Neues Jagdgesetz

Gefährdet ein Ja zum Jagdgesetz den Biber? Im Aargau wäre Abschuss die letzte Massnahme

Der Bund will sich an den Biberschäden finanziell beteiligen.

Der Bund will sich an den Biberschäden finanziell beteiligen.

Am Sonntag wird über das neue Jagdgesetz entschieden. Wird der Biber bei einem Ja gefährdet? Der Kanton Aargau will, dass das Nagetier auch in diesem Fall eine geschützte Tierart bleibt.

Am 27. September entscheiden die Schweizerinnen und Schweizer über das neue Jagdgesetz. Damit man weiss, wie er dieses im Fall einer Annahme umsetzen würde, hat der Bundesrat bereits die Verordnung dazu ausgearbeitet. Und sie zusammen mit einem 70-seitigen Erläuterungsbericht in eine Anhörung gegeben.

Die Aargauer Regierung hat dazu bereits Stellung genommen. Sie begrüsst die vorgeschlagenen Änderungen grundsätzlich, hat aber auch einige Vorschläge in einem Bereich, der den Aargau besonders tangiert: beim Biber.

Bund soll bis 80 Prozent der Schäden zahlen

Neu will sich der Bund (Bundesamt für Umwelt) zur Verhütung von Schäden durch Biber an Infrastrukturen oder zur Abwehr einer Gefährdung durch Biber mit höchstens 50 Prozent an den Kosten bestimmter Massnahmen beteiligen. Das ist der Aargauer Regierung zu wenig. Analog der Verhütungsmassnahmen bei Grossraubtieren soll sich der Bund bei der Verhütung von Biberschäden mit höchstens 80 Prozent beteiligen, fordert die Kantonsregierung. Begründung: «Der Schutzstatus ist der gleiche und auch der Aufwand für das Management bewegt sich im gleichen Rahmen.»

Der Bund will den Kantonen laut Verordnung künftig auch bis 50 Prozent an die Entschädigung von Wildschäden zahlen, und zwar bei Schäden von Bibern, Fischottern und Steinadlern. Auch das sieht die Aargauer Regierung anders. Sie fordert analog der Entschädigung von Wildschäden bei Grossraubtieren eine Bundesentschädigung von Biberschäden mit 80 Prozent der Kosten.

Die Verordnung des Bundes zeigt aber auch auf, dass Massnahmen gegen einzelne Biber ergriffen werden dürfen. Und zwar dann, wenn diese bei Bauten und Anlagen, die im öffentlichen Interesse liegen (zum Beispiel bei einer Autobahn oder einem Damm zum Hochwasserschutz), durch Untergraben und Aufstauen Schäden anrichten, eine Gefährdung von Menschen darstellen oder sich auffällig verhalten (im Kanton Schaffhausen hat ein Biber wiederholt schwimmende Menschen gebissen).

Problematischer Damm bei einer Einleitstelle von Regenbecken und Kanalisationsentlastung.

Problematischer Damm bei einer Einleitstelle von Regenbecken und Kanalisationsentlastung.

«Bleibt geschützte Tierart»

Nun gibt es Befürchtungen, dass mit dem neuen Gesetz Biber vermehrt entfernt (getötet) werden, wenn sie Schäden verursachen. Ist diese Befürchtung gerechtfertigt? «Nein, der Biber ist und bleibt eine geschützte Tierart», sagt dazu Thomas Stucki, Leiter Sektion Fischerei und Jagd beim Kanton. Die Kantone können einzelne schadenstiftende Tiere entfernen, sofern ein erheblicher Schaden dokumentiert ist. Dies entspreche der aktuellen Gesetzgebung, sagt Stucki, und weiter: «Der Abschuss eines Bibers ist und bleibt die letzte Massnahme, die ergriffen wird.»

Wie oft wird sie im Aargau ergriffen? In den letzten zehn Jahren mussten laut Stucki rund zehn schwer verletzte oder auch apathische Biber getötet werden.

Könnte man ein schadenstiftendes Tier nicht einfach umsiedeln? «Gemäss Konzept Biber Schweiz sind Umsiedlungen von Bibern aus Konfliktgebieten in biberfreie Gewässerabschnitte nicht vorgesehen», sagt Stucki. Der kantonale Massnahmenplan sehe Umsiedlungen denn auch nicht als Massnahme zur Schadenprävention vor. Stucki: «Im Aargau sind die Biberreviere weitgehend besetzt.»

Aargau muss mit Biber leben lernen

Der Aargau müsse mit der Präsenz der Biber leben lernen. «Um den Goodwill für diese faszinierende Tierart erhalten zu können, ist die Unterstützung der Schaden-Prävention und
die Abgeltung von Biberschäden elementar», sagt Stucki.

Gegner des neuen Gesetzes fürchten, dass der Schutz für den Biber vom Bundesrat plötzlich gelockert wird, was er ja in der Verordnung tun könnte. Was würde der Aargau davon halten? Stucki schüttelt den Kopf: «Die Jagdbarkeitserklärung von geschützten Arten wird neu zur alleinigen Kompetenz des Parlaments. Der Bundesrat kann nicht mehr geschützte Arten zu jagdbaren Arten erklären. Die Befürchtung ist also unbegründet.» Für den Aargau sei und bleibe der Abschuss eines Bibers die letzte Massnahme. Meist könnten andere Lösungen gefunden werden. «Der Aargau wird keine Lockerung des Schutzes des Bibers fordern.»

Welches war bisher der grösste Schaden eines Bibers? Aktuell können nur solche an landwirtschaftlichen Kulturen bezahlt werden (neu aber auch Infrastrukturschäden), betont Stucki. Seit 2011 seien dafür insgesamt rund 20'000 Franken ausbezahlt worden. Als grösstmögliche Schäden seien das Untergraben eines Hochwasserschutzdammes oder einer Strasse denkbar: «Dies könnte Schäden von über 100000 Franken verursachen.»

Das Quiz umfasst die nationalen und die Aargauer Kantonal-Vorlagen. Das Zentrum für Demokratie (ZDA) Aarau wertet die Antworten im Rahmen seiner Fokus-Aargau-Abstimmungs-Befragung aus – selbstverständlich anonymisiert.

Zur Teilnahme am Wettbewerb berechtigt sind alle Personen mit Wohnsitz in der Schweiz. Davon ausgenommen sind Mitarbeitende der CH Media AG und deren beauftragte Firmen. Die Gewinner werden per Mail benachrichtigt. Über den Wettbewerb wird keine Korrespondenz geführt. Eine Barauszahlung der Gutscheine ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Das Quiz und damit der Wettbewerb läuft bis 25. September, 24 Uhr. An der Verlosung teil nehmen die diejenigen Personen, die am Quiz teilgenommen und ihre E-Mail-Adresse hinterlegt haben. Diese wird ausschliesslich zur Benachrichtigung der Gewinner verwendet.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1