Bad Zurzach ist eine Feriendestination. Das stellt man schnell fest und so präsentiert sich die Gemeinde selber. «Ihre 1. Adresse für Kurzurlaub in der Schweiz», wird auf www.badzurzach.info festgehalten. Nur: Bade- und Wellnesslandschaften liegen ausserhalb meines Budgets. Mein «Hotel» im Wald in der Nähe des sehenswerten Tierparks verlasse ich am Morgen, ohne dass sich ein Gewitter entladen hätte.

Die Outdoor-Karte von Aargau Tourismus zerfleddert langsam, dient mir aber immer noch für die Planung der Fahrt nach Hause. Ich folge dem Veloweg 77, der von Zurzach bis nach Goldau am Fuss der Rigi führt.

Vielleicht wird der Aargau von uns Aargauern als Tourismuskanton etwas unterschätzt. Aber von andern nicht. «Punkto Übernachtungen sind wir auf Rang 11 der 26 Kantone», stellt Andrea Portmann von Aargau Tourismus fest.

Im Aargau zählt man die Herkunftsländer nicht detailliert auf. Sehr viele sind jedoch aus der Schweiz, viele Süddeutsche, welche die Schweiz nach dem Frankenschock gemieden haben, kommen jetzt wieder. Weitere Gäste bringt laut Portmann der Business-Tourismus in den Aargau. Im letzten Jahr ist die Zahl der Übernachtungen um 1,4 Prozent auf 725'507 gestiegen. Ich werde mit meiner Reise in keiner Statistik erscheinen und bin auch aus wirtschaftlicher Sicht als Tourist nicht interessant.

Den ursprünglichen Plan, in Brugg ein ausgiebiges Aarebad zu nehmen, gebe ich auf. Dafür muss ich Strom laden, um elektrisch unterstützt über Mellingen, Bremgarten und Muri wieder nach Hause zu gelangen.

Im Redaktionsbüro der Aargauer Zeitung in der Brugger Altstadt finde ich nicht nur die entsprechende Steckdose, sondern auch einen Kaffee und einen Schwatz mit Kolleginnen und Kollegen. Sie würden sicher auch einen E-Bike-fahrenden Nichtabonnenten mit Strom versorgen, wenn er anklopfen würde.

Glasfenster zählen zu den herausragendsten Werken

In dieser Gegend, so scheint es, lauert der Legionär an jeder Ecke. Jedenfalls lockt der Vindonissa-Park. Die farbigen Glasfenster der Klosterkirche Königsfelden zählen zu den herausragendsten Werken der europäischen Glasmalerei im Spätmittelalter. Im ältesten und grössten Amphitheater der Schweiz, das in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts nach Christus errichtet und Schauplatz für Unterhaltung war, bin ich nicht der Einzige: Schulklassen machen sich auf die Spuren der Legionäre. Und ich bin mir sicher: Als Bub habe ich mich damals bei einem Schulausflug von der Geschichte sicher ebenfalls fangen lassen.

Was früher mit dem Töffli jederzeit möglich war, ist seit der Eröffnung der Umfahrung 1994 und dem Fahrverbot durch die Altstadt nur noch mit dem Velo möglich: durch Bremgarten und über die alte Reussbrücke fahren. Ich geniesse die Fahrt, mache nach der Holzbrücke einen Halt. Auf dem letzten Kilometer vor dem Ziel geht meinem Velo der Strom aus. Ich hätte in Brugg doch noch ein Viertelstündchen länger laden sollen. So endet meine Aargau-Tour zu Fuss, denn ein Velo mit 18 Kilogramm Gepäck auf dem Träger ist, zumindest bergauf, unglaublich schwer.