1999 ging für Ulrich Giezendanner ein Traum in Erfüllung: Der SVP-Nationalrat konnte vom Bund das Rothrister Zeughaus kaufen. Giezendanner wohnt im ersten Stock, wenige Meter tiefer stehen die 35 anderen Familienmitglieder: Lastwagen und Busse der Marke Saurer. Seit über 30 Jahren kauft und restauriert Ulrich Giezendanner Fahrzeuge des früheren Ostschweizer Traditionsunternehmens. Sein Zeughaus beherbergt eine der komplettesten Saurer-Sammlungen. «Jedes Fahrzeug hat eine Geschichte», sagt der Fuhrhalter beim Rundgang. Ein Prunkstück ist der erste Lastwagen, den sein Vater 1934 als Fuhrunternehmer bei Saurer in Arbon gekauft hatte. Der Sohn fand den Lastwagen später wieder, kaufte und restaurierte ihn.

Das war der Beginn einer Leidenschaft. Giezendanner erstand immer mehr Lastwagen, die dem Familienunternehmen gehört hatten oder noch gehören, und ergänzte die Sammlung mit weiteren Fahrzeugen. Darunter ist jener Saurer 5DM, mit dem Ulrich Giezendanner 1972 die Lastwagenprüfung geschafft hatte. Oder ein «Rivella»-Lastwagen aus den 1950er-Jahren, den sein Vater für den ortsansässigen Getränkehersteller fuhr. Später sass Sohn Ulrich am Steuer. Im Zeughaus stehen auch jene Lastwagen, die Ulrich Giezendanners Söhne im Militär fuhren.

Es knattert und stottert und brummt: Ulrich Giezendanner fährt einen alten Saurer-Bus aus seinem Zeughaus in Rothrist.

Es knattert und stottert und brummt: Ulrich Giezendanner fährt einen alten Saurer-Bus aus seinem Zeughaus in Rothrist.

Einen grossen Teil dieser Fahrzeuge hat Giezendanner restauriert, weitere sind in Arbeit. Seit er die Hauptverantwortung für sein Transportunternehmen an die Söhne abgegeben hat, bleibt mehr Zeit für das Hobby. Mit seinem früheren Werkstattchef Edi Hofer verbringt er viele Stunden unter den Motorhauben. «Wir wollen aber nicht überrestaurieren», sagt Giezendanner. «Man soll sehen, dass die Fahrzeuge alt sind.» Noch mehr Exemplare möchte er zudem nicht kaufen, der Platz ist knapp. Und wenn Ulrich Giezendanner doch wieder auf ein Prachtstück stösst? «Dann ist klar: Das muss ich haben!»

Setz: «Man wird unvernünftig»

Fast schon als einen Bruder im Geiste Giezendanners könnte man Hanspeter Setz bezeichnen. Nicht nur, dass die zwei politisch das Heu ziemlich auf der gleichen Bühne haben. Setz, wohnhaft in Dintikon, ist ebenfalls ehemaliger Fuhrhalter, hat die Lastwagen seines 1997 an die Post verkauften Logistikunternehmens gesammelt und unterhält für seine Schätze auf vier Rädern ebenfalls eine ganze Halle. Genauer: Er baute sie 2008 sogar eigens dafür, auf dem Areal der einstigen Bally-Schuhfabrik in Dottikon, das er 1999 gekauft hatte. «Vorher hatte ich mein Leben lang jeden Rappen ins Geschäft gesteckt, und Zeit hätte ich auch keine gehabt», erzählt Setz beim Besuch.

Das historische Kesselhaus hätte man abreissen können, das hätte Setz aber gereut. Stattdessen renovierte es der neue Besitzer und stellte darin seine einzigen drei Oldtimer aus. Es hatte aber Platz für bis zu 20 weitere Autos, und der heute 74-Jährige verfiel dem Sammelfieber. Jetzt stehen gegen 100 Autos und Lastwagen in der Halle. Wagen, die seine Eltern einst fuhren oder Hanspeter Setz selber. «Ich muss eine Beziehung haben», sagt er. Und: «Man sollte gar nie mit Sammeln anfangen, denn man wird süchtig und unvernünftig.»

Sein ehemaliger Chauffeur Peter Wyss hält die Lkw im Schuss und Hauswart Ueli Plattner ist ein Multitalent, das auch einen «Topolino»-Motor revidieren kann und sich liebevoll um die Pw kümmert. Das Motto der Sammlung: «Gestern – heute – morgen». Oldtimer kauft Setz schon lange nicht mehr. Seine Faszination gilt nur noch der Zukunft: «Ich bin absolut überzeugt von der Elektromobilität», sagt der Tesla-Fahrer. Kürzlich wurde ein Truck angekündigt, der nur mit Batterien fährt. «Wenn ich diese Sensation noch erlebe, muss sie hier drin stehen», sagt Setz.

Thomas Valko, Geschäftsführer Emil Frey Classics, inmitten der Sammlung. Chris Iseli

Thomas Valko, Geschäftsführer Emil Frey Classics, inmitten der Sammlung. Chris Iseli

Milchtause nach Japan geschickt

Ein weiterer Treffpunkt für Auto-Liebhaber ist das 2015 eröffnete Oldtimer-Museum mit der Emil-Frey-Sammlung in Safenwil. Emil Frey eröffnete als junger deutscher Mechaniker 1924 in Zürich eine eigene Autowerkstatt. Bald begann er mit dem Import und Verkauf von Motorrädern, wurde stetig erfolgreicher und 1967 erster Importeur japanischer Autos überhaupt (Toyota). Bereits 1951 erkannte er den logistischen Vorteil des Aargaus: «Möglichst in der Mitte der Schweiz» sollte sein Verteilzentrum zu stehen kommen, als Standort wurde Safenwil gewählt. Nach der Amag ist die Emil Frey AG bis heute zweitgrösster Schweizer Autoimporteur.

Mit der Zeit begannen die enthusiastischsten Mitarbeiter des Patrons, historisch interessante Fahrzeuge zu sammeln. Ihr Ziel: Das «wertvolle Kulturgut auf vier Rädern zu pflegen und für die Nachwelt zu erhalten». Jetzt stehen in der beeindruckend sorgfältig restaurierten Fabrikhalle der ehemaligen Textilfabrik HoCoSa (Hochuli & Co Safenwil) 50 bis 60 Autos aus der Vorkriegszeit bis in die Achtzigerjahre. Zu bestaunen gibt es vor allem legendäre Japaner (Toyota, Subaru, Suzuki) und Engländer (Jaguar, Aston Martin, Land Rover). Etwa der Subaru mit Kennzeichen UR 5000 – bis heute die Nummer von Werbebotschafter Bernhard Russi.

Geschäftsführer Thomas Valko kennt zum 70er-Jahre-Kombi mit dem hohen Kofferraum eine Anekdote: «Die Schweizer Bauern fanden das Auto super, da auch ihre Milchtausen reinpassten. Für die Entwicklung des Nachfolgemodells wurde extra eine Tause nach Japan geschickt, damit sie auch darin sicher wieder Platz fand.» Das Museum ist jeweils von Dienstag bis Freitag (10 bis 18 Uhr) sowie am Samstag (10 bis 16 Uhr) geöffnet.