Gesundheit
Trotz Bedenken: Nun machen auch Aargauer Hausärzte beim elektronischen Patientendossier mit

«Das ist ein wichtiger Durchbruch», sagt der Geschäftsführer von eHealth Aargau. Warum es die Hausärzte braucht, damit das elektronische Patientendossier nützlich ist.

Ann-Kathrin Amstutz
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Das elektronische Patientendossier können alle Aargauerinnen und Aargauer auf der Post in Aarau oder Baden eröffnen.

Das elektronische Patientendossier können alle Aargauerinnen und Aargauer auf der Post in Aarau oder Baden eröffnen.

Beni Basler/zvg

Alle persönlichen Gesundheitsdokumente in einem digitalen Dossier gesammelt: Das ist die Idee hinter dem elektronischen Patientendossier, kurz EPD. Damit dies funktioniert, müssen jedoch möglichst viele der gesundheitlichen Leistungserbringer - also Spitäler, Heime, Arztpraxen, Apotheken und Spitex - mitmachen und die Dokumente bereitstellen. Nur so können komplette Dossiers erstellt werden.

Auch im Aargau wird das Elektronische Patientendossier gefördert, und zwar schon seit 2015. Damals haben sich verschiedene Aargauer Spitäler, Kliniken und Verbände zur «Stammgemeinschaft eHealth Aargau» zusammengeschlossen. Alle Mitglieder verpflichten sich, die Daten für das Dossier bereitzustellen.

Zu teuer und zu kompliziert, lauteten die Bedenken der Ärzte

Bisher hatte das Projekt aber den Schönheitsfehler, dass die Aargauer Hausärzteschaft kaum mit eingebunden war. Es sei zu teuer und zu kompliziert für die einzelnen Praxen – das waren die grössten Bedenken der Ärzte. Doch nun ist der Aargauische Ärzteverband ebenfalls mit im Boot, wie die Stammgemeinschaft eHealth Aargau mitteilt. Ab sofort und bis Ende 2022 übernimmt der Ärzteverband jegliche Kosten, welche eine Arztpraxis für den Beitritt zum eHealth-Verein sonst zahlen müsste.

Nicolai Lütschg, Geschäftsführer Stammgesellschaft eHealth Aargau.

Nicolai Lütschg, Geschäftsführer Stammgesellschaft eHealth Aargau.

Sandra Ardizzone

Das ist für uns ein wichtiger Durchbruch», sagt Nicolai Lütschg, Geschäftsführer der Stammgemeinschaft eHealth Aargau. Das Ziel sei, dass es für die Arztpraxen einfacher wird, beim EPD mitzumachen. Vorerst gehe es vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln: «Wir sind darauf angewiesen, dass einige Arztpraxen freiwillig mitmachen», so Lütschg. Bisher bewege sich die Zahl der teilnehmenden Praxen im tiefen zweistelligen Bereich, es kämen aber laufend Anmeldungen hinzu.

Noch sind die Arztpraxen nicht zum Mitmachen verpflichtet

Für Gesundheitsfachpersonen sei das EPD von Vorteil, erklärt Lütschg: «Viele Abläufe werden einfacher. Wenn etwa eine Patientin im Spital, beim Hausarzt und von der Spitex behandelt wird, ist das EPD für den Austausch hilfreich.» Lütschg betont, dass die Aargauer Arztpraxen jetzt noch nicht zum Mitmachen verpflichtet sind. Eine solche Regelung müsste politisch eingeführt werden. Doch Lütschg erwartet, dass sich das elektronische Dossier durchsetzen wird:

«Nicht überall und nicht sofort, aber das EPD wird zur Normalität werden.»

Bis dahin muss es aber noch weiterentwickelt werden, findet der Ärzte-Präsident Jürg Lareida. In der AZ von gestern sagte er, derzeit sei es nur eine Sammlung von PDF-Dokumenten, so bringe es nicht viel.

Patienten sollen grössere Kontrolle über ihre Daten erhalten

Dagegen sieht Lütschg im EPD auch für Patientinnen und Patienten nur Vorteile: «Zum ersten Mal haben sie ein Anrecht auf ihre gesundheitlichen Daten», sagt Lütschg. Seit Mai können alle Aargauerinnen und Aargauer an den Poststellen Aarau und Baden ein elektronisches Patientendossier eröffnen. Darin werden Gesundheits-Dokumente wie Röntgenbilder, Medikamentenlisten oder Spitalaustrittsberichte erfasst, sofern der Leistungserbringer beim Dossier mitmacht. Wichtig dabei ist: Die Patienten bestimmen selbst, wer auf das EPD Zugriff bekommt, und sie können ihre Dokumente jederzeit selbst einsehen. So sollen sie eine grössere Kontrolle über ihre Gesundheitsdaten erhalten.

Doch nutzen die Aargauer das Angebot des EPD überhaupt? Wie viele dies bisher tun, will Lütschg nicht verraten. «Im Moment ist der Eröffnungsprozess nicht ganz trivial», erklärt er. Denn bisher braucht es eine elektronische Identität, um ein EPD zu eröffnen. «Wir arbeiten daran, dies auf rechtskonforme Weise zu vereinfachen», so Lütschg. Zudem wird das Angebot an Eröffnungsstellen ausgebaut: Bis Ende Jahr sind auch die Poststellen in Muri und Rheinfelden dabei.

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