Gränichen
Zehnder schon wieder deutlich über Vor-Corona-Niveau, obschon Evergrande & Co. das Wachstum der Gruppe deutlich bremsten

Die in Gränichen ansässige Zehnder Group hat ihre Umsatzzahlen für das vergangene Jahr präsentiert. In vielen Bereichen konnte sie sich steigern, allerdings gibt es auch Probleme mit Zahlungen.

Sébastian Lavoyer, Alessandro Crippa
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Der Hauptsitz der Zehnder Gruppe in Gränichen.

Der Hauptsitz der Zehnder Gruppe in Gränichen.

Keystone

Im vergangenen Jahr hat die Zehnder Group in den ersten sechs Monaten von pandemiebedingten Nachholeffekten im Heizkörpergeschäft profitiert. Hingegen hatte sie im zweiten Halbjahr Probleme, weil verschiedene elektronische Bauteile nicht verfügbar gewesen sind. Das schreibt sie in einer Medienmitteilung. In der zweiten Jahreshälfte sei es zu Lieferproblemen im Lüftungsbereich gekommen.

Obschon diese Lieferprobleme das Wachstum deutlich gebremst haben, ist der Umsatz 2021 im Vergleich zum Vorjahr um rund 12,9 Prozent gewachsen. Selbst im Vergleich zum Vor-Pandemie-Jahr 2019 weist die Zehnder Group ein beträchtliches Wachstum (rund 8,3 Prozent) aus und hat 2021 einen um 52,8 Millionen Euro höheren Umsatz erzielt (siehe Grafik) als vor zwei Jahren.

Von den im Jahr 2021 umgesetzten 697,2 Millionen Euro entfielen 352.7 Millionen (50,5 Prozent) auf das Geschäft mit Lüftungen, 344,5 Millionen Euro (49,5 Prozent) setzte Zehnder mit dem Verkauf von Heizkörpern um.

Der Green Deal als Wachstumstreiber auf dem europäischen Markt

Nach wie vor ist Europa der wichtigste Markt der Zehnder Group und zugleich auch der wichtigste Wachstumstreiber. Auf dem alten Kontinent macht das Unternehmen mit 586,8 Millionen Euro über 84 Prozent seines Umsatzes. Und während in Europa der Umsatz von 531,1 Millionen Euro vor der Pandemie (2019) auf 586,6 Millionen Euro (2021) anwuchs (+10,5 Prozent), liegen China und die USA noch immer unter dem Niveau vor Corona. Noch stärker fällt das Wachstum in Europa aus, wenn man zum Vergleich das von Corona stark beeinträchtigte 2020 heranzieht (+13,5 Prozent)

Die stärksten Treiber des Umsatzwachstums in Europa waren Frankreich, Grossbritannien und Italien. Und zwar insbesondere auch aufgrund regulatorischer Eingriffe der Staaten im Bereich Energieeffizienz von Heizkörpern. Stichwort Green Deal, also des europäischen Programms zur Erreichung der Klimaneutralität bis 2050.

Wie Evergrande das Ergebnis von Zehnder in China beeinträchtigte

Nun zu China: Dort liegen die Zehnder-Umsätze 2021 (55,6 Millionen Euro) noch immer hinter jenen von 2019 (57,4 Millionen Euro). Im Vergleich zu 2020 jedoch verzeichnet man allerdings ein deutliches Wachstum von rund 15 Prozent (oder von 48,3 Millionen auf 55,6 Millionen Euro). Wobei das Wachstum vor allem dem Zukauf der im Frühling akquirierten Wärmetauscher-Firma Fortuneway zu verdanken ist. Das bestehende Geschäfte schrumpfte tatsächlich um 3 Prozent im Vergleich zu 2020.

Das liegt vor allem auch an den Turbulenzen in der chinesischen Baubranche. Die Regierung in Peking hat im August 2021 die Regulierung des Immobilienmarktes verschärft, in dem man den Zugang zu Krediten für hochverschuldete Unternehmen erschwerte. Darauf sind zahlreiche Immobilienunternehmen unter Druck geraten. Allen voran Evergrande, das offiziell mit über 300 Milliarden Dollar in der Kreide steht.

«Die Nachfrage auf dem chinesischen Immobilienmarkt brach in der zweiten Jahreshälfte stark ein, zahlreiche Bau-Projekte wurden unterbrochen» sagt René Grieder, CFO der Zehnder Group. Aber unterdessen seien die einige Bauprojekte wieder angelaufen, die zum Teil während Monaten stillstanden. Deshalb ist Grieder optimistisch, dass sich die Situation 2022 für Zehnder besser präsentieren könnte. Grieder:

«Wir sind ein Nischenplayer in China, insbesondere beim energieeffizienten Bauen stark. Dort ist ein Wachstum möglich, auch wenn das Gesamtvolumen der Branche vielleicht rückläufig ist.»

In Nordamerika hätten sich Material- und Personalengpässe negativ auf den Heizkörperabsatz ausgewirkt. Trotzdem konnte man den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um knappe 5 Prozent steigern (von 52,1 Millionen auf 54,8 Millionen Euro). Allerdings liegt man auch in Nordamerika noch immer unter dem Niveau von 2019 (55,8 Millionen).

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