Zofingen
Gerichtsurteil im A1-Mord: 13 Jahre Zuchthaus für Tamilen

Das Bezirksgericht befand den angeklagten Tamilen einstimmig des Mordes an seinem Landsmann für schuldig und verurteilte den 45-Jährigen zu 13 Jahren Zuchthaus. Er war der Haupttäter bei der Hinrichtung eines Landsmannes auf der A1 bei Safenwil 1994.

Lilly-Anne Brugger
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Eingang zum Bezirksgericht Zofingen

Eingang zum Bezirksgericht Zofingen

AZ

«Was im Mai 1994 auf der Autobahn genau passiert ist, wird wohl nie hundertprozentig geklärt werden können», sagte Gerichtspräsidentin III Kathrin Jacober Zumstein während der Urteilseröffnung zum Tötungsdelikt, das sich vor 19 Jahren auf der A1 bei Safenwil ereignet hat. Trotzdem befand das Gericht den angeklagten 45-jährigen Tamilen im Indizienprozess des Mordes für schuldig. Der Angeklagte nahm das Urteil, das ihm vom Dolmetscher übersetzt wurde, ohne Regung entgegen.

Am 27. Mai 1994 war einer Polizeipatrouille kurz vor 4 Uhr ein Auto aufgefallen, das bei Safenwil auf dem Pannenstreifen der A1 stand. Auf dem Rücksitz befand sich eine Leiche. Der in der Schweiz wohnhafte tamilische Geldverleiher war mit sechs Schüssen hingerichtet worden. Bereits einige Tage nach dem Mord konnten verdächtige Personen verhaftet werden, denen auch der Prozess gemacht wurde. Der Haupttäter setzte sich jedoch ins Ausland ab und konnte erst 2010 in London verhaftet werden. Am Donnerstag musste er sich am Bezirksgericht Zofingen verantworten.

Auftragsmord als nicht erwiesen eingestuft

Staatsanwalt Erik Imhof hatte darauf hingewiesen, dass der Angeklagte extra für den Mord am ihm unbekannten Geldverleiher in die Schweiz eingereist sei. Dies seien die Merkmale eines Auftragsmordes. Dieser Ausführung stimmte das Gericht nicht zu. Ein Auftragsmord liege nur dann vor, wenn jemand für die Tötung eines fremden Menschen bezahlt werde. Dies sei hier jedoch nicht erwiesen. Als glaubwürdig stufte das Gericht hingegen die Aussagen der Auskunftspersonen ein - allesamt Tamilen, die am Verbrechen beteiligt gewesen waren. Der amtliche Verteidiger Edwin Ruesch hatte in der Verhandlung diese Aussagen als nicht glaubwürdig bezeichnet und für seinen Klienten einen Freispruch gefordert. Das Gericht akzeptierte diese Aussagen, weil unter anderem alle Auskunftspersonen den Angeklagten als Täter bezeichnet hatten und auch auf ihn zupassende Signalemente geliefert hatten. «Dass die Auskunftspersonen nach so langer Zeit Erinnerungslücken haben, macht ihre Aussage nicht weniger glaubwürdig», führte die Gerichtspräsidentin aus.

Der Staatsanwalt hatte 15 Jahre Zuchthaus gefordert. Das Gericht blieb mit 13 Jahren leicht unter dieser Forderung. Dabei rechnete es dem Angeklagten unter anderem an, dass er in den fast 19 Jahren, die seit dem Mord vergangen sind, nicht wieder straffällig geworden ist.