Barbara Portmann

Eigene Regierungsrätin, neues Energiegesetz, Leaderrolle: Das sind die neuen Ziele der Wahlsiegerin GLP

Barbara Portmann: «Wir wollen mindestens ein eigenes Kommissionspräsidium und zwei Sitze pro Kommission.»

Barbara Portmann: «Wir wollen mindestens ein eigenes Kommissionspräsidium und zwei Sitze pro Kommission.»

Die Grünliberalen sind die grossen Sieger der Wahlen im Aargau. Fraktionschefin Barbara Portmann sagt, welche Pflöcke sie einschlagen wollen. Zum Beispiel mit einem Energiegesetz-Neuanlauf.

«Wir haben uns fünf zusätzliche Sitze erhofft. Auch mit vier wären wir zufrieden gewesen. Jetzt sind es sogar sechs!» Durchs Telefon hört man, dass Barbara Portmann, Fraktionschefin der Grünliberalen (GLP), den grossen Erfolg vom Sonntag bei den Grossratswahlen immer noch nicht fassen kann.

Worauf führt sie ihn zurück? Klar habe man vom nationalen Trend profitiert. Ihre Partei habe aber mit vielen bekannten Persönlichkeiten gepunktet. Die Kombination von grün und liberal sei der tiefere Grund für den Erfolg. Haben deshalb viele, die Umwelt und Klima mehr Gewicht geben wollen, aber bürgerlich «ticken», die GLP und nicht das grüne Original gewählt? «Die GLP ist bewusst unabhängig von Verbänden, ist nicht mit der Verwaltung verbandelt. Wir sind undogmatisch. Es reicht nicht, mit zu hoch gesteckten Forderungen Zeichen zu setzen. Wir wollen Verbesserungen erreichen.»

Selbst sehe man sich leicht links der Mitte. Portmann: «In vielen Punkten, etwa bei Sozialem, bei Steuern und Finanzen oder Mindestlohnforderungen unterscheiden wir uns klar von SP und Grünen und manchmal auch nur, weil wir nicht mit dem Kopf durch die Wand wollen.»

Wahlsieger GLP: «Wir müssen und dürfen mehr Verantwortung übernehmen»

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Bremste Klimajugend den Erfolg der Grünen?

Portmann kann sich vorstellen, «dass möglicherweise gewisse Wählerinnen und Wähler nach der kürzlichen umstrittenen Vorstellung der Klimajugend auf dem Bundesplatz beim Wählen von den Grünen auf die GLP geschwenkt sind». Sie würde das verstehen: «Es ist richtig, auf berechtigte Anliegen aufmerksam zu machen, aber leider wurden Sympathien verspielt.»

Portmann stellt erfreut fest, dass die GLP nicht mehr «nur» in städtischen Regionen punktet: «Der Stadt-Land-Graben schliesst sich langsam. Ein Superbeispiel ist die Wahl von Hampi Budmiger im Bezirk Muri.»

In vier Jahren die erste GLP-Regierungsrätin?

Man sei bereit, wie die Gründung neuer Sektionen zeige. Es kämen weitere dazu. Die GLP werde auch vermehrt bei Gemeindewahlen antreten, um mehr Verantwortung zu übernehmen, sagt Portmann. Die Grünliberalen halten vieles für möglich: Ziel sei, «in vier Jahren mit einer Kandidatin anzutreten und die erste Aargauer GLP-Regierungsrätin zu bekommen.»

Was ändert nun? «Es gibt organisatorisch viel zu tun», sagt Portmann. Die GLP wird zudem im Ratsbüro betreffend Verteilung der Kommissionssitze und Präsidien vorstellig: «Heute teilen wir uns mit der EVP ein Kommissionspräsidium, jetzt wollen wir mindestens ein eigenes sowie zwei Sitze pro Kommission.» Auch wolle man vermehrt in Abstimmungskämpfen den Lead übernehmen.

Wo wollen sie punkten? Jetzt warte man die Auswertung des Energiegesetz-Neins ab. Für die GLP sei klar, dass ein Neuanlauf nötig ist. Dieser werde schon infolge der hängigen Volksinitiative, die massiv mehr Mittel zur Unterstützung von Gebäudesanierungen fordert, nötig.

Hier will die GLP Pflöcke einschlagen

Zudem kämpft die GLP für das CO2-Gesetz. Sie will aber auch zu den Beteiligungen des Kantons wieder vorstellig werden. Nicht nur bei Spitälern müsse man genau hinschauen, «auch bei der Axpo, die in China in Gas investieren will». Natürlich gebe es beim Umweltschutz sehr viel zu tun, etwa im Kampf gegen Mikroplastik. Auch wolle man beim Entwicklungsschwerpunkt Klima der Regierung mitwirken.

Für Ausländerstimmrecht auf Gemeindeebene

Die Liste der Themen, denen die GLP Schub geben will, ist lang: Sie fordert das Ausländerstimmrecht auf Gemeindeebene. Auch soll die Ausbildung der Schulleitungen vereinheitlicht und verbessert werden. Sie will Stimmrechtsalter 16, den Hausarzt-Mangel mit Anreizen angehen. Man setze sich ein, damit die Oberstufenreform nicht versandet. Wichtig seien die weitere Förderung der Elektromobilität, des Velo- und Fussverkehrs und der intelligenten Steuerung der Verkehrsströme.

Schliesslich will die GLP bei der Kinderbetreuung das aus ihrer Sicht ungenügende Gesetz anpassen, «indem Qualitätsnormen definiert und mindestens eine verstärkte kantonale Aufsicht über die für den Vollzug zuständigen Gemeinden sichergestellt wird».

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