Pandemie

Fast 500 neue Coronafälle im Aargau – Gallati geht nicht auf die Kritik von Bundesrat Berset ein

Jean-Pierre Gallati sagt: «Sofern die Kapazitäten vorhanden sind, nehmen die Aargauer Spitäler ausserkantonale Patienten auf.»

Jean-Pierre Gallati sagt: «Sofern die Kapazitäten vorhanden sind, nehmen die Aargauer Spitäler ausserkantonale Patienten auf.»

Das Aarauer Kantonsspital und die Hirslanden-Klinik haben auf die steigenden Neuansteckungen reagiert und das Operationsprogramm reduziert. Regierungsrat Jean-Pierre Gallati versichert: Die Spitäler seien auf mehr Coronafälle vorbereitet.

Der Kanton hat für Mittwoch 495 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet – so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Die Zahl der Todesfälle ist auf 88 gestiegen (+2). Ausserdem meldete der Kanton nachträglich einen zusätzlichen Todesfall für Dienstag.

In den Spitälern wurden am Mittwoch 133 Covid-19-Patientinnen und -Patienten behandelt, gleich viele wie am Dienstag. Allerdings liegen inzwischen 24 Patienten auf der Intensiv- oder Überwachungsstation. Das sind fünf mehr als am Dienstag. Mehr Covid-19-Patientinnen und -Patienten wurden nur Anfang April auf den Intensiv- und Überwachungsstationen behandelt.

Das Kantonsspital Aarau (KSA) hat angesichts der steigenden Hospitalisierungszahlen von Covid-19-Patienten reagiert und das Operationsprogramm für gewisse nicht dringliche Eingriffe reduziert. Dabei geht es nicht nur darum, genug freie Betten zur Verfügung zu haben, sondern auch genug Personal. Anästhesistinnen, die im Operationssaal arbeiten, werden gebraucht, um Covid-19-Patienten auf der Intensivstation zu betreuen. Neben dem KSA hat auch die Hirslanden Klinik Aarau reagiert. Dort hat man vorletzte Woche begonnen, das Operationsprogramm stärker anzupassen und gewisse nicht dringliche Operationen zu verschieben.

Könnte sich kurzfristig ändern

Wichtig ist, dass trotz verschobener Operationen weder das KSA noch die Hirslanden Notfälle abweisen. Personen, die eine medizinische Betreuung brauchen, sollen einen Spitalbesuch nicht hinauszögern. Bei den Eingriffen, die verschoben werden, geht es nur um solche, die nicht dringend sind. Mit einer Leistenbruch-Operation oder bei Gallensteinen kann man auch ein paar Monate warten, wenn der Patient keine Beschwerden hat.

Die Spitäler im Ostaargau haben den Betrieb noch nicht eingeschränkt. Sowohl das Kantonsspital Baden (KSB) als auch das Spital Muri betonen aber, dass sich das kurzfristig ändern könne.

In Muri werden derzeit acht Covid-19-Patientinnen und -Patienten behandelt. Zwei von ihnen werden beatmet. Sollte es zu einem steigenden Aufkommen von Covid-19-Patientinnen und -Patienten kommen, würden Massnahmen ergriffen, sagt Mediensprecherin Martina Wagner. In Muri würde der Betrieb dann auf vier Operationssäle reduziert und deren Auslastung angepasst, erklärt Wagner. «Das hat Auswirkungen auf die Durchführung von Wahleingriffen. Das heisst, es kann inskünftig zu Verschiebungen kommen.»

Gallati schränkt Eingriffe an den Spitälern nicht ein

Bundesrat Alain Berset hat die Kantone am Mittwoch dazu aufgerufen, Wahleingriffe einzuschränken. Es sei inakzeptabel, dass gewisse Kantone Wahleingriffe durchführten und Patienten aus anderen Kantonen ablehnten, so der Gesundheitsminister. Der Thurgauer Gesundheitsdirektor kritisierte in dieser Zeitung die Einmischung Bersets. Der Aargauer Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati äussert sich auf Anfrage nicht dazu. Er habe Bersets Aufruf an die Kantone nicht mitbekommen und auch dessen Brief an die Kantone nicht erhalten.

Stattdessen führt Gallati aus, dass der Kanton Aargau und die Spitäler sehr gut organisiert und vorbereitet seien. Die Spitäler mit Intensivstationen wurden dazu angehalten, nur so viele Operationssäle für medizinisch nicht dringende Operationen zu betreiben, dass sie bei steigenden Fallzahlen innerhalb von 48 Stunden zusätzliche Kapazitäten schaffen könnten. «Sollte es die Entwicklung verlangen, können unsere Spitäler die Wahleingriffe innert kurzer Zeit einschränken oder ganz herunterfahren», sagt auch Gallati.

Weiter hält er fest, dass die Spitäler selbstverständlich über die Kantonsgrenzen hinaus zusammenarbeiteten, auch bei der Verlegung von Patienten. «Sofern die Kapazitäten vorhanden sind, nehmen die Aargauer Spitäler ausserkantonale Patienten auf.»

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