Von einem Tag auf den anderen ging nichts mehr. Der Drohnenpilot aus der Region staunte nicht schlecht. Er wollte seine Drohne des chinesischen Herstellers DJI – wie schon oft – über Aarau steigen lassen. Doch an jenem Tag meldete ihm die Steuerungssoftware, er dürfe hier nicht fliegen und verhinderte ein Abheben.

Der Grund: In der Nähe befindet sich das Aarauer Bezirksgefängnis. In einem Umkreis von 500 Metern sind keine Flüge mehr möglich (siehe Karte unten). Innerhalb der Sperrzone kann eine Drohne nicht abheben, und wenn sie ein Pilot von ausserhalb in die Sperrzone hineinsteuern will, bleibt sie stehen. Geofencing nennt sich diese unsichtbare, unüberwindbare Barriere.

Fliegen unmöglich: Der Drohnenhersteller DJI erklärt Bezirksgefängnisse, wie hier in Aarau, zur «restricted zone».

Fliegen unmöglich: Der Drohnenhersteller DJI erklärt Bezirksgefängnisse, wie hier in Aarau, zur «restricted zone».

Im Ermessen des Herstellers

Zu Hause informiert sich der Drohnenpilot zunächst auf der Website des Herstellers. Dort sieht er, dass um alle Bezirksgefängnisse eine solche Sperrzone eingerichtet worden ist. Er wendet sich an den Kanton. «Uns ist nichts dergleichen bekannt», lautet die Antwort. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt Bazl wird etwas konkreter und informiert ihn, es handle sich bei der Flugsperre um eine Massnahme des Drohnenherstellers. «Sie hat keinen Bezug zu unseren Vorschriften.» Es liege im Ermessen des Herstellers, nach einer eigenen Risikoüberprüfung solche Geofencing-Zonen einzurichten. Das Bazl hält weiter fest, dass dem Drohnenpiloten keine Strafe drohe, wenn er das Geofencing ausser Betrieb setze, sofern er keine der publizierten gesetzlichen Bestimmungen des Bazl verletze (siehe Box am Ende).

Das Problem ist damit nicht gelöst. Um wieder über Aarau und näher als 500 Meter an Bezirksgefängnisse fliegen zu können, muss das Geofencing deaktiviert werden. Dazu muss bei der chinesischen Herstellerfirma für jede Sperrzone eine Freischaltung beantragt werden. Der Drohnenpilot hat das versucht. Bisher erfolglos.

Martin Kellerhals, der Präsident des Schweizerischen Drohnenverbands, hat auch bemerkt, dass der Hersteller DJI von sich aus neue Sperrzonen eingerichtet hat, obwohl es in der Schweiz kein Gesetz gibt, das Flüge im Umkreis von 500 Metern um Gefängnisse verbieten würde. Er finde es aber nachvollziehbar. «Bei uns im Verein gilt der Kodex, dass nicht näher als 100 Meter an Gefängnisse oder Spitäler geflogen wird», sagt Kellerhals. Für ihn ist klar, dass ein verantwortungsvoller Drohnenpilot auch stets im Hinterkopf haben sollte, dass sich Leute von der Drohne gestört fühlen könnten. Ausserdem findet er Flüge in oder über eine Altstadt per se heikel. «In dicht besiedelten Gebieten oder auch über Orten, an denen sich viele Menschen aufhalten könnten, müssen Drohnenpiloten besonders vorsichtig sein», sagt Kellerhals.