«Wie die Digitalisierung das Kundenverhalten der Zukunft prägt»: Unter diesem Titel stand der 14. KMU-Anlass der Neuen Aargauer Bank und des Aargauischen Gewerbeverbandes. Der volle Campussaal in Windisch mit mehr als 400 Aargauer Unternehmerinnen und Unternehmern zeigte auf, wie gross das Interesse an diesen Themen ist.

In seinem Impulsreferat gab Peter Grünenfelder, Direktor der Denkfabrik Avenir Suisse und ehemaliger Aargauer Staatsschreiber, dem Publikum einen Überblick über Megatrends. Daraus entstehen Bedürfnisse und Geschäftsmodelle, welche die Kunden der Zukunft beeinflussen. Als Megatrends identifizierte Grünenfelder die Digitalisierung, die Migration, die Alterung und die Globalisierung. Er zeigte auf, wie die Globalisierung neue Kundenbedürfnisse schafft: «Das Vertrauen in globale Marken schwindet, dafür werden Respekt, Nachhaltigkeit, soziale Aspekte und Eigenverantwortung wichtiger.» Dazu gehöre auch der persönliche Kundenkontakt mit lokalem Charakter.

Senioren kurbeln Konsum an

Auch Migration schafft neue Bedürfnisse: Die hochqualifizierten und vielbeschäftigten Migranten in den Städten benötigen laut Grünenfelder persönliche Beratung und nutzen aus Effizienzgründen vermehrt Online-Shopping, aber auch stationäres Shopping als Erlebnis. Eine wachsende Kundengruppe sind die ausgabefreudigen älteren Menschen der sogenannten «Silver Economy».

Die über 50-Jährigen haben immer mehr Zeit und schätzen individuelle Beratung. Zudem sind sie offen gegenüber technischen Neuerungen. Die Generation Ü65 gibt fast 90 Prozent ihres Einkommens für Konsum aus.

Berufe verschwinden und entstehen

Laut Grünenfelder werden sich künftig die Arbeitsformen stark verändern. «Innovationen werden jedoch keine Arbeitsplätze vernichten, sondern neue Stellen schaffen.» Während Berufe wie Kassierer, Buchhalter oder Verkäufer mit der Zeit aussterben, entstünden komplementär zu den neuen Technologien neue Jobs wie «Very Big Data Analyst/-in», «Anti-Alterungs-Spezialist/-in» oder «Social-Media-Therapeut/-in».

Der kommende Wandel der Arbeitswelt bedinge jedoch Reformen und eine Liberalisierung des Arbeitsmarkts, so Grünenfelder: «Das Arbeitsrecht muss der Digitalisierung angepasst werden.» Und: Die Digitalisierung und Sharing Economy böten den Konsumenten der Zukunft günstigere Güter und Dienstleistungen. Dabei verschiebe sich dank der Vergleichsportale auch die Informationsmacht hin zum Konsumenten. Man dürfe die Digitalisierung jedoch keinesfalls durch noch mehr Vorschriften einschränken. (az)