Energie

Einer der rentabelsten Schweizer Stromproduzenten: AEW verdoppelt Gewinn

E-Mobilität nimmt bei der AEW zunehmend Fahrt auf.

E-Mobilität nimmt bei der AEW zunehmend Fahrt auf.

Die AEW Energie AG lechzt nach mehr. Die Geschäftszahlen zeigen: Der Energieversorger ist fit dafür. Oder ändert Corona alles?

Es ist eine Aussage, die aufhorchen lässt. «Wir sind eines der rentabelsten Kantonswerke in der Schweiz», sagt der bald abtretende AEW-Verwaltungsratspräsident Ernst Werthmüller. Das hänge mit der Verschlankung der AEW zusammen, erklärt Werthmüller, mit den zum Teil auch neu geschaffenen Strukturen. Wie rentabel der Energieversorger unterwegs ist, belegen die Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres (siehe unten). Überhaupt ist die AEW grundsolide aufgestellt (Eigenkapitalanteil von über 80 Prozent). Vor diesem Hintergrund erstaunt die nächste Aussage Werth­müllers weniger: «Natürlich sind wir interessiert, den Energiebereich mit dem Aufkauf von weiteren Energieversorgern auszubauen.» Der Energiemarkt ist in der Schweiz und damit auch im Aargau noch immer sehr weitfächerig. Einige Grosse und zahlreiche Kleine tummeln sich auf dem Markt. Nicht nur Werth­müller, sondern zahlreiche Experten gehen davon aus, dass die fortschreitende Liberalisierung des Energiemarktes zu weiteren Konsolidierungen führen wird. Die Frage lautet bloss: Fressen oder gefressen werden?

321 Millionen Franken Dividenden in 20 Jahren

Allein im Kanton Aargau tummeln sich 96 Energieversorgungsunternehmen. Diese Zahl dürfte in den kommenden Jahren deutlich schrumpfen. Mit einer Übernahme der AEW ist aber kaum zu rechnen. Zu hoch ist die Rentabilität, zu hoch auch die Eigenkapitalquote (mehr als 80 Prozent). Wahrscheinlicher scheint, dass man weitere Energieversorgungsunternehmen aufkauft. Etliche Gemeinden beschäftigten sich mit einem Verkauf, erzählt VR-Präsident Ernst Werthmüller.

Mit einer Ebit-Marge im zweistelligen Bereich (12,8%) und einem Gewinn von über 65 Millionen Franken beschert die AEW dem Kanton Aargau auch dieses Jahr wieder schöne Einkünfte. Fast 30 Millionen wird er an Dividenden kassieren. Überhaupt hat der Energieversorger dem Kanton seit er Ende 1999 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, rund 1,2 Milliarden Franken eingebracht, wie die AEW ausrechnete. Ein Grossteil davon in Form von Eigenkapital (575 Mio.), aber auch Dividenden (321 Mio., 2018/19 werden 29,6 Mio. ausbezahlt), Wasserzinsen (160 Mio.), Steuern, Abgaben und Gebühren (122 Mio.) sowie Neukonzessionierungen (96 Mio.) haben dazu beigetragen.

Das ist auch einer Diversifizierungsstrategie zu verdanken. War die AEW vor 25 Jahren eine reine Strom- und Netzgesellschaft, bietet sie heute auch weitere Dienstleistungen an. Wärmeverbünde, Telekommunikationsangebote, E-Mobilität oder Solarstrom – in diesen Bereichen sieht man die grössten Wachstumspotenziale. Wobei das Thema Wärme am weitesten fortgeschritten ist. Vor zirka 25 Jahren gestartet, erwirtschaftet die AEW unterdessen einen ansehnlichen Teil ihres Umsatzes mit diesem Standbein. «So können wir helfen, rund 43'000 Tonnen CO2 einzusparen», sagt Werthmüller.

Wie solide das Unternehmen aufgestellt ist, zeigt sich auch an der Tatsache, dass man ohne Kurzarbeit oder Kredite durch die Coronakrise gekommen ist. Aber natürlich kriegt auch die AEW die Folgen der Viruspandemie zu spüren. «Sehr stark sogar», sagt CEO Hubert Zimmermann. Wobei man als Betreiber kritischer Infrastruktur gut vorbereitet war. Sehr schnell hat man Teams aufgeteilt, Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt, Zutritt zu Gebäuden stark eingeschränkt. Man habe keinen nachgewiesenen Fall im Unternehmen zu verzeichnen. Und schon befinde man sich in einer ersten Phase der Lockerung.

So beeinflusst Corona das aktuelle Geschäftsjahr

Corona hat weitere Folgen. Die Nachfrage nach Strom ging phasenweise um bis zu 10 Prozent zurück, der Preis fiel kurzfristig um bis zu 20 Prozent. Wie stark das Virus das Geschäft im aktuellen Jahr beeinflussen wird, ist noch unklar. Zimmermann sagt: «Wir rechnen derzeit mit einem geringen Rückgang auf Stufe Ebit.» Aber das hängt auch davon ab, wie die Gesamtwirtschaft durch die Krise kommt. Summieren sich die Ausfälle von Kundenzahlungen, sieht es schnell anders aus.

Vom Kurs wird Corona die AEW nicht abbringen. «Bisher mussten wir weder Baustellen schliessen noch Investitionsprojekte runterfahren. Läuft alles nach Plan, bleibt das auch so», sagt Zimmermann. Der Ausbau dürfte weiter voranschreiten.

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