Recycling

Gemeinden bekommen weniger Geld für Altglas – wegen Einkaufstourismus

Nur wer den Wein in der Schweiz kauft, zahlt eine vorgezogeneEntsorgungsgebühr für jede Flasche. Archiv

Nur wer den Wein in der Schweiz kauft, zahlt eine vorgezogeneEntsorgungsgebühr für jede Flasche. Archiv

Die Schweizer werfen immer mehr leere Flaschen in die Sammelcontainer. Trotzdem sinkt die Summe der Recyclinggebühren, die auf Kantone und Gemeinden verteilt wird. Der Aargau wird etwa fünf Prozent weniger als die bisherigen zwei Millionen bekommen.

Tonnenweise Flaschen trägt die Aargauer Bevölkerung jedes Jahr zu den Sammelstellen: In Aarau etwa waren es 2012 800 Tonnen Altglas.

Wer Glasflaschen ab einem Deziliter in der Schweiz kauft, zahlt im Preis inbegriffen zwischen zwei und sechs Rappen für die Entsorgung.

Einkaufstouristen, die Wein oder Bier im Ausland beziehen, kommen um die vorgezogene Entsorgungsgebühr (VEG) herum – werfen die leeren Flaschen aber dennoch in der Schweiz weg.

Diese Nebenerscheinung des Einkaufstourismus stellt die Vetroswiss, welche die Gebühren im Auftrag des Bundes an Gemeinden, Zweckverbände und Unternehmen verteilt, vor Probleme.

Denn obwohl die Menge an gesammeltem Glas Schätzungen zufolge 2012 schweizweit um bis zu zwei Prozent gestiegen ist, muss Vetroswiss die ausbezahlte Summe senken.

«Nicht tragisch»

Der insgesamt im Aargau ausgeschüttete Betrag – letztes Jahr rund zwei Millionen Franken – wird in naher Zukunft zurückgehen. Denn: «Die Einnahmen aus den vorgezogenen Entsorgungsgebühren sind im letzten Jahr um rund 3 Prozent gesunken», sagt Fritz Stuker von Vetroswiss.

Pro Tonne werden deshalb künftig statt 100 etwa 95 Franken bezahlt, schätzt er. Der genaue Betrag stehe erst Mitte Mai fest, wenn die Vorjahreszahlen ausgewertet seien. Die Auswirkungen auf die einzelnen Gemeinden hält Stuker jedoch für «nicht so tragisch». Man müsse die Relationen im Auge behalten.

Die Gemeinden teilen diese Einschätzung weitgehend. Wohlen, wo in den acht Sammelstellen letztes Jahr rund 500 Tonnen Altglas zusammenkamen, müsste auf rund 2500 Franken verzichten.

«Ein kleiner Betrag», sagt Peter Eberhart, Bereichsleiter Umwelt. «Wir sind in der ganzen Abfallbewirtschaftung Schwankungen ausgesetzt.»

In den drei Rheinfelder Sammelstellen landeten letztes Jahr 359 Tonnen Glas. Weil die Entsorgung über den Gemeindeverband Abfallbewirtschaftung unteres Fricktal (GAF) laufe, seien für die Gemeinde zurzeit keine Auswirkungen zu erwarten, sagt Erika Abt, GAF-Geschäftsstellenleiterin.

Der Verband erhält die Gelder von Vetroswiss und zahlt den Gemeinden eine jährliche Entschädigung für die Reinigung der Sammelstellen.

Vorerst keine höheren Gebühren

Die Stadt Baden sammelte im Vorjahr knapp 750 Tonnen. Thomas Stirnemann, Leiter Werkhof in Baden, sieht den reduzierten Entschädigungen gelassen entgegen.

«Auch bei Altpapier müssen wir mit schwankenden Zahlungen leben.» Erst wenn die Beträge längerfristig sinken würden, müsste man womöglich die Gebühren erhöhen. «Vorerst ist diesbezüglich allerdings nichts geplant.»

In Aarau zahle die Gemeinde bereits jetzt drauf, um das Altglas zu entsorgen, sagt Werkmeister Marcel Acklin. «Die tieferen Beträge werden wir spüren, aber auch wir müssen uns an den Markt halten.»

Sollte sich die Situation auf längere Sicht nicht bessern, müsste man die gesamte Vergabe der Entsorgung an eine externe Firma prüfen. Zurzeit sammelt der Werkdienst das Glas selber ein und liefert es danach an eine Lenzburger Firma.

Meistgesehen

Artboard 1