Geschlossen
Aargauer Jugendarbeiter hängen im Lockdown in der Luft: Sie wollen Jugendlichen helfen, können aber nicht

Kein gemeinsames Sporttraining, Fernunterricht in der Schule und kaum Treffen mit Gleichaltrigen: Gerade für Jugendliche ist die Coronakrise eine schwierige Zeit. Der Dachverband der Jugendarbeit im Aargau hofft, dass die Jugendhäuser bald wieder öffnen dürfen.

Katja Schlegel
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Derzeit nicht möglich: Party im Jugendkulturhaus Flösserplatz in Aarau - das Bild stammt von 2017, von der 30-Jahr-Feier der Institution.

Derzeit nicht möglich: Party im Jugendkulturhaus Flösserplatz in Aarau - das Bild stammt von 2017, von der 30-Jahr-Feier der Institution.

Zvg / AAR

Am letzten Mittwoch wand Bundesrat Guy Parmelin den
Jugendlichen ein besonderes Kränzchen, lobte sie für ihren Einfallsreichtum, ihre Hartnäckigkeit und ihre Solidarität während der Coronakrise. Und er stellte Lockerungen in Aussicht: Galten für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre bereits heute im Sport- und Kulturbereich gewisse Erleichterungen, will der Bundesrat die Altersgrenze nun auf 18 Jahre anheben und die erlaubten Sport- und Kulturangebote ausweiten.

Ausserdem sollen Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit wieder zugänglich sein. «Für Kinder und Jugendliche sind die coronabedingten Einschränkungen besonders einschneidend. Die psychische
Belastung hat in dieser Alterskategorie stark zugenommen», so der Wortlaut der Medienmitteilung des BAG.

Christoph Rohrer vom Dachverband der Jugendarbeit im Aargau.

Christoph Rohrer vom Dachverband der Jugendarbeit im Aargau.

Katja Schlegel

Was genau diese Ankündigung für die Jugendarbeit im Aargau ab März heissen könnte, ist noch nicht klar. «Aber unbefriedigender als jetzt kann die Situation nicht werden», sagt Christoph Rohrer vom Dachverband der Jugendarbeit im Aargau, kurz AGJA.

Kanton hat Entscheid an Gemeinden delegiert

Das Problem: Der Kanton Aargau hat nicht entschieden, ob es sich bei der Jugendarbeit um soziale Einrichtungen oder um Freizeiteinrichtungen handelt. Er hat den Entscheid an die Gemeinden delegiert. Und die haben zu einem grossen Teil bis heute nicht entschieden.

Was nach einem kleinen Unterschied tönt, hat weitreichende Folgen. Je nach Einteilung können Jugendliche zwischen 16 und 18 durch die Offene Kinder- und Jugendarbeit betreut werden – oder eben nicht. Die Folge: Gewisse Jugendhäuser sind seit Wochen nur für unter 16-Jährige geöffnet, obwohl coronakonforme Konzepte für ältere Jugendliche bereitlägen. «Die Situation ist schwierig», sagt Rohrer. Und das schon seit Wochen.

«Für viele wäre dieser Austausch enorm wichtig»

Eine Situation, die für die Jugendarbeiter untragbar ist. Denn es sind insbesondere die Jugendlichen, die unter den Folgen des Lockdowns leiden: Schule vor dem Bildschirm, kein Sporttraining, keine Treffen mit Gleichaltrigen, Probleme bei der Lehrstellensuche oder während der Ausbildung.

Die Jugendlichen erleben ihre Sturm-und-Drang-Phase in den vier Wänden ihres Kinderzimmers. «Teenager müssen sich ausprobieren, Erfahrungen sammeln, sich vom Elternhaus abnabeln. Wenn sie das nicht können, leiden sie», sagt Christoph Rohrer namens des Dachverbandes.

Als Leiter der Jugendarbeit Aarau ist er täglich mit Sorgen und Ängsten der Jugendlichen konfrontiert. «Für viele Jugendliche wäre es enorm wichtig, wenn sie sich schon nur für ein, zwei Stunden pro Woche im Jugendhaus wie Jugendliche fühlen könnten», so Rohrer. Das alles natürlich mit entsprechenden Schutzkonzepten sowie in betreutem Rahmen.

Denn genau hier stecke die Unberechenbarkeit: Bei unkontrollierten Treffen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen: «Die geeignetste Präventions- und Schutzmassnahme für unkontrollierbare Situationen sind die professionelle Begleitung im öffentlichen Raum und Angebote in unseren Lokalitäten», sagt Rohrer. «Aber solange man uns im luftleeren Raum hängenlässt, ist niemandem geholfen. Und den Jugendlichen schon gar nicht», kritisiert er.