Über zehn Einbürgerungsgesuche hat die Oftringer Gemeindeversammlung an diesem Abend im letzten September zu entscheiden. Doch als sie über jenes eines 19-jährigen Kosovaren abstimmen müssen, kommt es zum Eklat: Ein junger Mann, offenbar ein Jahrgänger des Gesuchstellers, steht auf und fordert zur Überraschung von Gemeinderat und Kommissionen die Ablehnung.

Als er zu reden beginnt, verfinstern sich die Mienen der 120 (von 7288) Stimmberechtigten abrupt. Der Kosovare halte sich nicht an die Gesetze, habe zu wenig Respekt vor der schweizerischen Kultur und mache «komische Sachen». Er habe sogar mehrfach gegen das Gesetz verstossen und sei nie wirklich «sauber», behauptet der Votant.

Dass Gemeindeammann Julius Fischer nochmals darauf verweist, dass der Gesuchsteller sämtliche Kriterien erfülle, hilft nichts mehr: Die Gmeind lehnt die Einbürgerung des 19-Jährigen mit 78 gegen 16 Stimmen – entgegen dem Vorschlag der vorprüfenden Behörden – ab. Es folgen neun weitere Gesuche; sie werden alle durchgewunken.

Wenige Tage danach: Der Kosovare vis-à-vis am Tisch spricht klar und überlegt, ist freundlich. Doch er ist ausser sich, gefrustet. Er habe keiner Fliege etwas zuleide getan, sagt er in klarem Aargauerdeutsch. Er verstehe nicht, was die Anschuldigungen sollten, überlege sich, seinen Ruf juristisch wiederherzustellen. Wie er da so in der Kaffeestube beim Gespräch mit dieser Zeitung sitzt, wird klar: Das wird er nicht auf sich sitzen lassen.

Vorwürfe «nicht haltbar»

Tatsächlich: Der junge Mann schaltet eine Anwältin ein – mit Erfolg. Seine Beschwerde beim Kanton wurde nun vor wenigen Wochen gutgeheissen. Die Vorwürfe hätten sich als «nicht haltbar» erwiesen, schreibt der Regierungsrat in seiner schriftlichen Begründung, die dieser Zeitung vorliegt.

Ein guter Leumund, keine Strafregistereinträge, grosse Integrationsbereitschaft und 93 von 95 richtig beantworteten Fragen im Einbürgerungstest – mit diesen und weiteren Argumenten stützt der Regierungsrat das, was Einbürgerungskommmission, Geschäftsprüfungskommission und Gemeinderat schon im September argumentierten: Der Kosovare erfüllt alle Bedingungen für eine Einbürgerung. Und er scheint mit der hiesigen Kultur sehr wohl vertraut, leistete er im Namen seines Arbeitgebers im Oberwallis gar Fronarbeit und half dort zusammen mit anderen (damals noch) Lehrlingen der Franke AG Aarburg beim Sanieren von Friedhof, Beachvolleyballfeld und bei weiteren Projekten. Trotz Gutheissung seiner Beschwerde will der 19-Jährige aber heute nicht mehr über den Fall sprechen. Er habe es auch nicht nötig. Gesiegt habe «die Gerechtigkeit».

Behörde hat daraus gelernt

Eine Gerechtigkeit allerdings, die alle Oftringer betrifft. Denn die Steuerzahler kommt die Beschwerde teuer zu stehen: Über 4000 Franken allein für Verfahrens- und Anwaltskosten muss die Gemeinde berappen. Dabei attestiert der Regierungsrat den Behörden, «die notwendigen Abklärungen zum Einbürgerungsgesuch seriös vorgenommen» zu haben.

Gemeindeammann Julius Fischer wurde im September ebenfalls überrumpelt. «Heute würden wir das Geschäft wohl zur Überprüfung zurückweisen», sagt er. So lassen sich Verfahrenskosten sparen. Andere Gemeinden handeln längst nach diesem Prinzip. Allerdings sei es auch das demokratische Grundrecht jedes Stimmberechtigten, an einer Gmeind seine Meinung zu äussern, betont Fischer. Über das Einbürgerungsgesuch des Kosovaren wird die Gemeindeversammlung nun bald ein zweites Mal zu befinden haben.

Der Einbürgerungsgegner war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Seine politische Gesinnung hingegen ist inzwischen aktenkundig: Er ist seit März dieses Jahres in der Parteileitung der SVP-Ortspartei.