Kanton Aargau

Erhebliche Erhöhung des Aarespiegels aufgrund von Absenkung des Bielersees möglich

Bei der Aareschleuse in Port bei Biel wird mehr Wasser in die Aare gelassen. So werden die Pegel der Jurarandseen abgesenkt, um Platz zu schaffen für Schneeschmelze und Niederschläge. (Archivbild)

Bei der Aareschleuse in Port bei Biel wird mehr Wasser in die Aare gelassen. So werden die Pegel der Jurarandseen abgesenkt, um Platz zu schaffen für Schneeschmelze und Niederschläge. (Archivbild)

Wegen der starken Niederschläge der letzten Tage und der Schneeschmelze hat das Bundesamt für Umwelt im Einverständnis mit den betroffenen Kantonen Aargau, Neuenburg und Solothurn beschlossen, die Jurarand-Seen vorsorglich abzusenken. Jetzt wird genau beobachtet.

Die Ablassung von Wasser aus dem Bielersee ist in vollem Gange. Wie das BAFU (Bundesamt für Umwelt) am Mittwoch bekannt machte, wurde am Mittwochabend eine so genannte Prognoseregulierung der Jurarandseen eingeleitet. "Die Absenkung ist eine vorsorgliche Massnahme, Wasser kontrolliert und überwacht abzulassen, um die Auswirkungen aufgrund hoher zu erwartender Niederschläge zu mildern", sagt Rebekka Reichlin, Informationsbeauftragte des BAFU, dazu.

Da die Gewässer nach den Niederschlägen bereits überdurchschnittlich gefüllt sind, wie es in der Medienmitteilung des BAFUs heisst, müsse Wasser abgelassen werden; denn die Prognosen für die nächsten Tage lassen ebenfalls beträchtliche Niederschläge erwarten, wie das BAFU weiter kommuniziert.

Einverständnis der betroffenen Kantone eingeholt

Es ist das dritte Mal, dass die Massnahme ergriffen wird. Sie wurde nach dem Hochwasser im Jahre 2007 eingeführt. "Der Kanton Bern entscheidet während der Absenkphase selbständig über die Regulierung des Abflusses am Wehr Port für eine Wassermenge bis 500 Kubikmeter pro Sekunde. Sobald der Abfluss höher als das ist, müssen das BAFU und betroffene Kantone zustimmen, was im aktuellen Fall gestern Mittwoch geschehen ist", erklärt Reichlin das Vorgehen. Die Kantone Neuenburg, Solothurn und Aargau sind einverstanden damit, dass eine zusätzliche Menge von rund 100 Kubikmeter pro Sekunde durch die Aare fliesst.

So sah es in Aarau während des Hochwassers 2013 aus:

Man hat allgemein keine Bedenken bezüglich der grösseren Wassermengen: "Der Kanton Bern hat grosse Erfahrung bei der Seeregulierung", so Reichlin.

So sieht es auch Christophe Lienert, der als Leiter des Hochwasser Pikett-Diensts der Abteilung Landschaft und Gewässer die Lage im Aargau genau überwacht: "Momentan überprüfen wir die Wetterentwicklung schweizweit sehr genau und behalten die Wassermengen der Aare und der Emme im Auge."

Keine grossen Veränderungen bemerkbar

Sowieso halten sich die Konsequenzen der Prognoseregulierung in Grenzen. Rebekka Reichlin sagt: "Für die Kantone Aargau, Neuenburg und Solothurn sind keine speziellen Auswirkungen zu erwarten; die Aare wird mehr Wasser führen, aber da die vorsorgliche Absenkung kontrolliert erfolgt, wird es während der Absenkphase weder zu Hochwasser noch zu Problemen für die Tier- und Pflanzenwelt kommen." Lienert kann das bestätigen, auch wenn ein höherer Wasserspiegel durchaus sichtbar sei. "Ein geübtes Auge merkt wahrscheinlich, dass der Wasserstand etwas höher ist." Bei der Eisenbahnbrücke in Brugg zum Beispiel, wo das Flussbett eher schmal ist, steht die Aare rund 40cm höher als gewöhnlich.

Seit die Prognoseregulierung am Mittwochabend eingeleitet wurde, ist die Wassermenge im Kanton Aargau um Rund 100 Kubikmeter pro Sekunde gestiegen. Lienert hat das genau unter Kontrolle: "Am Mittwochnachmittag lag die Wassermenge der Aare im Kanton Aargau bei durchschnittlich 600 Kubikmeter pro Sekunde, momentan sind es wegen der Vorabsenkung des Bielersees rund 650-700." Bis morgen Freitag bleibe alles, wie es im Moment ist. Dann werde nochmals mit dem Kanton Bern und dem Bund, mit dem man stets in Kontakt ist, Rücksprache gehalten, ob und welche weiteren Massnahmen allenfalls getroffen werden müssten.

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