WWF-Rating

Energiewende: Aargau gehört zu den Nachzüglern

Ohne engagierte Kantone kann die Energiewende nicht gelingen. Ein Rating der kantonalen Energiepolitik zeigt: Eine bunte Spitzengruppe unter anderen mit Thurgau, Basel-Landschaft und Basel-Stadt macht vorwärts. Schlusslichter sind Nidwalden, Schwyz und Appenzell Innerrhoden.

Energiewende

Ohne engagierte Kantone kann die Energiewende nicht gelingen. Ein Rating der kantonalen Energiepolitik zeigt: Eine bunte Spitzengruppe unter anderen mit Thurgau, Basel-Landschaft und Basel-Stadt macht vorwärts. Schlusslichter sind Nidwalden, Schwyz und Appenzell Innerrhoden.

Die Kantone sollten nach Einschätzung der Umweltorganisation WWF Schweiz mehr tun für die Energiewende. Sie kann nicht gelingen ohne engagierte Kantone. Ein WWF-Rating kritisiert die mangelhafte Förderung von erneuerbaren Energien.

Der Regierungsrat will den Gesamtenergieverbrauch pro Person im Aargau bis 2035 um 43 Prozent senken. Ein ambitioniertes Ziel der neuen Energiestrategie, die Anfang November in die Vernehmlassung geschickt wurde.

Das Rating der kantonalen Energiepolitik(en), das der WWF Schweiz gestern veröffentlichte, basiert aber nicht auf Zielen für die ferne Zukunft, sondern auf dem Status quo am Stichtag 31. August.

Und der Aargau kommt dabei gar nicht gut weg. Bezüglich der Förderung der Energieeffizienz und erneuerbarer Energien landete er zusammen mit acht anderen Kantonen in der letzten von drei Gruppen.

Diese Kantone, so das Urteil, würden über die minimalen Mustervorschriften der Energiedirektorenkonferenz hinaus «kaum Aktivitäten zeigen, die aus heutiger Sicht als vorbildlich gelten».

Den besser bewerteten Kantonen in der Spitzengruppe wird attestiert, dass sie zumindest «in mehreren Bereichen mit vorbildlichen Ansätzen Schwerpunkte setzen». In der Gruppe im Mittelfeld wurden «vereinzelt vorbildliche Schwerpunkte» registriert. Der Aargau liegt auf dem 18. Platz und führt die Gruppe der «Nachzügler» immerhin an.

Knausrig bei Förderung

Fokussiert ist das Rating auf den Gebäudebereich, weil dieser entscheidend ist für die Energie- und Klimapolitik (die Energie zum Heizen und Erzeugen von Warmwasser macht 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs aus) und die Kantone hier auch die zentralen Akteure sind.

Bewertet wurden sieben Indikatoren, für die jeweils 1 (schwach) bis maximal 5 (vorbildlich) Punkte vergeben wurden. Über alle Bereiche hinweg erreicht der Aargau bloss einen Wert von 2,4 Punkten.

Klar unterdurchschnittlich ist er insbesondere in der Vorgabe kantonaler Ziele zur Senkung des Energieverbrauchs und bei der finanziellen Förderung energetischer Verbesserungen. Überdurchschnittlich schneidet er bei der Energieplanung der Gemeinden ab.

Als positiv wird hier erwähnt, dass der Aargau im Richtplan prioritäre Energieträger vorgibt und dass bestehende Gebäude zum Anschluss an eine leitungsgebundene Wärmeversorgung verpflichtet werden können.

Mehr Gewicht auf Beratung

Im Departement Bau, Verkehr und Umwelt löst das WWF-Rating keine Überraschung aus. Es widerspiegle einerseits den politischen Willen (dem vom früheren Baudirektor Peter Beyeler vorgelegten Energiegesetz hat das Parlament etliche Zähne gezogen), anderseits nehme es aber auch andere Gewichtungen vor als der Kanton.

«Wir investieren im Aargau viel in die Energieberatung, dem trägt die Studie kaum Rechnung», sagt Werner Leuthard, Leiter Abteilung Energie im Baudepartement. Was zuzugeben sei: «Bei den Förderbeiträgen rangieren wir tatsächlich im hinteren Bereich.»

Gerade hier wird mit dem Sparpaket zurückbuchstabiert, fällt der Kanton so im Energie-Rating noch weiter zurück? Das müsse nicht sein, meint Leuthard.

Mit den eingehenden Gesuchen seien bis jetzt die zur Verfügung stehenden Mittel nicht voll ausgeschöpft worden. Die im interkantonalen Vergleich unterdurchschnittlichen Ausgaben rührten von eher tiefen Ansätzen für Beiträge pro Fördergesuch her.

Man erachte es nicht als sinnvoll, diese Ansätze heraufzusetzen, so Leuthard. Damit würde das Risiko bestehen, dass man bloss mehr Geld ausgebe, ohne damit hinsichtlich energetischer Verbesserungen eine grössere Wirkung zu erzielen.

Meistgesehen

Artboard 1