Im ganzen Mittelland haben sich die Kartoffelkäfer dieses Jahr explosionsartig vermehrt. Vor allem in den Kantonen Aargau, Bern und Zürich gebe es enorm viele Schädlinge, sagt Thomas Hufschmid vom Pflanzenschutzdienst gegenüber «Blick»

Das bekommt eine Aargauer Gemeinde nun auf heftige Weise zu spüren. In Dottikon bleiben die hungrigen Käfer nicht mehr auf dem Feld, sondern befallen auch Gärten und Fassaden.

Eine Anwohnerin berichtet, dass sie das ganze Wochenende damit verbrachte, die gelb-schwarzen Viecher mit einem Holzscheit totzuschlagen. Sie ekelt sich: «Wir müssen alles geschlossen halten, damit die Käfer nicht ins Hausinnere eindringen. Ich kann sonst nicht mehr schlafen.»

Schön aber unbeliebt, der Kartoffelkäfer.

Tausende der gelb-schwarzen Kartoffelkäfer sind auf Futtersuche. (Symbolbild)

Schön aber unbeliebt, der Kartoffelkäfer.

Besonders schlimm ist die Plage für die Pizzeria Bellissimo von Ali Çifçi. Der 41-Jährige erzählt, dass am Samstag «alles schwarz» von Käfern gewesen sei. «Drei- bis viermal am Tag musste ich die Wände hier abspritzen», berichtet der Pizzaiolo der AZ. Offensichtlich hat das gewirkt. Auf der kleinen Gästeterrasse vor seiner Backstube waren nur noch vier oder fünf Käfer auszumachen. Doch die kalte Dusche aus dem Schlauch war wohl nicht das einzige, was den Schädlingen zugesetzt hat. «Der Bauer kam vorbei mit seinem Traktor. Jetzt sind fast alle Käfer weg», erzählte Cifci noch, dann mussten die nächsten Pizze in den Ofen.

Bio-Betriebe dürfen Gift sprühen

Vermutlich hatte der Bauer, von dessen Feldern her die Käfer das Wohnquartier nach Nahrung durchsuchten, nicht nur ein schlechtes Gewissen, sondern auch noch ein Fass voll Insektizid, als er das Gebiet rund um sein Anwesen mit dem Traktor abfuhr. Beim Aargauer Amt für Landwirtschaft weiss man um die Käferplage. Darum haben auch Bio-Betriebe vom Pflanzenschutzdienst die Erlaubnis erhalten, Insektengift einzusetzen. Die Rede ist vom Insektizid Audienz, das nicht nur beim Kartoffelkäfer, sondern auch bei diversen anderen Schädlingen im Ackerbau zum Einsatz gelangt.

Grund für die rasante Ausbreitung ist laut der «Bauernzeitung» das heisse Wetter im April. Hufschmid sagt, dass die Käfer sich vor allem im Mittelland aus den Feldern hätten retten können, die bereits mit Insektizid behandelt wurden. Die Durchwuchskartoffeln, von denen sie sich auf Maisfeldern ernährten, seien aber allmählich aufgebraucht. «Deshalb suchen sie nun Futter.» (cki/ian)