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Drohnen für die Wildschweinjagd: Aargauer Grossräte nehmen Schwarzwild ins Visier

Drohnen, Wärmebildkameras, Zielfernrohre: Damit sollen Jäger im Aargau künftig Wildschweine zur Strecke bringen. Bauern beklagen massive Schäden und fürchten, die Tiere könnten die afrikanische Schweinepest einschleppen.

Fabian Hägler
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Wildschweine sind sehr fruchtbar, ihre Bestände können sich in kurzer Zeit massiv vergrössern.

Wildschweine sind sehr fruchtbar, ihre Bestände können sich in kurzer Zeit massiv vergrössern.

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Hansjörg Erne macht ssich Sorgen: Der SVP- Grossrat betreibt in Leuggern einen Hof mit Schweinezucht und verfolgt die Ausbreitung der afrikanischen Schweinepest (Kasten rechts neben dem Bild) aufmerksam. «Die Tierseuche ist in Osteuropa auf dem Vormarsch, die Krankheit befällt Wildschweine, kann aber auch auf das Hausschwein übertragen werden», sagt Erne. In einem Vorstoss, den er im Grossen Rat eingereicht hat, weist der Landwirt auf die Gefahr hin, dass die Schweinpest auch in die Schweiz eingeschleppt werden könnte. «Sollte dies passieren, wäre der Aargau besonders betroffen, weil viele Wildschweine aus Süddeutschland einwandern», sagt Erne.

Jagd auch im Schutzgebiet?

Um dies zu verhindern, müsse der Jagddruck auf die Tiere massiv verstärkt werden, findet der SVP-Grossrat. Zusammen mit Ralf Bucher, Geschäftsführer des Aargauischen Bauernverbandes, fordert Erne den Einsatz von technischen Hilfsmitteln bei der Wildschweinjagd. In der Interpellation sind Drohnen mit Wärmebildkameras für die Beobachtung erwähnt. Der Landwirt ist aber auch der Meinung, dass für Zielfernrohre mit Nachtsichtgerät künftig keine Bewilligung mehr nötig sein sollte. «So könnten Wildschweine effizienter bejagt und die Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen reduziert werden», argumentiert Erne. In besonders betroffenen Regionen, wie im Zurzibiet oder im Fricktal, sollten Jäger die Tiere zudem auch in Naturschutzgebieten erlegen dürfen. «Wildschweine sind clever, ich habe in Gippingen beobachtet, dass sie sich in die Gebiete zurückziehen, wo sie nicht bejagt werden dürfen», sagt Erne.

Schäden von 500'000 Franken

Die Schäden, die Wildschweine im Aargau anrichten, und die den Bauern vergütet werden, belaufen sich laut dem Vorstoss auf rund 500 000 Franken pro Jahr (siehe Tabelle unten). «Rechnet man die zusätzlichen Aufwendungen zur Verhinderung der Schäden, Fälle unterhalb der Bagatellschadengrenze sowie die Schadenabschätzung mit ein, belaufen sich die Aufwendungen auf rund 800 000 Franken», schreiben die Grossräte. Laut Erne gibt es mehrere «Hotspots», wo die Schäden kaum mehr erträglich seien. Deshalb will der SVP-Grossrat auch wissen, ob der Regierungsrat bereit sei, Jagdgesellschaften in besonders betroffenen Revieren stärker in die Pflicht zu nehmen.

Afrikanische Schweinepest: Tiertransporte oder Wildschweine?

Die afrikanische Schweinepest ist eine hochansteckende Tierseuche, die alle Arten von Schweinen befallen kann. «Ist ein Betrieb betroffen, müssen alle Tiere getötet und verbrannt werden», sagt Grossrat und Schweinezüchter Hansjörg Erne. Die Krankheit, gegen die es keinen Impfstoff gibt, hat sich in Osteuropa ausgebreitet, zuletzt wurden Fällen aus Tschechien gemeldet. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen schätzt die Gefahr, dass die Tierseuche die Schweiz
erreicht, als gross ein. Der Seuchenerreger, ein Virus, wird durch direkten Tierkontakt übertragen. Dabei können auch Wildschweine die Seuche verbreiten. «Da das Virus in
der Umwelt und in Schweinefleisch- Produkten lange ansteckend bleibt, kann der Erreger auch indirekt über Geräte und Transportfahrzeuge verschleppt oder über das Verfüttern erregerhaltiger Fleischabfälle übertragen werden», heisst es auf der Website des Bundesamts. Während für Hansjörg Erne die Gefahr einer Verschleppung durch Wildschweine im Vordergrund steht, sieht Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau, ein anderes Risiko. «Ich halte es für viel wahrschein-
licher, dass der Erreger über Tiertransporte in die Schweiz kommt als über Wildschweine.» (fh)

Der kantonale Massnahmenplan für Schwarzwild sieht heute schon vor, dass für die Wildschweinjagd bei der Sektion Jagd und Fischerei Nachtsichtzielgeräte ausgeliehen werden können. Allerdings braucht es dafür eine Bewilligung, ebenso wie für den Einsatz von anderen technischen Hilfsmitteln. «Ich finde, die Jäger sollten ohne Bewilligung auf moderne Technik zurückgreifen können», sagt Grossrat Erne.

Thomas Laube, Vizepräsident von Jagd Aargau, sagt dazu: «Die Aargauer Jäger haben 2017 über 1500 Wildschweine erlegt, rund 400 mehr als im Vorjahr.» Bei dieser hohen Zahl im Rahmen des geltenden Massnahmenplanes erstaunt es Laube sehr, «dass die Interpellanten den Druck auf die Jägerschaft weiter erhöhen wollen». Das sei nicht sachgerecht und auch nicht fair gegenüber seinen Kollegen, «die grosse Leistungen erbringen und teilweise an die Grenzen ihrer Möglichkeiten kommen». Laube sagt, der Einsatz von Drohnen sei aus seiner Optik kein adäquater Lösungsansatz und mit den Bestimmungen des Bundesrechtes wohl nicht vereinbar. «Selbst wenn dies möglich wäre, bleibt der jagdliche Nutzen für mich sehr zweifelhaft.»

Naturschützer warnt

Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau, verspricht sich wenig von Drohnen bei der Wildschweinjagd. «Lebensraum und Futterangebot sind im Aargau sehr gut, zudem vermehren sich die Tiere sehr rasch.» Ausserdem könnte der Einsatz von Drohnen andere Tiere stören und zu Konflikten mit Greifvögeln führen, warnt der Biologe. Jenny hält fest, schon heute komme es gelegentlich vor, dass der Kanton mit Wildhütern auch in Naturschutzgebieten gezielt Tiere bejage. «Das könnten auch Jäger übernehmen, ich bin aber dagegen, diese Praxis zu intensivieren», sagt er.

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