die Grossrätinnen Therese Dietiker (EVP), Colette Basler (SP), Ruth Müri (Grüne), Suzanne Marclay (FDP) und Barbara Portmann (GLP). Politische Arbeit sei familienfreundlich, Frauen bringen Farbtupfer in ansonsten graue Parlamente, Debatten sind bereichernd und Vorurteile gegen Frauen in der Politik haltlos – mit diesen Botschaften wollen sie die Frauen abholen, damit sie ab Oktober viel mehr Kolleginnen in ihren Reihen begrüssen können.

Als Nächstes macht Helvetia ruft Halt im Kanton Basel-Stadt. Denn auch dort wird im Oktober gewählt – Helvetia hofft, auch möglichst viele Frauen.

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