Chlorothalonil. Das Wort ist ein Zungenbrecher. Trotzdem ist das Pestizid immer mehr Menschen ein Begriff. Das liegt daran, dass der Gehalt des Pestizides im Trink- und Grundwasser in einigen Regionen den Höchstwert des Bundes überschreitet. Auch im Aargau. Das Amt für Verbraucherschutz versucht, zu beruhigen. «Akute Gefahr für die Gesundheit der Konsumentinnen und Konsumenten bestand und besteht nicht», sagt Amtsleiterin Alda Breitenmoser.

Trotzdem mussten zwei Wasserfassungen umgehend vom Netz genommen werden, weil die Chlorothalonil-Konzentration deutlich über dem vom Bund definierten Höchstwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter lag. «Die Werte lagen 10-fach über dem Höchstwert des Bundes», sagt Breitenmoser. Sie fügt an, dass es sich bei der Stilllegung um eine zusätzliche Vorsichtsmassnahme handle, die über die Vorgaben des Bundes herausgeht. «Von den beiden Wasserfassungen ging keine akute Gesundheitsgefahr aus, selbst wenn man länger davon getrunken hätte.»

Wohlen reagierte in Eigenregie

Welche beiden Fassungen stillgelegt wurden, teilt das Amt für Verbraucherschutz nicht mit. An dieser Intransparenz stört sich SP-Grossrat Thomas Leitch. «Es geht mir nicht darum, das Thema hochzustilisieren, aber es sollte auch nicht bagatellisiert werden.» Er werde die Entwicklung beobachten und einen Vorstoss einreichen, «wenn es mit der Geheimniskrämerei so weitergeht».

Breitenmoser sagt, der Kanton dürfe die Namen nur veröffentlichen, «wenn für die Bevölkerung akute Gesundheitsgefahr besteht». Die Wasserversorger seien über die Untersuchungsbefunde aber informiert worden.

Die ibw, der Wohler Wasserversorger, verschickte am Abend eine Medienmitteilung und informierte, in Wohlen seien an zwei Stellen Überschreitungen des Höchstwerts nachgewiesen worden. Beim Brunnen beim Bahnhof war es eine leichte Überschreitung, beim Grundwasserpumpwerk Eichholz eine starke. Als vorsorgliche Sofortmassnahme sei das Grundwasserpumpwerk Eichholz ausser Betrieb genommen worden.

Breitenmoser begrüsst es, dass die Gemeinden aktiv informieren. Sie sagt aber nicht, ob es sich beim Grundwasserpumpwerk um eine der beiden Wasserfassungen handelt, die das Amt für Verbraucherschutz stillgelegt hat. Die ibw hingegen stellt klar, die Grundwasserfassung Eichholz sei in Eigenregie ausser Betrieb genommen worden. Ausserdem habe die ibw beim Kanton eine umfassende Kontrolle ihrer Quellen und Wasserfassungen beantragt, «um sich ein aussagekräftigeres Bild machen zu können».

Jede dritte Probe belastet

Das Amt für Verbraucherschutz hat bisher 108 Wasserproben untersucht. In jeder dritten Probe waren Chlorothalonil-Rückstände in geringer Konzentration nachweisbar. Etwa jede zehnte Messprobe wies einen zu hohen Wert auf. Auch in diesen Fällen bestehe Handlungsbedarf, teilt das Amt für Verbraucherschutz mit. Allerdings wartet der Kanton ab, bis die Risikoeinschätzung des Bundes vorliegt. Diese werde Anfang August erwartet. Danach würden «detaillierte Massnahmen und Fristen zur Senkung des Rückstandsgehalts festgelegt».
Im Kanton Aargau gibt es rund 1800 Quellwasserfassungen und 300 Grundwasserfassungen, die für die Trinkwasserversorgung in den Gemeinden genutzt werden. Jeden Tag gelangen laut Amt für Verbraucherschutz mehr als 2000 verschiedene Wasserqualitäten zu den Konsumentinnen und Konsumenten, die sich in Bezug auf die Pflanzenschutzmittel-Rückstände unterscheiden.

Trotzdem sagt Breitenmoser, die Resultate der 108 Proben gäben einen ersten Überblick. Das Risiko, dass der Höchstwert bei anderen Trinkwasserfassungen auch deutlich überschritten werde, sei «aufgrund des heutigen Wissensstandes nicht gross».

Das Amt für Verbraucherschutz werde den Chlorothalonil-Gehalt im Rahmen der üblichen Inspektionen weiterhin messen. «Inwieweit wir darüber hinaus zusätzliche Messungen machen, hängt von den Vorgaben des Bundes ab», sagt sie. Breitenmoser betont, mit den eingeleiteten Massnahmen seien Konsumenten vor gesundheitsschädlichem Trinkwasser geschützt. Das Wasser könne weiterhin überall im Aargau getrunken werden.