Die Schwimmbecken im neuen Hallenbad in Rothrist sind mit Wasser gefüllt und stehen bereit für Schwimmer und Badegäste. Nach zwei Jahren Bauzeit ist der 20-Millionen-Neubau fertig. Vor der Eröffnung am Wochenende vom 11./12. Mai gibt es aber noch jede Menge für Betriebsleiter Sämi Tschirky und sein Team zu tun. Die lichtdurchflutete, moderne Schwimmhalle, zu der auch ein Freibad gehört, beschäftigt auch ausserhalb der Anlage im Gebiet Stampfi.

«Günstigere Eintrittspreise für die Badi Rothrist» fordert auf einer Internet-Seite eine laufende Unterschriftensammlung. Über 900 Personen haben die Petition seit dem Start letzten Samstag unterzeichnet. Konkret geht es darum, dass der Gemeinderat eine «attraktiver Preisgestaltung für das Hallen- und Freibad» prüfen soll. «Besonders stossend sind die teuren Eintrittspreise für Kinder, welche bereits ab 4 Jahren sowohl fürs Hallenbad sowie das Freibad bezahlt werden müssen», sagt Jacqueline Doymus. Die Rothristerin erklärt, dass in der Region ein Eintritt ab dem 6. oder 7. Lebensjahr üblich sei. Die Initiantin will mit der Petition erreichen, dass der Gemeinderat den kostenpflichtigen Eintritt für Kinder frühestens ab 6 Jahren und auf 4 Franken festsetzt.

«Ich habe mindestens 30 Badis in der gesamten Umgebung recherchiert und keine einzige Badi verlangt einen Eintritt unter 6 Jahren», sagt Jacqueline Doymus, die als Betriebsökonomin im Bereich Finanzen/Controlling tätig ist. Aufgefallen sei es ihr, weil sie selber und ihre Freundinnen Töchter und Söhne haben, die diesen Sommer 4 Jahre alt werden. «Keine von ihnen ist bereit nach Rothrist ins Freibad zu kommen und 5 Franken zu bezahlen, weil in den anderen Badis der Umgebung ihre Kinder gratis reinkommen.» Doymus rechnet vor, dass eine Mutter mit einem 4-jährigen Kind für den Besuch des Rothrister Freibades 13 Franken bezahlt, während der Eintritt in Aarburg 4 Franken und in Zofingen 6 Franken beträgt.

«Familien sind preissensibel», gibt die Mutter von zwei Kindern zu bedenken. Sie befürchtet, dass bei diesem Preismodell Familien, die die Wahl zwischen Rothrist, Aarburg und Zofingen haben, sich nicht für die Rothrister Badi entscheiden. «Diese Familien brauchen wir aber, damit sich die Investition gelohnt hat, denn die Defizite bezahlen wir dann schlussendlich mit den Steuern.»

Was den Eintritt für Erwachsene anbetrifft, ist Jacqueline Doymus der Meinung, dass man diesen rechtfertigen könne. «In Zofingen kostet der Eintritt ins Freibad 6 Franken, in Rothrist zwar 8 Franken, dafür ist aber eine topmoderne Infrastruktur inbegriffen.» Mit der Unterschriftensammlung hofft die 34-Jährige auch auf einen «attraktiven Abendeintrittspreis», da dieser üblich sei in der Region. «Natürlich hoffe ich, dass generell das Preisniveau um 1 Franken gesenkt wird und die Saisonabonnemente nicht doppelt beziehungsweise dreifach so teurer sind als in der Umgebung.»

Preisnachlass für Rothrister

Gemeinderätin Daniela Weber weiss um die im Internet laufende Unterschriftensammlung. «Ich verfolge sie mit Interesse.» Sie erklärt, dass sich der Gemeinderat sehr vertieft mit der Preisgestaltung des Schwimmbades Stampfi auseinandergesetzt habe. «Es war von vornherein klar, dass es eine eindeutige Bevorzugung der Rothristerinnen und Rothrister geben wird.» Dies sei von der Bevölkerung immer wieder gewünscht und vom Gemeinderat auch auf verschiedenen Wegen so kommuniziert worden. «Die Rothrister Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben sich für den 20 Millionen Franken teuren Neubau des Hallenbades ausgesprochen und waren dementsprechend auch bereit, ihren Beitrag in Form von Steuerprozenten zu bezahlen», betont Daniela Weber.

Die Eintrittspreise seien Bestandteil eines komplexen Business-Plans, der auf verschiedenen Faktoren beruhe. Ein Hallen- und Freibad dieser Grössenkategorie kann, so Gemeinderätin Weber, kaum kostendeckend betrieben werden. Es brauche immer einen finanziellen Betrag der öffentlichen Hand. «Wir haben versucht, mit dem Business-Plan und den darin enthaltenen Eintrittspreisen das Defizit und somit den Beitrag der öffentlichen Hand so gering wie möglich zu halten.»

Die Bevölkerung von Rothrist kann auf den Einwohnerdiensten ab dem 23. April eine kostenlose Einwohnerbestätigung abholen. Mit dieser Bestätigung und einer ID wird beim Kauf eines 10-er-Abos, einer Saisonkarte oder eines Jahresabos an der Kasse der Badi eine Preisreduktion von 20 Prozent auf den regulären Eintrittspreis gewährt. Ausserdem erhält jedes Rothrister Kindergarten- und Schulkind nach den Frühlingsferien eine kostenlose Schüler-Sommersaisonkarte, welche im Frei- und Hallenbad von Montag bis Freitag während der Sommersaison gültig ist. Für einen Aufpreis von 26 Franken für einheimische und 35 Franken für auswärtige Schüler kann diese Schülerkarte direkt an der Badikasse zu einer regulären Sommersaisonkarte, die auch an den Wochenenden gültig ist, «upgradet» werden.

«Die umliegenden Gemeinden haben sich leider nicht dazu bereit erklärt, sich am Bau eines regionalen Hallenbades zu beteiligen», betont Weber und erklärt: «Aus diesem Grund gelten die Vergünstigungen auch ausschliesslich für Rothristerinnen und Rothrister.» Die Gemeinderätin gibt zu bedenken, dass die Badi Rothrist in der weiteren Umgebung das modernste Hallen- und Freibad ist. Innerhalb der letzten Jahre wurden beide Bereiche total neu gebaut. «Mit diesem klaren Infrastruktur-Vorteil gegenüber den umliegenden Freibädern hoffen wir, die Abwanderung der Badegäste auf die umliegenden Freibäder zu verhindern.» Die Wahl erfolge nicht nur über den Preis, sondern auch über das Angebot. «Ein grosser Vorteil ist, dass in den Sommermonaten ein Abo immer zum Eintritt ins Rothrister Freibad und Hallenbad berechtigt», sagt Daniela Weber. So sind auch bei zweifelhafter Witterung Schwimmer und Badegäste in Rothrist willkommen.