Sozialversicherung

Fünf Millionen Gewinn und Preis abgeräumt: SVA Aargau war 2019 auf Erfolgskurs – doch nun droht Corona

Nancy Wayland Bigler, CEO der SVA Aargau

Nancy Wayland Bigler, CEO der SVA Aargau

Bei der Sozialversicherungsanstalt Aargau (SVA), der Dachorganisation der kantonalen Sozialversicherungen wie AHV oder IV, gab es in letzter Zeit sehr viel zu tun. Über 8000 Selbstständigen wurden Corona-Entschädigungen ausbezahlt. Auf der Corona-Hotline gingen 20'000 Anrufe ein. Leistungen in der Höhe von 32 Millionen Franken wurden bisher ausbezahlt. «Es war ein riesiger Effort des Teams», sagt CEO Nancy Wayland Bigler. Und dies unter erschwerten Bedingungen: Ein Grossteil des Teams arbeitete vom Homeoffice aus.

Die Kosten für diesen gestiegenen Aufwand wie auch die ausbezahlten Leistungen übernimmt der Bund. Trotzdem: Man werde auch bei der SVA die Folgen der Krise zu spüren bekommen. Zum einen aufgrund der launischen Börsen. Und zum anderen wegen sinkender Versicherungsbeiträge. Diese betragen einen Prozentsatz des Lohnes. Und da wegen Corona die Löhne im Schnitt etwas tiefer sind, werden auch die Versicherungsbeiträge tiefer ausfallen.

Nebst diesen aktuellen Zahlen präsentierte die SVA am Freitag auch das Jahresergebnis 2019. Dieses fiel positiv aus. Nicht nur hat die SVA Aargau 2019 einen Digital Economy Award abgeräumt, eine renommierte Auszeichnung für Bemühungen in der Digitalisierung, mit einem Ertragsüberschuss von rund fünf Millionen Franken war sie auch finanziell sehr erfolgreich unterwegs. Das Ergebnis sei vor allem auf das starke Börsenjahr 2019 zurückzuführen.

Dank Digitalisierung Kosten sparen

Auch dank dem jüngsten Ergebnis: Die SVA ist stabil aufgestellt. Trotzdem drohen einige dunkle Wolken am Horizont. Rund 2,6 Milliarden Franken Versicherungsleistungen wurden 2019 insgesamt ausbezahlt, das sind drei Prozent mehr als noch im Vorjahr. Der allergrösste Teil davon fiel auf die AHV. Und diese Leistungen werden aufgrund der demografischen Entwicklung weiter steigen. Bezahlt werden diese bereits jetzt schon zu weniger als der Hälfte mit AHV-Beiträgen, den Rest decken Bund und Kantone.

Dabei wächst derjenige Teil, den der Bund finanziert, unproportional schnell. Das heisst: Die AHV wird je länger, je weniger durch Beiträge finanziert. Eine Lösung dafür ist nicht in Sicht. Die Verwaltungskosten der SVA betrugen 2019 63 Millionen Franken, der grösste Teil davon entfiel auf die 423 Mitarbeiter. Damit diese Kosten nicht im gleichen Tempo wie die Leistungen steigen, investiert die SVA in die Digitalisierung. Möglichst viele Dienstleistungen sollen online abgewickelt werden können.

Jede fünfte Person bezieht Prämienverbilligung

Davon sollen zum einen die Kunden profitieren, für die viel Papierkram wegfällt, und zum anderen auch die SVA, deren Mitarbeitende mehr Zeit für andere Arbeiten haben. Das langfristige Ziel: Der steigende Aufwand soll mit einer gleichbleibenden Anzahl Mitarbeiter bewältigt werden können.

So kann etwa der Antrag auf Prämienverbilligung bereits online eingereicht werden. Rund 167'000 Aargauer beziehen momentan Prämienverbilligung, das ist jede fünfte Person im Kanton. Und auch andere Projekte sind im Gange: Etwa soll ein digitales Portal für die Eltern von eingeschränkten Kindern aufgebaut werden. Deren administrativer Aufwand soll dadurch kleiner werden. Antragsformulare, Gutsprachen, sonstige Dokumente: Nur für die 13 Eltern, die in einem ersten Pilotprojekt mitmachen, wurden über 5000 Dokumente digitalisiert. «Die Eltern sollen wieder mehr Zeit für die Betreuung ihrer Kinder verwenden können, und nicht für Papierkram», sagt CEO Wayland Bigler.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1