Regierungsratswahl

Duell gegen Gallati: Yvonne Feri muss auf Verzicht von Doris Aebi hoffen

Doris Aebi macht Yvonne Feri den Regierungsratssitz streitig: «Ich bin eine echte Option»

Doris Aebi macht Yvonne Feri den Regierungsratssitz streitig: «Ich bin eine echte Option»

Im zweiten Wahlgang bei der Regierungsratsersatzwahl hat Yvonne Feri (SP) die besten Aussischten, Jean-Pierre Gallati (SVP) gefährlich zu werden. Aber nur wenn Doris Aebi (GLP) verzichtet.

Am Wahlsonntag sahen sich alle irgendwie noch als Siegerinnen und verbreiteten Zuversicht. Ihr Resultat liege klar über den Erwartungen, sagte Doris Aebi (GLP), die mit dreimal weniger Stimmen als der führende Jean-Pierre Gallati (SVP) auf Platz vier landete.

Sie habe mit 15 Prozent Wähleranteil gerechnet und diese mit 15,3 Prozent sogar leicht übertroffen, kommentierte Jeanine Glarner (FDP) ihren dritten Rang. Und für Yvonne Feri (SP) als Zweitplatzierte zeige ihr Resultat, dass sie weit über die Parteigrenzen hinaus wählbar sei.

Feri wäre naheliegendste Kandidatin

Nach den sonntäglichen Stellungnahmen für die Galerie folgte am Montag hinter den Kulissen das nüchterne Rechnen. Wer hat gegen Gallati wirklich noch eine reale Chance und in welcher Konstellation? Die Parteispitzen von SP, Grünen und Grünliberalen trafen sich gestern Abend deshalb, um eine gemeinsame Mitte-links-Kandidatur zu eruieren.

Am Wahlsonntag im TV-Talk – Doris Aebi macht Yvonne Feri den Regierungsratssitz streitig: 

Doris Aebi macht Yvonne Feri den Regierungsratssitz streitig: «Ich bin eine echte Option»

«Ich bin eine echte Option», sagte die GLP-Kandidatin.

Der grüne Hausarzt und Grossrat Severin Lüscher hatte schon am Sonntag angedeutet, dass er wohl auf den zweiten Wahlgang verzichten wird. Bei den Kandidatinnen der SP und der GLP ist es komplizierter. Yvonne Feri wäre die naheliegendste Kandidatin für Mitte-links, erzielte sie doch nach Gallati das klar beste Ergebnis im ersten Wahlgang.

Dem Vernehmen nach haben Feri und die SP aber auch einen Verzicht als Variante diskutiert. Falls Feri trotz gutem Ergebnis rechnerisch keine Chance habe, wolle man sich lieber zurückziehen, als die Kandidatin zu verheizen, hiess es gestern Morgen aus der SP.

Nur wenn sich neben Lüscher auch Aebi zurückzieht, hat Feri eine reale Chance, mehr Stimmen zu machen als Gallati, der auf seine grosse SVP-Basis aus dem ersten Wahlgang zählen kann. Doch nun scheint Feri dem Vernehmen nach entschlossen und bereit für den zweiten Wahlgang. Entsprechend versucht die SP, Grünliberale und Grüne von einer gemeinsamen Kandidatur Feri zu überzeugen.

Wenn Feri antritt, macht für GLP eine Kandidatur Aebi wenig Sinn

Die Grünliberalen entscheiden heute Abend, ob sie Doris Aebi in den zweiten Wahlgang schicken. Obwohl Feri mehr als doppelt so viele Stimmen wie Aebi geholt hat im ersten Wahlgang, glaubt GLP-Präsident Beat Hiller, dass seine Kandidatin im zweiten Wahlgang eventuell die grösseren Chancen hat gegen Gallati.

Feri habe mit ihrem linken Profil ihr Wählerpotenzial möglicherweise schon ausgeschöpft, so Hiller, während Aebi auch noch Mitte-Wähler auf ihre Seite ziehen könne. Hiller lässt aber durchblicken: Wenn sich die SP und Feri entscheiden, selber wieder anzutreten, wäre eine weitere Kandidatur von Doris Aebi wohl chancenlos. Entscheiden, so Hiller, werde das letztlich aber die Kandidatin selber.

Bei den Grünen, die von Feris Abschneiden im ersten Wahlgang positiv überrascht sind, zeichnet sich ein Einschwenken auf die SP-Kandidatin ab.

Rollt die FDP der SVP den roten Teppich aus?

Ebenfalls heute Abend befindet die FDP, ob sie mit Jeanine Glarner in den zweiten Wahlgang geht. Die Freisinnigen werden an ihrem Parteitag in Bergdietikon nicht nur ihre Wunden lecken und nach Gründen für ihren empfindlichen Sitzverlust bei den Nationalratswahlen suchen, sondern auch zwischen zwei mässig attraktiven Varianten abwägen müssen.

  • Variante 1: Jeanine Glarner tritt mit sehr geringen Chancen nochmals an, was tendenziell einer möglichen Mitte-links-Kandidatin hilft, weil sich bürgerliche Stimmen aufteilen würden.
  • Variante 2: Glarner verzichtet und ebnet so Gallati den Weg für den Einzug in den Regierungsrat.

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Autor

Rolf Cavalli

Rolf Cavalli

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