Alle 20 Minuten und 58 Sekunden passierte letztes Jahr im Aargau eine Straftat. Das ist häufiger, als 2017. Die Kantonspolizei hatte den Anstieg an Straftaten im Jahresrückblick Anfang Januar angekündigt, nun liegen die offiziellen Zahlen der Polizeistatistik vor. Gab es im Jahr 2017 im Kanton Aargau gesamthaft 23 601 Straftaten, erhöhte sich diese Zahl im folgenden Jahr um 1477 auf 25 078 Delikte. Das ist ein Anstieg von 6%. Ein nationaler Vergleich zeigt: Gesamtschweizerisch haben die Straftaten um ein Prozent abgenommen.

Dabei sind die Gewaltstraftaten im Aargau im Vergleich zu den Vorjahren mit 19 Prozent besonders stark angestiegen. Hatte es 2017 gesamthaft 2003 Gewaltstraftaten gegeben, stieg die Zahl um 390 Straftaten auf 2393. Diese Veränderungen seien zu einem grossen Teil auf Tätlichkeiten im nahen sozialen Umfeld zurückzuführen, schreibt die Kantonspolizei. «Dabei handelt es sich längst nicht nur um schwere Gewaltdelikte, das kann beispielsweise auch eine Ohrfeige unter Bekannten sein, die bei der Polizei angezeigt wird», erklärt Mediensprecher Bernhard Graser.

Mehr Erpressung online

Stark zugenommen hat im Kanton Aargau mit 67 Straftaten die Erpressung, vor allem im Internet. Das ist eine Zunahme von 319 Prozent. Dabei handelt es sich vermehrt um Fälle von sogenannter «Sextortion». Kriminelle erschleichen sich auf Kontaktplattformen das Vertrauen eines Opfers, fordern dann intime Fotos an und benutzen diese, um die Geschädigten zu erpressen. Zugenommen haben aber auch die Beteiligungen an Raufhandel (58 Straftaten), Drohungen (92 Straftaten) oder Tätlichkeiten (179 Straftaten). Im nationalen Vergleich ist die Zunahme um 19 Prozent hoch, sind die Gewaltstraftaten auf nationaler Ebene mit einer Zunahme von fünf Prozent relativ stabil geblieben.

«Hinter dem Anstieg ist kein eindeutiges Muster erkennbar», sagt Bernhard Graser. Von den 2393 begangenen Gewaltstraftaten konnte die Kantonspolizei 2171 aufklären. Dies entspricht einer Aufklärungsquote von 90 Prozent.

Mehr häusliche Gewalt

Auch die Fälle von häuslicher Gewalt, wie zum Beispiel Drohungen, Beschimpfungen, Tätlichkeiten, Körperverletzungen oder Vergewaltigungen, gelten als Gewaltstraftaten. Rund 1500 Mal musste die Kantonspolizei Aargau 2018 wegen häuslicher Gewalt ausrücken, dabei nahmen vor allem die verbalen Streitigkeiten und die leichten Fälle von Tätlichkeiten zu. In 500 Fällen kam es zu einer Strafanzeige, dies ist ein Anstieg von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Zunahme entspricht den Zahlen auf nationaler Ebene, auch dort nahmen die Fälle von häuslicher Gewalt um neun Prozent zu.

Alle Tötungsdelikte aufgeklärt

Die Kantonspolizei musste 2018 in zwölf Tötungsdelikten ermitteln, sechs davon endeten tödlich. Im Jahr 2017 waren es neun Tötungsdelikte, wovon zwei tödlich endeten, sieben Mal blieb es bei einer versuchter Tötung. In beiden Jahren konnten alle Tötungsdelikte aufgeklärt werden. Schweizweit gab es letztes Jahr 50 vollendete und 149 versuchte Tötungsdelikte. Mehr als die Hälfte der vollendeten Tötungsdelikte auf nationaler Ebene fanden im häuslichen Bereich statt.

Eine deutliche Zunahme gab es im Aargau bei den Selbsttötungen: 179 Mal nahm sich im letzten Jahr jemand das Leben, im Vorjahr waren es noch 142 Fälle. Hatten 2017 noch 64 Personen aus dem Aargau Hilfe bei einer Sterbehilfeorganisation gesucht, nahmen im Jahr 2018 schon 87 Personen deren Hilfe in Anspruch.

Einbruchszahlen bleiben stabil

Alle fünf Stunden und 41 Minuten wurde im letzten Jahr im Aargau eingebrochen. Wie die Kantonspolizei schreibt, zeigte die konsequente Schwerpunktbildung in der Bekämpfung der Einbruchkriminalität Wirkung, so konnte die Anzahl der Einbrüche mit 1542 auf dem Niveau des Vorjahres gehalten werden. Die Aufklärungsquote stieg im Vergleich zu 2017 von fünf auf 19,1 Prozent.

3453 Mal kam es im Aargau im letzen Jahr zu einer Straftat im Zusammenhang mit Betäubungsmitteln. Darunter fallen unter anderem Konsum, Handel, oder Schmuggel von Drogen. Im Vorjahr waren es noch 2872 Straftaten. Dies entspricht einer Zunahme von 20 Prozent. Schweizweit haben die Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz um fünf Prozent abgenommen.