Wasserqualität
Fäkal-Bakterien in Bündner Brunnen – wie sieht das im Aargau aus?

Es stehen heisse Tage bevor. Gerne stillt man da seinen Durst in einem der vielen Brunnen. Aber das ist nicht immer unbedenklich. Im Kanton Graubünden ist fast jeder dritte Brunnen mit gesundheitsschädlichen Keimen verseucht.

Nadja Rohner
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Öffentlich zugängliche Brunnen müssen ein "Kein Trinkwasser"-Schild haben, wenn das kühle Nass nicht Trinkwasserqualität hat.

Öffentlich zugängliche Brunnen müssen ein "Kein Trinkwasser"-Schild haben, wenn das kühle Nass nicht Trinkwasserqualität hat.

Andreas Toggweiler

Die Brunnen im Wallis und im Bündnerland seien mit Fäkalbakterien verseucht, wie der «SonntagsBlick» schrieb. Das Amt für Lebensmittelsicherheit habe dort bei fast jedem dritten Brunnen an stark frequentierten Wander- und Bike-Wegen ungenügende Wasserqualität festgestellt, einmal gar einen Brunnen als gesundheitsgefährdet eingestuft. Fäkalbakterien können Durchfall auslösen. Auch die Kantone Genf und Wallis sollen Probleme mit der Wasserqualität in ihren Brunnen haben.

Und der Aargau? Hier wird das Brunnenwasser von der Sektion Trink- und Badewasser des kantonalen Departements Gesundheit und Soziales (DGS) getestet. Jährlich untersuche man etwa 600 bis 650 Wasserproben von Laufbrunnen, sagt Sektionsleiterin Irina Nüesch auf Anfrage der az. «Wir messen nicht direkt Krankheitskeime», erklärt sie.

«Wie in den übrigen Trinkwasserproben bestimmen wir aber regelmässig die Fäkalkeime E. coli und Enterokokken. Sie sind zwar selbst keine Krankheitskeime, zeigen aber Verunreinigungen durch Kot, Mist, Gülle oder fäkales Abwasser zuverlässig an. Wenn E. coli und Enterokokken nachweisbar sind, besteht das Risiko, dass auch andere Keime aus Fäkalien vorhanden sind die zu Magen-Darm-Erkrankungen führen können. Das können Bakterien, Viren oder Parasiten sein.»

Im Jahr 2014 hat das DGS 613 Wasserproben ab Laufbrunnen von kommunalen Trinkwasserversorgungen getestet. 560 Proben stammten von Brunnen, die am Versorgungsnetz angeschlossen sind. Nüesch: «Bei 97,5 Prozent dieser Brunnen war der Untersuchungsbefund einwandfrei.»

Und bei den restlichen 2,5 Prozent? In einigen dieser Proben wurden tatsächlich Fäkalkeime gefundne. Diese lagen laut Nüesch aber «im Bereich der Nachweisgrenze» – das heisst: Es waren nur wenige Fäkalkeime vorhanden.

«In einigen der beanstandeten Proben waren es nicht Fäkalkeime, die bemängelt wurden, sondern eine erhöhte Anzahl aerobe mesophile Keime. Diese entstanden vermutlich durch zu lange Standzeit des Leitungswassers bei erhöhter Temperatur im August 2014», so Irina Nüesch. Auch diese Werte seien aber nicht drastisch erhöht gewesen. «Das Risiko, durch den Konsum von Trinkwasser dieser Qualität zu erkranken, ist äusserst gering», hält Nüesch fest. «Für die Wasserversorgung ist ein solcher Befund aber natürlich Anlass, die Absicherung der Trinkwasserqualität zu überprüfen und Leitungsspülungen durchzuführen, damit der Leitungsinhalt mit frischem, einwandfreiem Wasser ersetzt wird.»

Auch private Brunnen werden getestet

53 weitere Proben stammten von Brunnen in Gemeindebesitz, die von einer separaten Einzelquelle gespiesen werden. «14 dieser Proben, also 26 Prozent, entsprachen in mikrobiologischer Hinsicht nicht den Anforderungen an Trinkwasser.»

Diese Brunnen seien bereits mit einem Piktogramm 'Kein Trinkwasser' gekennzeichnet. Brunnenbesitzer – auch Private – sind nämlich verpflichtet, ein solches Schild aufzuhängen, wenn der Brunnen öffentlich zugänglich ist.

Die DGS-Sektion Trink- und Badewasser nimmt auch Brunnenwasserproben von Privatpersonen zur Untersuchung entgegen. Im letzten Jahr waren es laut Irina Nüesch 21 Proben. 6 davon (29 Prozent) wiesen keine Trinkwasserqualität auf.

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