Nachwuchsproblem

Es fehlen Metzger, Bäcker, Bauarbeiter: Jede fünfte Lehrstelle im Aargau unbesetzt

Der Metzgerberuf ist bei Jungen nicht mehr so beliebt.

Der Metzgerberuf ist bei Jungen nicht mehr so beliebt.

Viele Branchen haben trotz Coronakrise grosse Mühe, Nachwuchs zu finden. Jede fünfte Lehrstelle, die via Kanton ausgeschrieben wurde, ist unbesetzt. Besonders gefragt sind Metzger, Bäcker und Bauarbeiter.

Die Coronakrise trifft die Wirtschaft. Müssen Unternehmen sparen, können auch Lehrstellen diesen Sparbemühungen zum Opfer fallen. So gab es im Kanton Aargau Befürchtungen, dass zahlreiche Schulabgänger heuer keine Lehrstelle finden würden. Von einer «Lehrstellenkrise» wurde gesprochen. In anderen Kantonen ist die Lage denn auch dramatisch, im Tessin und in der Genferseeregion hatten Ende Juni etwa 60 Prozent der Schulabgänger keine Lehrstelle.

Nicht ganz so dramatisch ist die ­Situation hingegen im Aargau. Hier haben etwa vier von fünf Schulabgängern eine Lehrstelle. 5'057 Lehrverträge wurden bis Ende Juni abgeschlossen, das sind sogar leicht mehr als vergangenes Jahr zum selben Zeitpunkt.

«Die Covid-19-Krise hat sich bei den Lehrverträgen mit Start im kommenden Schuljahr bisher noch nicht bemerkbar gemacht», schreibt Sascha Katja Giger vom Bildungsdepartement. Sorgen bereiten dem Kanton weniger die aktuelle Situation als die Zukunftsaussichten. Finden die jetzigen Lehrabgänger auch eine Stelle? Und wie schlimm wird die Rezession, die dann doch noch Lehrstellen kosten könnte?

Mehr offene Lehrstellen als vergangenes Jahr

Dann gibt es aber auch die andere Seite. Unternehmen, die trotz Coronakrise Mühe haben, ihre Lehrstellen zu besetzen. Auf dem Lehrstellennachweis (Lena) des Kantons ist aktuell jede fünfte Lehrstelle unbesetzt. Unternehmen können auf der Plattform ihre freien Lehrstellen melden.

Rund 3200 Lehrstellen waren insgesamt heuer auf «Lena» ausgeschrieben, das sind etwas über die Hälfte aller Lehrstellen im Kanton. Dazu kommt: Findet ein Betrieb einen Lehrling, trägt er dies vielleicht nicht direkt auf dieser Plattform ein. Die Plattform «Lena» gibt also kein vollständiges Bild ab. Doch sie gibt einen guten Überblick.

Die Aargauer Lehrstellen:

Die Aargauer Lehrstellen:

635 dort gemeldete Lehrstellen sind aktuell im Kanton unbesetzt – oder eben rund 20 Prozent. Vergangenes Jahr waren es zu diesem Zeitpunkt 563 – das entsprach damals 16 Prozent. Die verschiedenen Berufsgruppen sind höchst unterschiedlich von den fehlenden Lehrlingen betroffen. So sind etwa im Kunst- oder Kulturbereich, in denen mengenmässig allerdings auch nur eine Handvoll Lehrstellen angeboten werden, alle Lehrstellen besetzt.

Auch in der Informatik, im KV und in der Pflege sind fast alle Lehrstellen vergeben. Andere Branchen haben mehr Mühe, Nachwuchs zu finden. Etwa im Gastgewerbe, wo jede dritte Lehrstelle noch unbesetzt ist. Oder auf dem Bau, dort ist fast jede zweite Lehrstelle unbesetzt. Am schwersten haben es aktuell aber Bäckereien und Metzgereien. Fast zwei Drittel aller ausgeschriebenen Stellen sind in diesen Branchen noch unbesetzt. Allerdings: In diesem Bereich gibt es im Aargau auch nur vergleichsweise wenige Lehrstellen: 42 sind insgesamt bei der kantonalen Plattform gemeldet, 24 davon sind noch zu haben.

Hat das Fleisch bei Jungen einen schlechten Ruf?

Eine der Metzgereien, die noch einen Lehrling sucht, ist die Lüthi Metzgerei in Hausen. Es sei schon länger schwierig, Lehrlinge zu finden, sagt Mitinhaber Eduard Lüthi. Zuletzt seien zwar einige zum Schnuppern vorbeigekommen, die Lehrstelle wollte dann aber niemand. Und so würde es vielen Metzgereien ergehen, erzählt Lüthi. «Vielleicht liegt es daran, dass der Job als zu streng empfunden wird», vermutet er. «Oder aber, dass Fleisch bei vielen Jungen heute ein schlechtes Image hat.»

Für die Lüthi Metzgerei könnte diese Entwicklung auf Dauer zum Problem werden. «Wir haben aktuell schon einen hohen Altersschnitt im Betrieb. Mit welchen Fachleuten ich in zehn Jahren arbeiten soll, das weiss ich aktuell nicht.»

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