Einmarsch in Syrien

Gegen Erdogan: Kurden demonstrieren auf dem Aarauer Bahnhofplatz

Rund 100 Personen haben am Dienstagabend ihren Umnut gegen die die türkische Offensive im Norden Syriens kundgetan. Organisiert wurde die Kundgebung vom kurdischen Kulturverein «Mala Kurda».

Sie rufen lautstark Parolen wie «Kindermörder Erdogan» oder «Terrorist Erdogan». Um 18 Uhr haben sich am Dienstag auf dem Bahnhofsplatz in Aarau rund 100 Frauen und Männer versammelt, um ihren Unmut über die türkische Offensive gegen die Kurden in Nordsyrien kundzutun. Die meisten von ihnen sind Mitglieder im «Mala Kurda», dem kurdischen Kulturverein mit Sitz in Lenzburg.

Die Kundgebung wurde von der Stadtpolizei Aarau bewilligt und überwacht, wie der stellvertretende Polizeichef Toni von Däniken bestätigte. Sie haben Flaggen dabei, die den inhaftierten kurdischen Oppositionsführer Abdullah Öcalan zeigt. «Freedom for Öcalan», steht unter seinem Abbild.

Der strömende Regen macht den Demonstranten nichts aus. Der Kampf der Kurden ist einer, der viele Jahre zurückreicht. Grund für diese Kundgebung ist aber der aktuelle Konflikt im Norden Syriens.

Demonstration in Aarau

Kurden-Demonstration in Aarau

Demonstrantin bezeichnet türkischen Einsatz als Genozid

Am Montag reiste der türkische Botschafter Ilhan Saygili nach Aarau. Im Newsroom von CH Media verteidigte er den Einmarsch der Türkei ins syrische Grenzgebiet. Es handle sich nicht um eine Invasion, sondern um «eine legale Aktion gegen Terroristen», sagte er im Interview.

Mit Terroristen meint er die kurdische Miliz YPG, die sich im Grenzgebiet zwischen Syrien und der Türkei niedergelassen hat. Die Türkei will die YPG mit Waffengewalt vertreiben und eine «Sicherheitszone» für Syrische Flüchtlinge schaffen, so lautet zumindest die offizielle Begründung für die militärische Offensive.

Es sind solche Erklärungen, die bei den Kurden in der Schweiz für Wut sorgen. Die Wut richtet sich vor allem gegen den türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan. Auf den Plakaten der Demonstranten in Aarau wird er als Mörder bezeichnet. Ein Polizist fordert Organisatorin Sinem Gökcen auf, dafür zu sorgen, dass das Plakat nicht mehr gezeigt wird.

Demonstration in Aarau

Kurden-Demonstration in Aarau

Der Mörder-Slogan sei eine Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhauptes, erklärt er, Gökcen, die im Vorstand des Kurdischen Kulturvereins ist, weigert sich. Sie sei Juristin und wisse, was im Rahmen der freien Meinungsäusserung verboten und erlaubt sei. Die 33-Jährige hat den Protest gemeinsam mit der Frauenbewegung im Verein organisiert.

Für den türkischen Einmarsch in Nordsyrien findet Gökcen deutliche Worte: «Es ist nichts anderes als ein Genozid. Zivile Konvois werden bombardiert, Menschen sterben.» Bislang seien mehr als 300 Personen im Grenzgebiet Rojava getötet worden, darunter viele Kinder. «Und die Lage verschlimmert sich jeden Tag», sagt Gökcen, die gefasst wirkt, aber immer wieder mit zitternder Stimme spricht.

Mit Demonstrationen wie der gestrigen am Bahnhofplatz wollen Gökcen und die kurdische Bewegung in der Schweiz die Bevölkerung und Politiker sensibilisieren. Sie haben eine Liste mit Forderungen an den Bundesrat erstellt. Dieser solle sich für einen Stopp der Waffenexporte in das Konfliktgebiet einsetzen und die Türkei auffordern, sich aus Syrien zurückzuziehen.

Über allem stehe eines, sagt Gökcen: «Dass unser Volk in Frieden leben kann.» Die Kundgebung in Aarau verlief friedlich. Die kurdischen Demonstranten werden in den nächsten Tagen weiterhin in Schweizer Städten für ihr Anliegen protestieren – mit bewilligten Demonstrationen in Bern und in Genf, vor dem UNO-Gebäude.

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