Grossratswahlen

Exklusiv-Umfrage: SVP verliert, CVP taucht und FDP auf Gewinnkurs

Bei den letzten Wahlen 2012 legten FDP, GLP und BDP zu. Die SVP hielt sich auf hohem Niveau, CVP, SP, Grüne und EVP verloren Wähleranteile. Bei den kommenden Grossratswahlen liegt laut Umfrage derzeit die FDP in Front.

Bei den letzten Wahlen 2012 legten FDP, GLP und BDP zu. Die SVP hielt sich auf hohem Niveau, CVP, SP, Grüne und EVP verloren Wähleranteile. Bei den kommenden Grossratswahlen liegt laut Umfrage derzeit die FDP in Front.

Wäre letzten Sonntag der neue Grosse Rat gewählt worden, wäre die FDP laut einer Demoscope-Umfrage mit einem Gewinn von über drei Wählerprozent die grosse Siegerin. SVP und CVP würden verlieren.

Dominieren SVP und FDP den Grossen Rat? So titelte die az vor zwei Wochen, ausgehend von der Wahlprognose der beiden langjährigen az-Prognostiker und früheren Parlamentarier Max Knecht (CVP) und Urs Haeny (FDP).

Beide sehen SVP und FDP bei den Grossratswahlen im Plus. Knecht sieht für beide zusammen ein Wachstum von rund 2 Prozent, Haeny von 4,5 Prozent voraus. Damit kämen FDP und SVP auf nahezu oder leicht über 50 Prozent Wähleranteil und eine Mehrheit der Sitze. Derzeit halten SVP und FDP zusammen mit der EDU 69 der 140 Sitze. Diese Situation führt oft zu Pattsituationen zwischen ihnen und Mitte-Links.

SVP und CVP im Umfrageminus

Jetzt liegt eine Umfrage vor, welche die az beim Meinungsforschungsinstitut Demoscope in Auftrag gegeben hat. Befragt wurden 1000 Stimmberechtigte im Aargau. Diese Umfrage besagt etwas anderes. Ihr zufolge sind derzeit SVP und FDP zusammen nur minim im Plus, die CVP gar deutlich im Minus.

Wäre letzten Sonntag gewählt worden, bliebe die SVP mit 29,1 Prozent zwar klar stärkste Partei, würde aber im Vergleich zu den letzten Wahlen 2,9 Prozent einbüssen. Die CVP schrumpft gemäss Umfrage um 3,5 auf 9,8 Prozent. Umgekehrt legt die FDP bei der Wählerbefragung um 3,3 Prozent zu und kommt neu auf 18,7 Prozent. Leicht im Plus sind in dieser Momentaufnahme auch SP (neu 16,3 Prozent) und Grüne (9,0 Prozent).

Die SVP stand auch bei einer Umfrage vor den Nationalratswahlen 2015 im Minus, eingetroffen ist das Gegenteil. Die Prognostiker Knecht und Haeny erwarten, dass die SVP auch 2016 zulegt. Demoscope-Forschungsleiter Werner Reimann, der die Daten im Auftrag der az erhoben hat, sagt dagegen: «Eine Partei mit einem Wähleranteil von rund einem Drittel stösst einmal an ihren Zenit. Bei der SVP scheint dies der Fall.»

Aber er warnt: «Die Befragung liefert ein Stimmungsbild zum heutigen Zeitpunkt. Sie ist keine Prognose und nimmt die Wahl nicht vorweg. Ein Wahlkampf ist dynamisch, Stimmabsichten können sich verändern. Letztes Jahr etwa brachte der Flüchtlingsstrom durch Osteuropa unmittelbar vor den Wahlen der SVP viele zusätzliche Stimmen.»

SVP: «Wir werden zulegen»

Laut Umfrage hat die SVP bei den über 35-Jährigen weiterhin mit Abstand den grössten Wähleranteil. Sie wird gleichmässig von Frauen und Männern gewählt. Auf dem Land ist sie etwas stärker als in den Städten und in der Agglomeration.

SVP-Präsident Thomas Burgherr sagt zum Ergebnis: «Einen Verlust besagte uns doch schon die letzte Umfrage. Wir werden im Gegenteil erneut zulegen. Ich bin sicher, dass uns die Weigerung der Nationalratsmehrheit, die Masseneinwanderungsinitiative umzusetzen, zusätzliche Stimmen bringt.»

CVP: Wir kämpfen umso mehr

Wenn der Abwärtstrend der CVP gemäss Umfrage anhält, könnte sie gar knapp unter die psychologisch sehr wichtige 10-Prozent-Grenze fallen. Gemäss Umfrage fehlen der CVP vor allem junge Wählerinnen und Wähler. Dort beträgt ihr Anteil derzeit nur 4,7 Prozent. Der CVP drohe Überalterung, sagt Reimann. Auf dem Land holt die Partei mehr Stimmen als in der Stadt und in der Agglomeration.

«Das Umfrageergebnis überrascht mich und widerspiegelt nicht das riesige Engagement von uns allen im Wahlkampf und die Aufbruchstimmung an unserer Basis», sagt CVP-Präsidentin Marianne Binder. «Das Resultat motiviert uns aber umso mehr, um jede Stimme zu kämpfen. Wir haben hervorragende Kandidaten, so viele wie noch nie. Ich bin überzeugt, dass wir mit ihnen gute Voraussetzungen haben für ein gutes Wahlergebnis. Aber ein Spaziergang ist das nicht.»

FDP bei den Jungen die Nummer 1

Die FDP, die sich von früheren Niederlagen 2012 und auch bei den Nationalratswahlen 2015 etwas erholt hat, legt besonders stark bei den Jungen zu. Dort ist ihr Wähleranteil laut Umfrage bei 24,8 Prozent. Reimann: «Bei den 18- bis 34-Jährigen war bisher die SVP die Nummer 1, jetzt ist es die FDP.» Der Freisinn ist bei den Männern etwas stärker vertreten als bei den Frauen und in Stadt/Agglomeration etwas stärker als auf dem Land.

Grüne und SP leicht im Plus

Viele überraschen dürfte, dass die Grünen in der Umfrage trotz Wegfalls ihrer Wahllokomotive Susanne Hochuli auf 9 Prozent klettern. Sie könnten noch von der Debatte über die Atomausstiegsinitiative profitieren, über die am 27. November abgestimmt wird. Die Grünen werden deutlich stärker von Frauen gewählt, bei den über 55-Jährigen sind sie mit 5,1 Prozent dagegen schwach vertreten.

Und wie schneiden die jungen Mitte-Parteien ab? Der BDP sagen viele Politbeobachter nach dem Abgang ihrer Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf einen unaufhaltsamen Niedergang voraus. In der Grossrats-Umfrage bleibt sie aber stabil auf 4,3 Prozent (minus 0,1).

Die BDP ist allerdings bei den Wählerinnen und Wählern zwischen 35 und 54 Jahren unterdurchschnittlich vertreten. Die GLP wiederum, die nach der Atomkatastrophe von Fukushima stark zugelegt hatte, kann in der Umfrage minim um 0,2 auf 5,7 Prozent zulegen. Die GLP ist laut Reimann eine städtische Partei und bei den Jungen gut vertreten.

Stabil zeigt sich auch die EVP mit 3,8 Prozent. Sie ist in der Stadt und in den Agglomerationen wie auf dem Land gleichermassen präsent. Doch wie der CVP fehlen ihr junge Wählerinnen und Wähler.

Den Grossen Rat wählen – so gehts

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Kurzanleitung des Kantons Aargau.

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