Zwei Tage nach dem Farbanschlag auf das Grossratsgebäude in Aarau ist die Fassade gereinigt worden. Viel gebracht hat es nicht, denn die Schriftzüge blieben sichtbar. Auch die deutlichen Worte der Aargauer SVP sind noch nicht vergessen. Die Partei machte am Samstag in einer Mitteilung die Bundeshauptstadt für die Sprayereien am Grossratsgebäude verantwortlich. Die Stadt Bern, welche «dieses linke Pack seit Jahren duldet und in einem rechtsfreien Raum, genannt Reitschule, züchtet», solle sich beim Kanton Aargau offiziell entschuldigen. Auch Benjamin Giezendanner, Grossratspräsident und Hausherr des Gebäudes, forderte eine Entschuldigung und sagte in Trump-Manier: «Wir werden die Rechnung nach Bern schicken – das zahlt sicher nicht der Kanton Aargau.»

In der Bundeshauptstadt sorgen diese Aussagen für Kopfschütteln. Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) will auf die Forderung aus dem Aargau gar nicht erst eingehen. Er sagt auf Anfrage nur so viel: «Zu so einer irrsinnigen Aussage nehme ich keine Stellung.»

So sah das Grossratsgebäude am Samstag aus.

So sah das Grossratsgebäude am Samstag aus.

Auch Zürcher mischen mit

Seit es vor eineinhalb Wochen zu wüsten Ausschreitungen mit linksextremen Gruppierungen in Bern kam, steht die Bundeshauptstadt in der Kritik. Die Krawalle sind gemäss einem Artikel in der «Sonntagszeitung» nicht nur auf gewaltbereite Berner zurückzuführen, sondern auch auf führende Köpfe aus der Szene der Zürcher Linksaktivisten von der Organisation «Revolutionärer Aufbau». Nause geht es gegen den Strich, dass «seine» Stadt dauernd im Strohfeuer der Kritiker steht.

Gegen den Farbanschlag hat der Aargauer Parlamentsdienst noch am Wochenende Anzeige erstattet. Wie hoch der Schaden sein wird, lässt sich noch nicht abschätzen.

Grossratspräsident Giezendanner hatte sich gestern wieder beruhigt, nachdem er eine Nacht über den Vorfall schlafen konnte. Er wählte diplomatischere Worte und will zumindest vorerst keine Rechnung nach Bern schicken. «Wir warten die polizeilichen Ermittlungen ab. Ich gehe davon aus, dass die Übeltäter ausfindig gemacht werden können. Immerhin haben sie Spuren im Netz hinterlassen», sagt er. Giezendanner spricht auf ein «Bekennerschreiben» an, dass am Samstagmorgen auf einer Webseite auftauchte.

Die Kantonspolizei Aargau hat die Ermittlungen aufgenommen, wie sie auf Anfrage bestätigt. Sie will sich nicht in die Karten schauen lassen. Mediensprecher Roland Pfister sagt nur so viel: «Jeder hinterlässt im Netz seine Spuren. Wir werden dem sicherlich nachgehen.»

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Linke Chaoten verwüsten Grossratsgebäude

Linke Chaoten verwüsten Grossratsgebäude (4. März 2017)

Das Aargauer Grossratsgebäude wurde Opfer eines Farbanschlags. Der Zeitpunkt des Spray-Angriffs war nicht willkürlich gewählt.