Grosser Rat
«Massnahmen schiessen am Ziel vorbei»: Grossrätin stellt sich mit Standesinitiative gegen die geplante KV-Reform

Maya Meier (SVP) kritisiert die Reformen stark: Sie argumentiert, dass sich mit den Änderungen, die Qualität der Ausbildung massiv verschlechtern würde und zu einem Abbau von Arbeitsplätzen führen würde.

Eva Berger
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Andrea Stalder

Mit dem Projekt «Kaufleute 2022» soll die kaufmännische Grundbildung neu und der zukünftigen Arbeitswelt entsprechend ausgerichtet werden. Die Reform wurde um ein Jahr verschoben, im Schuljahr 2023/2024 soll sie nun starten. Doch sie ist umstritten. Im Frühling lief die Vernehmlassung beim Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation. Und dabei zeigte sich Widerstand, auch aus dem Aargau. So hat sich die Fraktion KV des Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands in der Vernehmlassung kritisch geäussert, ebenso das kantonale Bildungsdepartement.

Und jetzt kommt auch Widerstand aus der Politik. In der Sitzung des Grossen Rats von heute Dienstag wird Grossrätin Maya Meier (SVP) eine Standesinitiative zum «sofortigen Marschhalt mit anschliessendem Neustart bei der KV Reform 2022» einreichen. Es sei nichts dagegen einzuwenden, dass mit der Reform das KV besser auf die Herausforderungen der Zukunft ausgerichtet wird, so Meier. Die vorgesehenen Massnahmen schössen aber weit am Ziel vorbei, die Qualität der Ausbildung würde massiv verschlechtert, ein eklatanter Abbau von Ausbildungsplätzen in den KMU wäre die Folge.

Kleine Betriebe könnten stark gefordert sein

Störend sei insbesondere die vorgesehene Aufhebung der Fächerstruktur, so Meier im Vorstoss weiter. Von diesem Vorhaben – bei gleichzeitiger Abschaffung der Fach-Noten – sei abzusehen, dafür fundiertes wirtschaftliches Wissen im Gegensatz zu den Reform-Vorschlägen wieder zu stärken. Leistungszüge sollen nicht gestrichen werden, zwei Fremdsprachen obligatorisch bleiben. Es sei zu befürchten, dass gerade die kleinen Betriebe, die einen Grossteil der Ausbildungsplätze zu Verfügung stellten, mit den neuen Inhalten stark gefordert wären. So würden Ausbildungsplätze vernichtet, die Ausbildung als solches «massiv» abgewertet. «Die KV-Reform ist schon lange aufgegleist. Es fragt sich, ob sie auch zu lange in die falsche Richtung lief», begründet Meier ihren Vorstoss auf Anfrage.

Noch hat sie die Fraktionen nicht definitiv hinter sich, denn diese beraten erst heute Dienstag, vor der Sitzung des Grossen Rats. «Ich habe aber verschiedene Gespräche geführt, die Standesinitiative hat überparteiliche Unterstützung», so Meier. Ihr Ziel ist es, an der nächsten Sitzung des Grossen Rats vom 22. Juni, einen Direktbeschluss des Parlaments zu bewirken. Dann würde das Thema in der Bildungskommission des Kantonsparlament behandelt, danach käme es wieder in den Grossen Rat. Überweist dieser die Standesinitiative, geht diese nach Bundesbern.

Lehrerverband: Kritik ist gut, Standesinitiative falscher Weg

Auch der Aargauer Lehrerinnen- und Lehrerverband ist mit der Reform «Kaufleute 2022» nicht einverstanden. Inhaltlich unterstützt er die Forderungen von Maya Meier. «Die Standesinitiative können wir aber nicht unterstützen, sie ist das falsche Instrument», sagt Verbandspräsidentin Kathrin Scholl. Die Anpassungen müssten über die Berufsverbände gehen.

Dass es eine Überarbeitung brauche, sei aber klar. «Ein Abbruch der Reform dürfte schwierig sein, zudem muss die jetzige Ausbildung überarbeitet werden», so Scholl. Mit der Standesinitiative würden aber die Fronten verhärtet, befürchtet sie. «Doch wichtig ist, dass die Kritik ankommt.»

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