Der Überläufer
Giezendanner verliess die Auto-Partei wegen der Fremden-Feindlichkeit

SVP-Nationalrat Ueli Giezendanner verliess die Auto-Partei 1996. Heute sagt er: «Ich hatte eine gute Zeit.» Inzwischen seien die Partei und ihre Forderungen aber überholt.

Mario Fuchs
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Ulrich Giezendanner: Mitte 1996 trat er aus der Auto-Partei aus und wurde SVP-Mitglied.

Ulrich Giezendanner: Mitte 1996 trat er aus der Auto-Partei aus und wurde SVP-Mitglied.

Keystone

Heute ab 10 Uhr feiert die Auto-Partei in der Kartbahn Roggwil ihr 30-Jahr-Jubiläum. Ueli Giezendanner wird nicht dabei sein. Priorität hat für ihn ein anderes Fest: «Ich wäre gerne gegangen, aber wir feiern im Tessin den Geburtstag eines lieben Freundes.»

Giezendanner lancierte in der Auto-Partei seine Politkarriere: 1991 holte er für sie einen von acht Nationalratssitzen – eine Sensation. Er könne sich noch gut an die Anfänge erinnern, erzählt er: «Ich wusste nicht genau, was ich politisch machen wollte. Zwar kam ich aus einer freisinnigen Familie, aber die FDP wurde gerade von einer linksliberalen Strömung erfasst, das störte mich schaurig.»

Beitritt aus Protest

Die Auto-Partei sei für ihn «aus Protest» die ideale Alternative gewesen. Später begann der Abstieg – und der Rothrister realisierte das. «Ich wusste, dass ich so nicht weitermachen konnte. Dabei ging es mir nicht ums Auto, sondern um die Fremdenfeindlichkeit.»

Exponenten hätten sich wiederholt diskriminierend geäussert, das habe er nicht mittragen können. «Was Ausländer betrifft, bin ich klar auf SVP-Linie, aber bei mir steht der Mensch immer im Mittelpunkt.» Wenn jemand diskriminiert oder persönlich beleidigt werde, habe er Mühe. Die SVP führe die Asyldiskussion «sehr hart», aber Fremden- oder gar Menschenfeindlichkeit gebe es nicht. In der Auto-Partei sei das anders gewesen.

Auch mit FDP verhandelt

Christoph Blocher und der damalige SVP-Präsident Hans Uhlmann empfingen den Überläufer freudig. Zuvor hatte dieser auch mit der FDP verhandelt. Eines Freitags, als beide Fraktionen tagten, hörte er im Radio von seiner Aufnahme in die SVP.

Heute sagt Giezendanner: «Ich hatte eine gute Zeit in der Auto-Partei. Aber der Wechsel zur SVP war das Gescheiteste, was ich machen konnte.»

Giezendanner hat kaum noch Kontakt zu ehemaligen Parteikollegen. Ausser zu Frank Karli, einem «guten Freund» und «intelligenten Mann». Dass die Partei wieder erstarkt, glaubt er nicht: «Ihre Themen hat die SVP längst aufgenommen.» Der Autobahn-Ausbau sei im Gang, die Gotthardröhre komme vors Volk. Das Modell einer spezialisierten Verkehrspartei sei «überholt».

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