Nebst der Kriminalstatistik haben Kantonspolizei und Statistik Aargau auch die neuste Verkehrsunfallstatistik veröffentlicht. Die ist erfreulicher, auch wenn natürlich jede verletzte oder gar tödlich verunfallte Person eine zu viel ist. Hauptaussage der Statistik für das vergangene Jahr ist, dass sowohl die Anzahl Verletzter als auch der Todesopfer im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig war.

Im Blick zurück sind es mit 1372 Verunfallten zwar «nur» 34 weniger. Bei den 16 Todesopfern war «nur» eins weniger zu beklagen als im Vorjahr. Doch wer weiter zurückgeht, erkennt eine massive Verbesserung. So kamen im Aargau 1970 im Strassenverkehr 148 Personen ums Leben, 2018 waren es 16 Personen. Parallel dazu sinkt auch die Zahl der registrierten Strassenverkehrsunfälle. 1995 erreichten diese mit über 5000 einen unglaublichen Peak. Jetzt sind es noch 2380. Und dies, obwohl die Zahl der gemeldeten Motorfahrzeuge seit den 1980er-Jahren um mehr als das Zweieinhalbfache zugenommen hat.

Gefahrenquelle Fussgängerstreifen

Von den Fussgängerinnen und Fussgängern kann man das leider nicht sagen. Zwar sterben auch hier weniger als noch vor 40 Jahren. Zudem wurden letztes Jahr mit 83 (Vorjahr 100) weniger Fussgängerinnen und Fussgänger verletzt, davon allerdings 43 (Vorjahr 42) schwer. Vier Personen (Vorjahr drei) kamen ums Leben. Auch sank die Zahl der Unfälle auf einem Fussgängerstreifen von 75 auf 70. 65 (Vorjahr 70) Personen wurden dabei verletzt. Allerdings wurden 21 (Vorjahr 19) Personen schwer verletzt. Eine Person starb auf dem Fussgängerstreifen.

Aufgepasst mit dem Elektrovelo

Am meisten Personen verunfallten letztes Jahr mit dem Personenwagen, wobei es in über neun von zehn Fällen nur zu leichten Verletzungen kam. Mit dem (Elektro-)Fahrrad verunfallten 279 Personen (2017: 253). Diese Zahl ist entsprechend der Zunahme von Elektrofahrrädern steigend. Hier ist insbesondere der Anteil der Schwerverletzten mit 27,2 Prozent verhältnismässig hoch. Da besteht natürlich ein Zusammenhang mit dem ungewohnt hohen Tempo, das Elektrovelos erreichen können.

Über die Hälfte aller Verkehrsunfälle ereignete sich innerorts, nur rund ein Sechstel auf der Autobahn. Auffallend ist, dass es bei Unfällen auf der Autobahn in sieben von zehn Fällen glücklicherweise nur Sachschaden gibt.

Aufgepasst am Freitag um 18 Uhr

Die Verkehrsstatistiker vergleichen auch, ob es beim Unfallgeschehen an den Wochentagen Unterschiede gibt. Die gibt es. Am Wochenende gibt es klar am wenigsten Unfälle. Von Montag bis Freitag geschieht am Montag am wenigsten. Unrühmlicher Spitzentag ist jeweils der Freitag. Betrachtet man zusätzlich den Tagesablauf, so geschehen in der Stosszeit nach 18 Uhr am meisten Unfälle.

Konflikte innerorts nehmen zu

Welche Schlüsse ziehen Verkehrspolitiker aus den neusten Zahlen? Der kantonale TCS-Präsident Thierry Burkart freut sich über den Trend. Er führt die sinkenden Unfallzahlen nebst baulichen Massnahmen und Tempolimits auf den technischen Fortschritt zurück (bessere Autochassis, Airbag, Assistenzsysteme), Fahraus- und -weiterbildung-. Letzteres bietet auch der TCS an. Burkart ist überzeugt, dass weitere Entwicklungen die Zahl der Verletzten nochmals senken werden. Innerorts sieht er aber zunehmende Konflikte: Mit Fussgängern, Velofahrern und E-Bikern – zum Teil auf den Trottoirs – werde es anspruchsvoller, den knappen Raum untereinander aufzuteilen: «Die gegenseitige Rücksichtnahme nimmt eher ab.» Zum Thema hat Burkart in Bern einen Vorstoss eingereicht. Um die Fussgängersicherheit zu verbessern, regt er an, gewisse Fussgängerstreifen zu verlegen: «Manchmal kann ein Standort 20 oder 30 Meter weiter sicherer sein. Wieder an anderen Orten würde eine Zwischeninsel für die Fussgänger Sinn machen.» TCS-Tests hätten schon zu Verbesserungen geführt, so Burkart.

Auch Jürg Caflisch, Präsident des VCS Aargau, freut sich über die leicht gesunkenen Unfallzahlen: «Die müssen natürlich weiter runter. Tempo 30 in den Quartieren hat viel gebracht. Man braucht weniger Bremsweg, es gibt weniger Unfälle und weniger schwere Verletzungen. Es braucht unbedingt weitere Tempo-30-Zonen.» Caflisch beobachtet aber auch, dass zu oft Verkehrsteilnehmende durch ihr Handy abgelenkt sind; seien es Automobilisten oder Fussgänger, die mit dem Blick aufs Display den Fussgängerstreifen überqueren: «Es braucht auf beiden Seiten wieder volle Aufmerksamkeit für die Verkehrssituation.» Auch er sieht Konfliktfelder innerorts: Etwa aufgrund immer zahlreicherer, schneller E-Bikes: «Daraus ergibt sich eine neue Dynamik, erst recht, wenn diese und weitere Velofahrer das Trottoir benützen, wenn die Strasse zu gefährlich ist. Das heisst natürlich, dass man die Strasse für diese sicherer machen muss. Davon profitieren dann auch die Fussgänger.»