Zuwanderung

Führt der Bundesrat die 5%-Hürde ein geht bei der Aargauer Arbeitsvermittlung nichts mehr

Sind die RAV-Zweigstellen bald heillos überfordert?

Sind die RAV-Zweigstellen bald heillos überfordert?

Die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative stellt den Kanton Aargau vor Probleme. Der Regierungsrat fordert, dass die Stellenmeldepflicht erst bei acht Prozent Arbeitslosenquote greifen soll. Die vom Bund geplante Hürde von fünf Prozent werde die RAV überlasten.

Der Bundesrat sieht vor, dass eine Stellenmeldepflicht gelten soll, wenn die gesamtschweizerische Arbeitslosenquote in einem Beruf fünf Prozent erreicht. Das betrifft etwa das Baugewerbe, das Service- und Küchenpersonal oder die PR-Branche. Die Arbeitsämter haben dann drei Tage Zeit, um dem Arbeitgeber qualifizierte Kandidaten für die offenen Stellen vorzuschlagen. Mit diesem "Arbeitslosenvorrang" will der Bundesrat die Masseneinwanderungsinitiative umsetzen.

Der Schwellenwert von fünf Prozent würde die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) kurz- bis mittelfristig "vor riesige Herausforderungen" stellen, schreibt der Regierungsrat in seiner Stellungnahme vom Freitag an das Staatssekretariat für Migration (SEM).

Die RAV könnten dies mit dem heutigen Personalbestand, den verfügbaren Lokalitäten und der vorhandenen Informatik "nicht bewältigen". Der Schwellenwert von fünf Prozent sei daher "problematisch". Der Regierungsrat fordert nun, in einer ersten Phase den Schwellenwert bei acht Prozent festzulegen. Die Vorbereitungen zur Umsetzung des neuen Systems dauern mindestens ein Jahr.

Keinen Platz und keine Zeit

Thomas Buchmann, Leiter des Amts für Wirtschaft und Arbeit beim Kanton Aargau, zeigte sich bereits vor einem Monat gegenüber der AZ besorgt. Er befürchtete einen möglichen Kollaps. "Wenn der Inländervorrang light mit den Vorgaben der Vernehmlassung tatsächlich im Frühjahr in Kraft tritt, sind die Aargauer Arbeitsvermittlungszentren mit Sicherheit überlastet." 

Um die Flut an Meldungen bewältigen zu können, sind im Aargau gemäss Buchmann 30 neue RAV-Arbeitsplätze geplant. Die Einarbeitung der neuen Mitarbeiter brauche jedoch Zeit. Ein weiteres Problem sei die veraltete Software: "Der Abgleich von Bewerberprofilen und den offenen Jobs ist nicht automatisiert." Ausserdem bestehe in den sieben RAV-Zweigstellen kein Ausbaupotenzial und somit kein Platz für die neuen Mitarbeiter. 

Schaden für RAV befürchtet

Der Regierungsrat befürchtet nun einen grossen Reputationsschaden für die RAV, wenn man die Stellenmeldungen nicht mit der "gebotenen Qualität und Geschwindigkeit" bearbeiten könne. "Die jahrelangen Anstrengungen für gute Arbeitgeberkontakte als unabdingbare Bedingung für die erfolgreiche Vermittlung von Stellensuchenden würden innert kürzester Zeit zunichtegemacht." 

Mit der neuen Aufgabe für die RAV entstehe bei der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative ein Zielkonflikt. Dieser dürfe laut dem Regierungsrat nicht dazu führen, "dass die Tätigkeit der RAV beeinträchtigt wird und deren Wirkung in der Folge abnimmt".

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